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Debatte um knappen Wohnraum Warum Menschen im Alter im Einfamilienhaus wohnen bleiben

Junge können sich Häuser kaum leisten. Alte wohnten auf zu viel Fläche. Was Betroffene dazu sagen – und was sie erleben.

Rosemarie und Walter sind beide über 80. Sie leben seit dreissig Jahren in einem kleinen Haus mit grossem Garten am Stadtrand von Bern. Als sie 1996 einzogen, waren die beiden Kinder schon fast flügge und am Ausziehen. Heute haben sie Haus und Garten für sich.

Ein älteres Paar, Rücken zur Kamera, blickt auf Garten. Er hebt zeigend die Hand.
Legende: Walter und Rosemarie haben Haus und Grundstück 1996 gekauft. Mit dem Verkauf könnten sie heute ein Vermögen machen. SRF / Susanne Schmugge

Ihre Wohnsituation mache ihnen kein schlechtes Gewissen, sagt Walter. Schliesslich habe seine Frau jahrelang zuhause Musikstunden gegeben; ausserdem hätten sie die betagte Schwiegermutter beherbergt - und heute kämen regelmässig die Enkel.

Viele Anfragen per Telefon sind anonym. Oder dann meldet sich irgendein Herr Müller aus Zürich.
Autor: Walter Hausbesitzer

Das Haus ist idyllisch und ruhig gelegen: kaum Verkehr, der Wald ist nicht weit. Walter und Rosemarie sind nicht die einzigen, die in diesem Quartier zu zweit in einem Einfamilienhaus wohnen. Viele Leute in der Nachbarschaft seien in ihrem Alter, erzählt Walter, und viele lebten alleine oder zu zweit in ihren Häusern. Das weckt mitunter Begehrlichkeiten.

Unterbelegte Einfamilienhäuser

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Ende 2024 gab es schweizweit rund 228'000 Einfamilienhäuser, in denen eine oder zwei Personen wohnten, die 65 Jahre oder älter waren. Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik beziehen sich auf Einfamilienhäuser mit mindestens drei Zimmern. Insgesamt wurden Ende 2024 rund 862'000 bewohnte Einfamilienhäuser dieser Grössenordnung gezählt.

Sie würden häufig auf ihr Haus angesprochen und ob sie nicht verkaufen wollten, erzählen die beiden Mitachtziger. Sie erhielten Anrufe, Anfragen und Angebote. Von Bekannten, aber auch von Wildfremden. So erzählt Rosemarie, wie sie zuweilen von Passanten angesprochen werde, wenn sie im Garten arbeite. Oder die Leute deponierten eine Anfrage im Briefkasten: «Wenn sie sehen, dass hier alte Leute wohnen, fühlen sie sich wohl bestärkt.» Telefonische Anfragen gebe es immer wieder, ergänzt Walter. «Viele Anfragen per Telefon sind anonym. Oder dann meldet sich ein Herr Müller aus Zürich.» Er musste auch schon einen Makler abweisen, der an der Haustür geklingelt hatte.

Neue Ideen fürs alte Haus

Dabei gab es durchaus Momente, in denen sie ans Ausziehen dachten. Ans «Verkleinern», wie Walter es nennt. Vor einigen Jahren, als der Sohn ein weiteres Kind bekam, wurden die Gedankenspiele konkret. Damit der Sohn samt Familie hätte einziehen können. Sie hatten sogar Pläne für ein Mehrgenerationenhaus: Was hiesse, entweder auf dem Grundstück etwas Neues zu bauen oder das jetzige Haus aufzustocken.

Immobilienbesitz via Erbschaft oder Schenkung

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Werden in der Schweiz Einfamilienhäuser verkauft, sind die Verkäufer typischerweise im fortgeschrittenen Alter. Das zeigen kantonale Handänderungsstatistiken. Auf der Käuferseite spielen demgegenüber Erbschaften und Schenkungen eine zunehmend wichtige Rolle. So konnten Marius Brülhart und Guillaume Rais von der Uni Lausanne für den Kanton Bern zeigen: Wer erstmals eine Immobilie erwirbt, hat deutlich öfter kurz zuvor eine Erbschaft oder Schenkung erhalten als noch vor 15 Jahren. Der entsprechende Anteil hat sich zwischen 2007 und 2022 fast verdoppelt: von 23 Prozent auf 40 Prozent.

Die Pläne scheiterten – unter anderem an der Zonenordnung. Ausserdem wollte der Sohn mit seiner Familie dann doch nicht aus der Stadt wegziehen. Also haben Walter und Rosmarie das Haus ihren Kindern überschrieben und sich das Recht ausbedungen, bis ans Lebensende dort wohnen zu bleiben.

Verkaufswelle in 15 Jahren?

Wohnimmobilien sind begehrt, besonders Einfamilienhäuser. Die Frage, wie viele in der Schweiz von wem an wen verkauft werden, lässt sich jedoch nicht genau beziffern, gesamtschweizerische Zahlen fehlen. Aber es gibt Schätzungen und Hochrechnungen, etwa aufgrund von Daten aus dem Kanton Zürich: So gehen Immobilien-Fachleute davon aus, dass jedes Jahr immer noch rund 43'000 Eigenheime den Besitzer wechseln. Die meisten Verkäufer sind Privatpersonen im fortgeschrittenen Alter.

Wegen des demografischen Wandels erwarten Fachleute zudem einen Anstieg der Verkäufe in etwa 15 Jahren. Dann nämlich, wenn die letzten Jahrgänge der geburtenstarken sogenannten Boomer-Generation hochbetagt sein werden. Ob dem tatsächlich so sein wird, wird sich zeigen. Walter und Rosemarie sind immerhin auch schon über 80 Jahre alt.

Rendezvous, 01.05.2026, 12:30 Uhr;weds

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