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Die Lehren aus einem Jahr Homeoffice
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.03.2021.
abspielen. Laufzeit 06:48 Minuten.
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Corona und die Arbeitswelt Der Homo Homeoffice: Produktiver, aber weniger teamfähig

Die Mitarbeitenden geben sich gute Noten für ihre Arbeit im Homeoffice. Nicht ganz so euphorisch sind die Chefs.

Lange Jahre weissagten Zukunftsforscher, dass die Digitalisierung unseren Arbeitsalltag fundamental verändern wird. Trotzdem drängten sich allmorgendlich die Autos auf der Autobahn und die Menschen in den Zügen, um quer durchs Land zum Arbeitsplatz zu fahren. Und auch das Kafi und Znüni waren fester Bestandteil des Nine-to-Five-Jobs – wie in den guten alten, analogen Zeiten.

Durch Shutdowns und Homeoffice-Pflicht hat sich dies in Windeseile geändert: Seit einem Jahr gehört das Arbeiten von zuhause zum Alltag vieler Menschen in der Schweiz. Durch die Pandemie ist eine Art Versuchslabor in Sachen Homeoffice entstanden – auch für die Arbeitgeber, die nicht selten befürchteten, dass Homeoffice den Schlendrian befördern würde.

Meinungen im Management «polarisiert»

Eine neue Studie kommt nun zu anderen Schlüssen: Tatsächlich hat die Effizienz und Produktivität der «Heimarbeitenden» im letzten Jahr nicht gelitten. Durchgeführt wurde die Erhebung vom Personalberatungsunternehmen von Rundstedt.

Arbeitnehmer im Homeoffice
Legende: Befragt wurden über 500 kleinere und grössere Firmen, die meisten davon aus dem Dienstleistungssektor und der Verwaltung, wo verstärkt ins Homeoffice gewechselt wurde. Keystone

Laut Studienleiter Pascal Scheiwiller werden die neuen Freiheiten aus Sicht der Mitarbeitenden geschätzt. «Und sie glauben auch, dass Qualität und Effizienz im Homeoffice gestiegen sind.»

Eine Sicht der Dinge, die tendenziell auch vom Management geteilt werde, sagt der Arbeitsmarkt-Experte. «Aber die Meinungen sind sehr polarisiert. Es gibt einen anderen Teil im Management, der findet, dass Qualität und Effizienz eher sanken.»

Die verbreitete Skepsis in den Chefetagen begründet der Studienleiter damit, dass sich die Erwartungen an den Arbeitsalltag und die Angestellten über Jahrzehnte eingeschliffen haben. «Es braucht seine Zeit, bis man sich an den neuen Modus gewöhnt und auch die positiven Resultate erkennt.»

Irgendwann hat man die Nase voll und braucht den direkten Austausch, die physische Nähe.
Autor: Pascal ScheiwillerArbeitsmarkt-Experte

Also alles eitel Sonnenschein im Homeoffice-Land Schweiz? Nur bedingt. Das isolierte Arbeiten behagt auf Dauer nicht allen. «Den Mitarbeitenden fehlt die Beziehungsebene», sagt Scheiwiller. Laut der Studie haben Teamwork und Zusammenhalt aus Sicht vieler Mitarbeitenden gelitten.

«Smart Working» – das wahre Zukunftsmodell?

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«Smart Working» – das wahre Zukunftsmodell?

Homeoffice brach im letzten Jahr überfallartig über die Schweiz herein. Viele Unternehmen seien unvorbereitet gewesen, sagt Scheiwiller. Die oftmals improvisierten Gehversuche im Homeoffice hätten sich denn auch vom «Smart Working» unterschieden: «Das ist ein Arbeitsmodell der Zukunft: Den Arbeitnehmenden soll viel mehr Flexibilität und Autonomie gegeben werden.»

Die Angestellten entscheiden bei der «schlauen Art zu arbeiten» selber, wann, wo und wie sie arbeiten – sie müssen lediglich vorgegebene Ziele erreichen. Das Homeoffice ist nur Teil des neuen Arbeitsmodells. Scheiwiller bedauert, dass bei den meisten Unternehmen noch keine neue Arbeitskultur im Sinne des Smart Working geschaffen wurde: «Rollenverständnisse, Meetingstrukturen, Messgrössen, Führungsrhythmus – all das müsste angepasst werden.»

So manch einem schlagen die fehlenden sozialen Kontakte aufs Gemüt. «Wir sehen, dass die Unzufriedenheit zunimmt. Am Anfang war das alles noch spannend», so der Arbeitsmarkt-Experte. «Und auch die Zoom-Apéros waren lustig. Aber irgendwann hat man die Nase voll und braucht den direkten Austausch, die physische Nähe.»

Die richtige Balance finden

Für Scheiwiller ist klar: Es braucht einen gesunden Mix. Eine Homeoffice-Pflicht, in der Mitarbeitende teils Wochen einsam vor sich hinarbeiten, sei kontraproduktiv: «Das wirkt sich negativ auf die Motivation und Beziehungsqualität im Unternehmen aus.» Die Verbundenheit zur Firma leidet also.

Ein Jahr Corona hat die Arbeitswelt laut der Studie nachhaltig verändert. «Die meisten Unternehmen glauben, dass Homeoffice bleiben wird – sich aber in einem vernünftigen und sinnvollen Mittelmass einpendeln wird.» Diese Kombination von Heim- und Büroarbeit könne eine gesunde und produktive Balance herbeiführen, glaubt Scheiwiller.

SRF 4 News, 16.03.2021, 10:17 Uhr;

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Ja, im Homeoffice kommt einiges zutage. Schwächere Mitarbeitende sind eher verloren, stärkere wahrscheinlich effizienter weil sie nur ihre Arbeiten erledigen müssen. Nicht ständig gestört werden, kann auch himmlisch sein. Nicht alle sind fähig ihre Arbeit einzuteilen, können diszipliniert arbeiten, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Homeoffice kombiniert mit festgelegten Sitzungen über Bildschirm, regelmässigen direkten Kontakten in den Firmen, wenn wieder erlaubt, würde ich befürworten.
  • Kommentar von Karl Lukas  (Hirnilein)
    Cool, Chef-Bashing!

    Ein guter Chef kennt seine Mitarbeiter und weiss, wo er genauer hinschauen muss und wo nicht. Das "Genauer Hinschauen" ist nebenbei bemerkt nicht annähernd so spannend, wie sich das einige hier vorstellen.

    Das ist aber nicht das eigentliche Problem, sondern die Frage, wieviel Effektivität ein Team verliert, wenn es nicht mehr regelmässig zusammenkommt. Das ist firmenspezifisch und lässt sich nicht verallgemeinern. Die Dynamik ist bei einigen jedenfalls weg.
  • Kommentar von Heike Miller  (Heike Miller)
    Schwache Arbeitnehmer sind im Homeoffice ersichtlich. Arbeitnehmer, welche sich gut verkauft haben und jetzt total überfordert sind. Das alles erstaunt mich überhaupt nicht, Gute Arbeitnehmer arbeiten im Homeoffice einiges besser, da sie von solchen Arbeitnehmer abgeschirmt sind und das nicht alles mitbekommen. Schein statt Sein!