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Wie viel wusste CS-Chef Thiam?
Aus Rendez-vous vom 30.10.2019.
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CS-Chef hat «nichts gewusst» Thiam zu glauben, fällt schwer

Die Geschichte steht einem guten Krimi in nichts nach: CS-Chef Tidjane Thiam verkracht sich mit seinem Geschäftsleitungs-Kollegen Iqbal Khan. Der Streit über Nachbarschaft, Baulärm, Bäume und Seesicht führt zum Abgang Khans. Weil der zur Erzrivalin UBS wechseln will, lässt ihn die CS beschatten – doch die Aktion fliegt nach einer wilden Verfolgungsjagd in der Zürcher Innenstadt auf. Verhaftungen vor Ort machen den Skandal perfekt.

Thiam will von nichts gewusst haben

Die Credit Suisse bleibt – wenig überraschend – bei ihrer Version der Geschichte: Konzernchef Tidjane Thiam wusste nichts vom Beschattungsauftrag. Das zu glauben fällt schwer, auch wenn bis heute tatsächlich noch niemand das Gegenteil bewiesen hat.

Angenommen, Thiam wusste tatsächlich von nichts, stellen sich trotzdem einige Fragen: Wie steht es um die Unternehmenskultur der Credit Suisse, wenn der Informationsfluss innerhalb der Geschäftsleitung offenbar nur sehr stockend funktioniert? Und was bedeutet es, wenn eine derart überrissene Massnahme wie die Überwachung Iqbal Khans auf Geschäftsleitungsstufe der Bank offenbar als angemessen eingestuft worden ist?

«Isolierter Einzelfall»

Weder Konzernchef Tidjane Thiam noch Verwaltungsratspräsident Urs Rohner sehen Handlungsbedarf. Diese unschöne Affäre sei ein «isolierter Einzelfall», so das Mantra, eine bedauerliche Fehleinschätzung eines Geschäftsleitungsmitglieds und des Sicherheitschefs. Beide mussten Anfang Oktober den Hut nehmen. Fall erledigt. So zumindest die Hoffnung der Banken-Führung.

Thiam gewinnt Zeit

Die intensive Medienberichterstattung über diesen Fall habe das Bankgeschäft bisher nicht beeinträchtigt, betonte CS-Chef Thiam. Das Kundengeschäft ist laut Credit Suisse also unter Kontrolle.

Ruhig ist es sich derzeit auch an der Aktionärs-Front: Wichtige Investoren stützen Tidjane Thiam weiterhin. Und die neusten Quartalszahlen dürften sie darin bestärken. Kommt hinzu, dass sich auch Präsident Urs Rohner hinter seinen CEO gestellt hat.

Ausgestanden ist die «Affäre Khan» für die Credit Suisse und ihren Chef aber noch nicht. Die Geschichte wird immer mal wieder aufploppen: Etwa, wenn die Zürcher Staatsanwaltschaft über ihre Ermittlungen informiert. Oder wenn Präsident Rohner an der Generalversammlung wie gewohnt das vergangene Jahr Revue passieren und die Verdienste seines Chefs würdigen wird. Oder auch wenn klar wird, ob die Affäre Konsequenzen hat für Thiams Entlöhnung.

Eveline Kobler

Eveline Kobler

Wirtschaftsredaktorin, SRF

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Eveline Kobler ist seit 2007 bei Radio SRF und leitet seit Dezember 2016 die Wirtschaftsredaktion von Radio SRF.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Fürer  (Hans F.)
    Zu dieser sehr realistischen Einschätzung kann man Frau Eveline Kobler nur gratulieren!
  • Kommentar von R. Müller  (r.müller)
    Egal was nun wirklich war oder nicht. Jeder Investor und/oder Kunde kann selber entscheiden wem er sein Vertrauen schenk. Wer der CS kein Vertrauen schenkt soll Konsequenzen ziehen. Das ist die Sprache welche diese Herren verstehen.
  • Kommentar von Urs Sahli  (sahliu)
    Habe nichts gewusst.... Dann hat dieser Herr seinen Laden nicht im Griff. Mit anderen Worten, er ist seiner Aufgabe nicht gewachsen, bezieht aber gleichwohl einen Lohne der einem den Atem verschlägt. Ein solcher Chef muss doch das Feld räumen.