Zum Inhalt springen

Header

Audio
Chinesischem Immobilienkonzern Evergrande droht Konkurs
Aus SRF 4 News aktuell vom 15.09.2021.
abspielen. Laufzeit 02:50 Minuten.
Inhalt

Drohender Konkurs Chinas Immobilienriese wankt – Schockwellen ziehen durchs Land

Evergrande steht vor dem Konkurs: Die Banken zittern – und viele chinesische Familien bangen um ihr Geld.

Der zweitgrösste Immobilienkonzern Chinas, Evergrande, steht vor dem Konkurs. Aktien- und Anleihekurse sind in den vergangenen Tagen eingebrochen. Evergrande ist nicht irgendeine Firma: Sie beschäftigt nach eigenen Angaben insgesamt 200'000 Menschen. Das Unternehmen ist ein Schwergewicht in Chinas Wirtschaft.

Anleger fürchten einen Zusammenbruch des Immobilienkonzerns, der unter einem Schuldenberg von rund 280 Milliarden Dollar ächzt – das entspricht etwa dem Bruttoninlandsprodukt von Finnland. Zudem gibt es die Sorge, dass eine Insolvenz Schockwellen durch das chinesische Bankensystem jagt.

Massloses Wachstum

Doch wie ist der Immobilienkonzern überhaupt in eine solche Schieflage gekommen? «Evergrande ist kein sehr transparentes Unternehmen, so wie China allgemein kein sehr transparentes Land ist», sagt ARD-Korrespondent Steffen Wurzel. Entsprechend schwierig sei es, die Vorgänge von aussen zu bewerten.

In den staatlich kontrollierten Medien herrscht derzeit beredtes Schweigen über die Vorgänge, berichtet der Korrespondent. Viele Fragen bleiben offen.

Legende: Evergrande treibt mitunter gewaltige Immobilienprojekte im ganzen Land voran, wie die Emerald Bay in Hongkong. Keystone

Klar ist aber: Evergrande hat sich schlichtweg übernommen. «Der Konzern ist zu masslos und vielleicht auch zu schnell gewachsen», sagt Wurzel. Evergrande-Aktien gaben rund sechs Prozent nach und fielen auf den tiefsten Stand seit 2014. Auch die Aktien anderer Immobilienkonzerne gerieten unter die Räder.

Privatkunden bangen um Geld

Die Bedeutung des riesigen Konzerns, der auf Chinesisch «Hengda» heisst, ist immens. «Jeder und jede in China kennt den Immobilienkonzern: Er baut Wohnungen, Wohnanlagen, Hochhäuser – und das überall im Land.»

Seit Jahren investiert Evergrande auch in ländlicheren, weniger entwickelten Regionen des Riesenreichs. Und gerade dort grassieren nun Ängste unter den Menschen, dass sie nun ihr Geld verlieren. Denn die chinesischen Immobilienriesen finanzieren sich grösstenteils über Anzahlungen: «Viele Menschen geben das Geld Immobilienanlegern und vertrauen darauf, dass sie in ein paar Jahren eine tolle Wohnung bekommen», erklärt Wurzel.

Statuiert Peking ein Exempel?

Bislang funktionierte das System weitgehend, auch wenn es vereinzelt Pleiten und Rettungsaktionen gab. Dass es nun aber den gigantischen Konzern Evergrande trifft, bereitet vielen Chinesinnen und Chinesen Sorge.

Und wie soll es jetzt weitergehen? Wurzel hat diese Frage mit diversen Analysten erörtert. Ein mögliches Szenario: Peking lässt Evergrande Pleite gehen, um ein Exempel zu statuieren. Gewisse Anteile könnten aber durch den Staat gerettet werden, damit es nicht zu sozialen Spannungen kommt – denn landesweit könnten mehr als eine Million Familien ihr Geld verlieren.

SRF 4 News, 15.09.2021, 9:07 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

25 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Dani Keller  (¯\_(ツ)_/¯ ____)
    Wird auch wieder Zeit für eine Immobilienkrise. In Japan läutete auch eine Immobilienkrise das Ende des Wachstums ein.
    Zudem haben wir auch weltweit eine Immobilieninflation die von den Zentralbanken seit vielen Jahren angeheizt wird. China könnte also nur der Anfang sein...
  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Der Name Evergrande ruft regelrecht nach dem Untergang. Für einen totalitären Staat wie China wird dies halb so wild sein, die Leute werden sich unterordnen und weiterhin nach der Führung tanzen. Wann haben wir das letzte Mal etwas über Hong Kong gehört? China kann man mit keinem anderen Land vergleichen, niemand ausser die Umwelt wird China bremsen!
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Typische Folge eines ausufernden Kapitalismus. Selbst in einem kommunistischen Land.