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Der Kampf der Kinos
Aus Trend vom 13.06.2020.
abspielen. Laufzeit 16:31 Minuten.
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Corona und Streaming zum Trotz Das Schweizer Kino kämpft um seine Zukunft

Totgesagte leben länger: Das Kino hat schon so manche Herausforderung überstanden. Auch das immer beliebtere Streaming?

Drei lange Monate kein Thriller, keine Komödie, kein Action-Streifen. Die gepolsterten Kinosessel blieben leer, die Säle und Leinwände dunkel. Corona war und ist ein Drama für das Kino. Dabei wird die Branche bereits von einem technologischen Umbruch gefordert. Das Video-Streaming macht Filme von zuhause aus einfach zugänglich für alle.

Besonders in den vergangenen Corona-Wochen hat das Streaming deshalb an Beliebtheit gewonnen – während alle Kinos im Land geschlossen blieben. Dass wegen dem Film-Streaming die Kinos aber nun ein für alle Mal zu gehen, glaubt Edna Epelbaum nicht. Sie ist Kinobetreiberin und Präsidentin des Schweizerischen Kinoverbandes.

Die Kino-Betreiberin Edna Epelbaum im grossen Saal des Kino Rex in Biel
Legende: Edna Epelbaum ist Kinobetreiberin von 28 Leinwänden in 5 Städten, Präsidentin vom Schweizerischen Kinoverband, Vorstandsmitglied Dachverband der Kinos und Filmverleiher in der Schweiz (ProCinema) und Vizepräsidentin des europäischen Kinoverbandes (Unic). Samuel Emch/SRF

Man habe in den letzten 100 Jahren schon so einige Krisen bewältigt. Angefangen beim Stumm- zum Tonfilm oder vom Schwarz-Weiss- zum Farbfilm und zuletzt beim Aufkommen des Fernsehens, der Videokassetten, DVD und Blu-Ray wurde dem Kino jeweils der Tod prophezeit, meint Epelbaum.

Doch das Kino gebe es immer noch und werde es auch weiterhin geben, ist die Verbandspräsidentin überzeugt. Nicht ein Gegeneinander, sondern ein Miteinander sei es mit dem Streaming. Dieses biete neue Möglichkeiten für den Film.

Anzahl der jährlichen schweizweiten Kinoeintritte von 1995 bis 2019.
Legende: Anzahl der jährlichen schweizweiten Kinoeintritte von 1995 bis 2019. Quelle: ProCinema. SRF

Tatsächlich eröffnet das Streaming zusätzliche Optionen, insbesondere den Filmverleihern, welche die Rechte für die Vermarktung der Filme halten. Wie zum Beispiel der Filmverleiher Filmcoopi, der in der Schweiz den Oscargewinner «Parasite» auf die Leinwand gebracht oder Filme wie «Die Göttliche Ordnung» und «Grounding» vermarktet hat.

Für Filmcoopi Co-Geschäftsführer Yves Blösche ist das Streaming eine Möglichkeit, Filme weiter zu zeigen, auch wenn Sie im Kino nicht mehr gefragt sind. Tatsächlich haben verschiedene Filmverleiher während dem Corona-Lockdown ihre Filme gar ausschliesslich auf Streaming-Plattformen verbreitet.

Entwicklung des Schweizer Kinos
Legende: In zwei Jahrzehnten hat die Anzahl der Leinwände schweizweit um fast einen Drittel zugenommen. Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl der Kinos um gut 15 Prozent ab. Quelle: ProCinema. SRF

Auch bei Filmcoopi habe man sich entsprechende Gedanken gemacht, sagt Geschäftsführer Blösche. Aber habe sich gegen eine exklusive Lancierung auf den Streaming-Plattformen entschieden. Doch man müsse diskutieren, welche Rolle das Streaming in Zukunft habe, meint der Filmverleiher.

Premieren auf der grossen Leinwand

Das dürfte in den Ohren der Kinofrau Epelbaum wie eine Drohung tönen. Keine Premieren, keine grossen Marketingkampagnen für den neuen Blockbuster im Kino? Das ist in ihren Augen nicht denkbar. Auch für den Film selbst sei eine Lancierung im Kino das Beste – schon nur aus Marketingperspektive. Entsprechend sagt die Kinoverbandspräsidentin: «Die Kino-Exklusivität muss gewährleistet sein, dafür setze mich ein.»

Umsatz Kinos.
Legende: Schweizweiter jährlicher Umsatz aus verkauften Kinoeintritten 1995 bis 2019. Quelle: ProCinema. SRF

Bisher war ihr Einsatz erfolgreich. Und es dürften auch in Zukunft weiterhin Filme für Premieren auf der grossen Leinwand produziert werden. Sprich: das Kino hat weiterhin einen Markt. Nur stellt sich die Frage, wie gross dieser noch sein wird. Insbesondere in Zeiten von Social Distancing und Streaming.

Echo der Zeit, 12.06.2020, 18:00 Uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Hollywood geht keine Risiken mehr ein und produziert, was sich gut Verkauft. Das sind vor allem Fortsetzungen, Reboots und Superheldenfilme. Diese Filme werden zwar von vielen Menschen geschaut, aber dafür müssen Sie nicht umbedingt ins Kino. Und immer mehr Studios drängen in den Streamingmarkt. Die Kinoexklusivität wird somit immer mehr zur Ausnahme. Kinos werden nicht sterben, aber Eintritte werden sicher weiter zurückgehen und eine Trendumkehr ist nicht erkennbar.
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    1. Antwort von Markus Bossert  (EEE)
      Das ist eine verbreitete aber verzerrte Wahrnehmung.
      Dass erfolgversprechende Sequals produziert werden, ist logisch. Wenn eine Produktion sehr erfolgreich ist, warum das Format nicht weiter melken.
      Nebst dem Mainstrem, welcher am meisten Werbebudget erhält, gibt es aber auch sehr viele kleinere Perlen an Filmen, welche leider im Werbe-Getöse der grossen Titel untergehen.
      Herr Gasser, ignorieren Sie mal alle Titel, welche Sie aus der Werbung kennen. Dann bleiben die Newcomer.
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    2. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      @Bossert: Sie bestätigen ja genau was ich eben sage. Schauen Sie die Eintritte an. Natürlich gibt es auch anspruchsvolle Filme. Aber von denen Überleben die Kinos definitiv nicht. Schauen sie auch wann eben diese Filme laufen. Wochentags und Nachmittags.
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    3. Antwort von Markus Bossert  (EEE)
      und warum würden die Kinos ohne Mainstream nicht überleben? Weil eben zu viele Besucher nur den einen aktuellen Blockbuster schauen wollen. Die Kinos geben sich Mühe, jederzeit eine tolle Auswahl anzubieten, und nicht alles auf einen Film zu setzen. Aber das Publikum entscheidet mit dem Kauf des Tickets, welcher Film weiterläuft oder abgesetzt wird.
      Zum Vergleich in den USA läuft z.b. bei einem neuen Bond, in allen Sälen eines Multiplexkinos nur noch der neue Bond. DAS ist Profitdenken.
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    4. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      @Bossert: Das Problem ist eben, für die Kinos, dass diese Cash Cows neu auch auf den Streaming Plattformen zu haben sind. Direkte Konkurrenz dort, wo die Kinos ihr Geld verdienen. Einfacher wird es wohl nicht für die Kinos in Zukunft.
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