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Drohender Kollaps des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande
Aus Rendez-vous vom 21.09.2021.
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Chinesischer Finanzmarkt Evergrande mit 280 Milliarden Dollar Schulden – und die Schweiz?

Der chinesische Immobilienkonzern Evergrande ist schwer verschuldet. Steuert die Welt auf eine neue Finanzkrise zu?

Wer ist Evergrande? Evergrande ist das zweitgrösste Immobilienunternehmen in China. Die Firma schuldet – vor allem chinesischen – Banken 280 Milliarden Dollar. Das Unternehmen steht vor der Pleite und erschüttert jetzt die Aktienmärkte.

Legende: Evergrande hat in den letzten Jahren riesige Projekte angerissen – auf Pump. Keystone

Wieso hat sich der Konzern so verschuldet? Er hat immer grössere Projekte auf Pump finanziert. Das heisst, er hat sich Geld von Banken, Investoren und Wohnungskäufern und -käuferinnen geliehen. Nun hat die chinesische Regierung die Regeln fürs Schuldenmachen verschärft und Evergrande musste kurzfristig Schulden tilgen. So geriet der Konzern in die Situation, in der er nun steckt. 

Wer ist von dem Problem betroffen? Neben zahlreichen Banken, Angestellten und Zulieferern sind auch über eine Million Immobilienkäufer betroffen. 100 Projekte der Firma befinden sich noch im Bau. Das bedeutet: Die Leute haben eine Wohnung bezahlt, die noch nicht fertig gebaut ist. Viele Baustellen liegen derzeit brach.

Legende: Der Name der Firma Evergrande in chinesischen Schriftzeichen. Keystone

Was haben Schweizer Grossbanken mit Evergrande zu tun? Die Grossbanken sind aktiv im asiatischen Raum und auch in China. Wenn der chinesische Finanzmarkt Probleme hat, bekommen das die Banken, die in diesem Markt aktiv sind, zu spüren. CS und UBS gehören dazu. Die UBS soll zudem Anleihen im Wert von 275 Millionen Dollar in ihren Büchern haben.

Was sagt Evergrande zum drohenden Konkurs? Der Verwaltungsratspräsident von Evergrande, Hui Ka Yuan, gibt sich optimistisch. Er schreibt in einem Brief an seine Mitarbeitenden: «Ich bin fest davon überzeugt, dass Evergrande mit Ihrem Einsatz und Ihrer harten Arbeit aus seinem dunkelsten Moment herauskommen wird und so schnell wie möglich die Bauarbeiten in vollem Umfang wieder aufnehmen wird.» Evergrande werde seine Verpflichtungen gegenüber den Immobilienbesitzern, Investoren, Partnerfirmen und Banken erfüllen. Wie dies geschehen könne, schreibt Hui aber nicht.

Video
Evergrande-Präsident versucht, Wogen zu glätten
Aus Tagesschau vom 21.09.2021.
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Wäre ein Bankrott von Evergrande vergleichbar mit dem Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers, der 2008 eine weltweite Finanzkrise auslöste? Eher nicht. Lehman Brothers war viel mehr in das weltweite Finanzsystem integriert als Evergrande. Sicherlich ist Evergrande ein sehr grosser Konzern in einem sehr grossen Land. Aber das internationale Finanzmarktsystem wird es viel weniger tangieren. Auch, weil man aus der Finanzkrise 2008 gelernt hat und andere Regulierungen geschaffen hat.

Wird sich eine Pleite auf die Schweiz auswirken? Wenn ein so grosser Player solche Probleme hat, wird es gewisse Auswirkungen haben, aber nicht im selben Ausmass wie der Bankrott von Lehman Brothers. 

Wird die chinesische Regierung den Konzern retten? Das ist offen. Trotz Protesten von Investoren sei nicht zu erwarten, dass die chinesische Regierung den Konzern einfach retten werde, sagt etwa SRF-China-Korrespondent Martin Aldrovandi. Die Regierung werde eher versuchen, ein Exempel zu statuieren für andere Immobilienkonzerne.

Rendez-vous, 21.09.2021, 12:30 Uhr;

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    Die Frage nach der Schweiz ruft dieselbe Antwort. Wenn jemand bei einer Bank einen Kredit von einer Million oder von 100 Millionen zugesprochen bekommt wird die Summe einmal links und einmal rechts in den Konten verbucht. Geld geschaffen. Solange der Schuldner bezahlt ist alles in Ordnung. Und was geschieht wenn er nicht mehr zahlungsfähig ist? Loch im Eimer!!!
  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    Das Grundproblem ist die weltweite "Geldvermehrung". Solange de Geldmengee nicht limitiert werden kann wird auch die Spekulation nicht enden, es sei denn ein Zusammenbruch des Systems führt zu einer Neugestaltung des Finanzsystems mit Bindung an reelle Werte die an sich limiert sind wie z.B. Gold und Silber. Diese können nicht mit Druck auf einen Knopf des Computers vermehrt werden.
  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Wer schon einmal in China war, hat sicherlich all die leeren Hochhäuser gesehen? Jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand sieht augenblicklich, dass dies auf die Dauer nicht gut gehen kann, dazu braucht es auch keine Finanzexperten.