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Zweifelhaftes Risikomanagement der Credit Suisse
Aus 10 vor 10 vom 26.04.2021.
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Credit Suisse in der Krise Kultur des Wegschauens bei der CS, wenn hohe Erträge winken

Nicht nur im Investmentbanking, auch in der Vermögensverwaltung wurden bei der Grossbank Credit Suisse Risiken ignoriert.

Der Fall liegt schon ein paar Jahre zurück, dennoch hält er die Grossbank Credit Suisse (CS) heute noch auf Trab: Der ehemalige erfolgreiche Vermögensverwalter Patrice L. – angestellt bei der CS in Genf – hat sich während Jahren durch krumme Geschäfte bereichert und Millionenverluste in Kundendossiers verursacht.

2017 gab die Finanzmarktaufsicht Finma einen Bericht in Auftrag. Vor wenigen Wochen wurde dieser in Teilen publik und liegt SRF News heute als Ganzes vor. Er stellt gravierende Schwachstellen im Risikomanagement der Vermögensverwaltung fest.

Die Credit Suisse liess Patrice L. über Jahre gewähren, obschon sie von den Machenschaften wusste. «Anstelle den Kundenberater rechtzeitig zu disziplinieren, honorierte ihn die Bank mit hohen Entschädigungen und positiven Beurteilungen», schrieb die Finma damals zum Fall.

Harsche Rüge der Finma

Die Sache eskalierte erst, als Kunden durch illegale Börsentransaktionen Millionen verloren hatten. Dennoch seien interne Untersuchungen bis zuletzt verhindert worden, heisst es im Bericht. Die Credit Suisse ihrerseits legt Wert auf die Feststellung, dass die Informationen aus dem Bericht aus dem frühen Stadium einer abgeschlossenen Überprüfung stammten. Diese Überprüfung lieferte keine Fakten, die eine Strafuntersuchung gegen die Bank unterstützen würde. Ferner habe die Finma die Bank nicht sanktioniert.

Der Fall Patrice L. könnte für die Credit Suisse noch ein hohes finanzielles Nachspiel haben. Mehrere seiner ehemaligen Kunden haben sich zu einer Opfer-Vereinigung zusammengeschlossen und streben weltweit verschiedene Zivilverfahren gegen die Bank an.

Einer von ihnen ist der ehemalige georgische Regierungschef Bidzina Ivanishvili. Gemäss Finma-Bericht hat er durch die Machenschaften 168 Millionen Franken verloren. Derweil kämpft die Bank vor Gericht darum, dass der Bericht nicht als Beweismittel zugelassen wird.

Finma: Eingreifende Massnahmen verfügt

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Die Finma legt Wert auf die Feststellung, dass die Finma im Zuge des im Beitrag angesprochenen Verfahrens gegen die Bank wegen Verstössen gegen das Aufsichtsrecht und die Geldwäschereibestimmungen eingreifende Massnahmen verfügt hat, um den ordnungsgemässen Zustand bei der Bank wieder herzustellen.

Hohe Risiken auf Kosten der Aktionäre

Ethos-Präsident Rudolf Rechsteiner hat den Finma-Bericht analysiert. Es sei eindrücklich, wie auch in der Vermögensverwaltung der Credit Suisse mit Risiken umgegangen worden sei, sagt er. Der Fall passe zum Bild der Bank, die hohe Risiken belohne und wenn es schiefgehe, die Aktionäre zur Kasse bitte.

Das habe das CS-Investmentbanking mit den Milliardenverlusten aufgrund des Kollapses des Hedgefonds Archegos und des Risikoverbriefers Greensill eindrücklich vor Augen geführt: «Es gibt Regelverletzungen, viele Ampeln leuchten rot und solange Gewinne geschrieben werden, lässt man das zu. Wenn es dann passiert, ist der Verlust riesengross. Hier hat der Verwaltungsrat seit Jahren mehr oder weniger zugeschaut und zur Kenntnis genommen. Er hat nicht funktioniert», so Rechsteiner.

Die Credit Suisse schreibt SRF News: «Aufgrund der Ereignisse sind bereits wichtige Änderungen im Senior Management der Geschäfts- und Kontrollfunktionen vorgenommen und eine unabhängige Untersuchung in Auftrag gegeben worden.» Die Bank wolle informieren, sobald diese vorliegen.

Veröffentlichung des Berichts: CS reicht Klage ein

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Im Zuge des Falles hat die Credit Suisse Klage gegen einen georgischen Milliardär und einen Kommunikationsberater eingereicht, weil sie eine Kopie des Finma-Berichts zum Fall Patrice L. veröffentlicht haben. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die beiden Seiten werden sich demnach am Donnerstag in London vor einem Gericht gegenüberstehen. Die Credit Suisse wolle versuchen, eine einstweilige Verfügung zu verlängern, welche die Entfernung des Berichts von einer Website erzwingt, schreibt Bloomberg. Die PR-Firma, welche hinter der Website steht, werde ihrerseits das Gericht bitten, die einstweilige Verfügung aufzuheben, bis eine Entscheidung darüber gefallen ist, ob es einen vollständigen Prozess geben muss. Die Credit Suisse kommentierte die Klage gegenüber Bloomberg nicht.

Aktionäre fordern harte Konsequenzen

Ethos berät über 220 Schweizer Pensionskassen in Sachen nachhaltige Entwicklung. Sie fordert schon seit Jahren den Rücktritt von CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Und an der Generalversammlung vom 30. April zusätzlich den Rücktritt des für das Risikomanagement zuständigen Verwaltungsrats Andreas Gottschling.

Ebenso empfiehlt Ethos dem Vergütungsbericht eine Absage zu erteilen. Auch Dividenden sollen keine ausgeschüttet werden, da die Bank die finanziellen Mittel benötige, um sich zu stabilisieren, so Ethos. Gewichtige Aktionäre wie der norwegische Staatsfonds oder der US-Vermögensverwalter Harris Associates unterstützen diese Anliegen, wie der «Tagesanzeiger» schreibt.

Stellungnahme der Credit Suisse

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Die Credit Suisse schreibt SRF News: «Die jüngsten Verluste sind inakzeptabel. Wir haben entschiedene Massnahmen ergriffen und die Ergebnisse der angekündigten, unabhängigen Untersuchungen werden weitere Klarheit schaffen. Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung der Credit Suisse setzen gemeinsam alles daran, die entsprechenden Lehren aus diesen Vorfällen zu ziehen. Wir sind fest entschlossen, ein starker Partner für unsere Kundinnen und Kunden und unsere Mitarbeitenden zu sein sowie Wirtschaft und Gesellschaft auch im Jahr 2021 und darüber hinaus zu unterstützen.»

10 vor 10, 26.04.2021, 21:50 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Flury  (Simplizissimus)
    Boni verbieten und das Risikoverhalten wird sich schlagartig ändern. Wenn‘s die Banken selbst nicht einsehen muss halt die FINMA mal auf den Tisch hauen. Nur nebenbei bemerkt sei: Die Banken sind ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor und tragen einen ansehnlichen Anteil zu unserem aller Wohlstand bei, indem Sie AHV und Steuern zahlen und ab und an auch mal einen Anlass sponsoren!
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Genau, Herr Kessler, sagt es richtig: Warum noch aufschreien, wenn ja bekannt ist, dass beide Grossbanken gleichsam u.a. mit krummen Geschäften gross und reich werden. Hier gibt es keine Moral, wenn ja, eine nur materialistische: Reiche (Grossaktionäre, sonst Reiche, Chefetage(n)) teilen unter sich den Kuchen auf. Reiche werden immer noch reichen, befehligen weitgehend die Gesellschaft (Neufeudalismus); die unten (Aermeren) bleiben unten und sollen schweigen. Nicht etwas aufmucksen!!
  • Kommentar von Beat Kessler  (KLERUS)
    Warum es überhaupt noch einen Aufschrei gibt ist mir schleierhaft.. Beide Banken, die CS und die UBS sind doch andauernd mit obskuren Geschäftspraktiken im Fokus der Öffentlichkeit! Mit freundlichen Grüßen