Brexit wirft Euro-Zone nicht aus der Bahn

Dass Grossbritannien die EU verlässt, ist laut Mario Draghi ein wirtschaftliches Risiko. Ein Weltuntergang ist es aber wohl nicht. Denn gemäss dem Notenbank-Chef reagieren die Finanzmärkte «mutig und belastbar». Und zeigen sie längerfristig Schwäche, will die EZB alle denkbaren Massnahmen ergreifen.

Das Brexit-Votum hat die Wirtschaft der Euro-Zone nach Einschätzung von EZB-Präsident Mario Draghi gefordert, aber nicht überfordert.

«Nach dem britischen Referendum über die EU-Mitgliedschaft ist unsere Einschätzung, dass die Finanzmärkte der Euro-Zone der erhöhten Unsicherheit (...) mit Mut und Belastbarkeit begegnet sind», sagte Draghi. Er räumte aber ein, dass der geplante EU-Austritt die Konjunkturrisiken erhöhe.

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Bildlegende: Gibt sich verhalten zuversichtlich: EZB-Chef Mario Draghi. Keystone

Wachstum hält an, verringert sich aber

Die vorliegenden Daten signalisierten ein anhaltendes Wachstum im zweiten Quartal, führte der oberste europäische Währungshüter aus. Allerdings dürfte dieses Wachstum geringer ausfallen als noch zu Jahresbeginn.

Draghi machte weiter klar, dass die EZB notfalls zum Handeln bereit sei und alle ihr zur Verfügung stehende Instrumente nutzen werde.

Der Chef der Europäischen Notenbank betonte schliesslich, dass es noch weiterer Daten bedürfe, um die Auswirkungen eines Brexits mit Gewissheit vorauszusagen. Die EZB werde insofern auch «sehr genau» beobachten, ob ihre lockere Geldpolitik die Wirtschaft erreiche.

Leitzins bleibt auf null Prozent

Mario Draghi äusserte sich nicht spontan zu möglichen Auswirkungen eines Brexits auf die Eurozone, sondern im Anschluss an die EZB-Ratssitzung.

Bei dieser Sitzung hatte er offziell bekanntgegeben, dass die Notenbank den Leitzins auf dem Rekordtief von null Prozent belassen wolle. Diese Sistierung war von Expeten erwarten worden.

Weiter teilte Draghi mit, dass die EZB auch den Strafzins für Geldhäuser auf gegebenem Niveau – auf 0,4 Prozent – belassen wolle. Diesen Zins müssen Banken und Sparkassen bezahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken.

Massnahmen bereits im März ergriffen

Erst im März hatte die EZB ihren Kurs gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche drastisch verschärft. Damals wurde der Zins, zu dem Banken frisches Zentralbankgeld bekommen, erstmals auf Null gesenkt.

Ferner steckt die EZB seit März in Staatsanleihen und andere Wertpapiere deutlich mehr Geld: 80 Milliarden Euro monatlich. Seit Juni kauft die Notenbank zudem auch Unternehmensanleihen.