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Coronavirus: Schweizer Firmen können Kurzarbeit beantragen
Aus Tagesschau vom 04.03.2020.
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Coronavirus und die Wirtschaft Kurzarbeit schliesst wichtige Gruppen aus

Gäbe es in der Schweiz die Kurzarbeitsentschädigung nicht, so müsste man sie spätestens jetzt erfinden: für eine akute, aber absehbar vorübergehende Krise. Für eine Situation, in der die Kundschaft nur zeitweilig ausbleibt. Bis das Virus unter Kontrolle ist.

So verwundert es nicht, dass der Arbeitsmarkt-Verantwortliche des Seco an der heutigen Coronavirus-Medienkonferenz des Bundes das Instrument der Kurzarbeit in Erinnerung gerufen hat.

Kurzarbeit scheint für heutige Situation wie gemacht

Kurzarbeit soll Arbeitsplätze erhalten, wenn plötzlich und unvorhersehbar die Einnahmen fehlen. Sie soll verhindern, dass ein Unternehmen wertvolle Mitarbeitende mit viel Know-how wegen eines Nachfrageeinbruchs entlassen muss. Um kurz darauf wieder neue Unerfahrene einstellen zu müssen.

Für Situationen wie die aktuelle scheint Kurzarbeit wie gemacht. Kurzarbeit hilft, wo etwa Bestandteile aus dem Ausland für die Montage in der Schweiz nicht geliefert werden können. Wo Lieferketten unterbrochen sind und die Beschäftigten deshalb untätig herumsitzen müssten. Dort kann ein Unternehmen, wenn auch die Arbeitnehmenden einverstanden sind, Kurzarbeitsentschädigung beantragen. Diese deckt dann 80 Prozent des Lohnes für die ausgefallenen Arbeitsstunden, falls keine andere Versicherung diesen deckt.

Temporär-Angestellte und Selbständige aussen vor

Das Verbot grösserer Veranstaltungen durch den Bund macht manchen wirtschaftlich schwer zu schaffen: Den Veranstaltern selbst, aber auch jenen, die auftreten sollten; jenen, die die Technik liefern, die Verpflegung, für die Sicherheit sorgen. Doch ausgerechnet diesen von ausfallenden Arbeitsstunden Betroffenen bleibt die Kurzarbeitsentschädigung meist verwehrt.

Eine Kurzarbeitsentschädigung hat nur zugute, wer unbefristete Arbeitsverhältnisse anbietet. Das ist gerade in der Event-Branche selten der Fall. Wer am Autosalon arbeitet, tut dies für die Dauer des Anlasses. Auftretende sind oft Selbständige. Kurzarbeit hilft auch dem Familienbetrieb in der Gastronomie oder Hotellerie kaum, dem die Fasnächtler fehlen. Oder jenem, der auf die Fussball- oder Hockeyfans verzichten muss, oder auf die ausländischen Gäste. Wer einen Betrieb selber führt, kann für sich keine Kurzarbeit beantragen, auch für Familienmitglieder nicht, höchstens für unbefristet Angestellte.

Die Massnahmen des Bundes zum Schutz der Gesundheit der Allgemeinheit könnten gewisse Betriebe in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährden. Natürlich unbeabsichtigt. Und aus Sicht der Betriebe unverschuldet. Weil ihnen wegen vorübergehend fehlender Einnahmen das Geld für die Löhne fehlt, die Liquidität versiegt.

Gelockerte Bedingungen?

Dauern die behördlichen Einschränkungen länger an, und danach sieht es wohl aus, bräuchten sie Unterstützung, um sie vor dem Untergang zu bewahren: eine Unterstützung im Geiste der Kurzarbeitsentschädigung, aber mit vorübergehend gelockerten Bedingungen. Ohne die Einschränkungen für befristet Angestellte, Familienbetriebe oder Selbständige. Fraglich ist, ob sich diese Gruppen in der Politik genügend Gehör verschaffen können.

Tagesschau, 04.03.2020, 19.30 Uhr; frol

Roman Mezzasalma

Roman Mezzasalma

Leiter Wirtschaftsredaktion Fernsehen SRF

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Nach dem Ökonomie-Studium arbeitete Mezzasalma von 1992 bis 1995 als Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF, danach als USA-Korrespondent in San Francisco. Während neun Jahren war er bei einer Grossbank und in einer eigenen Kommunikationsagentur tätig. 2010 kehrte er als Leiter der Radio-Nachrichtenredaktion zu SRF zurück. 2018 wechselte er in die Wirtschaftsredaktion TV.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Hunziker  (MH1)
    Die Grundidee ist ja gut und richtig. Es wird aber viel zu oft die hohle Hand gemacht. Da gibt es Firmen, denen immer wieder Kurzarbeit bewilligt wird. Das hat dann nichts mehr mit kurzfristiger Überbrückung zu tun. Jetzt wollen sogar die Fussballclubs Unterstützung. Der Steuerzahler muss es immer berappen!
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    1. Antwort von Josef Graf  (Josef Graf)
      Herr Hunziker, die Menschen, welche in den Fussballclubs angestellt sind, sind auch Arbeitnehmer/innen, oft solche mit Familien. Das Problem dieser Clubs ist das oben im Artikel beschriebene der unverschuldet in Liquidationsengpässe geratenden Betriebe. Die meisten Angestellten (insbesondere Spieler und Trainer) sind nur befristet angestellt, weshalb die Clubs für diese gerade keine Kurzarbeitsentschädigungen bekommen. Wie aus anderen betroffenen Branchen werden jetzt halt Forderungen laut.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Insbesondere die Selbständigen, die Alleinunternehmer sind in den gesamten Sozialwerken extrem benachteiligt. Obwohl viele dieser Unternehmer sich in den letzten Jahren eigentlich aus einer Notlage heraus selbständig gemacht haben. Nach 15-20 Jahren Arbeiten plötzlich vor der Aussteuerung stehend, wird man Coach für etwas, irgendein Berater oder eröffnet einen "Kreativladen" mit selbstgebastelten Artikeln...
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  • Kommentar von André Graf  (Regenbogen333)
    Sie haben natürlich recht, dass verschiedene Gruppen nicht von der Kurzarbeit "profitieren" können. Bereits jetzt gibt es aber in der Industrie (z.B. im Raum Thun) etliche Player die immer wieder Kurzarbeit beantragen und auch bewilligt bekommen. Beispiel Meyer + Burger hat jahrelang profitiert und ist trotzdem nach China abgewandert. Es kann nicht sein, dass immer noch mehr Leute die "hohle Hand" beim Staat machen die dann der normale Steuerzahler bezahlen muss! Krise hin oder her!
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    1. Antwort von daniel luder  (daniel2seeluft)
      Ja, gerade die temporär Angestellten, die für einen Hungerlohn solche Schwankungen auffangen, und diese flexible Wirtschaft erst möglich machen, bekommen NICHTS. Danke Gesellschaft!
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