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Post noch nicht ganz auf Kurs
Aus Rendez-vous vom 12.03.2020.
abspielen. Laufzeit 03:25 Minuten.
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Der Gewinn bricht weg Der Postchef steht vor grossen Herausforderungen

Tiefzinsen, weniger Briefe, private Konkurrenz: Die Post braucht eine neue Strategie, um die Grundversorgung zu sichern.

In der Öffentlichkeit hat man den neuen Postchef Roberto Cirillo noch kaum wahrgenommen. Das sei Absicht gewesen, sagt er. Er habe zuerst die Mitarbeiter, Kunden und das Unternehmen intensiv kennenlernen müssen. Erst danach könne er «die entsprechenden Massnahmen an die Öffentlichkeit bringen».

Sorgenkind Nr. 1: die Briefpost

Schliesslich gehe es nicht um seine Person. «Es geht um die Post und die Post steht vor grossen Herausforderungen», so Cirillo, der Tessiner Wurzeln hat. Mit «Herausforderungen» meint der Postchef die sinkenden Einnahmen. Cirillos Hauptsorge ist dabei die Briefpost, die eigentlich das wichtigste Standbein der Post wäre.

Doch die Menge der Briefe sinkt von Jahr zu Jahr. Durch den Boom beim Onlinehandel steigt dafür die Anzahl Pakete. Doch noch könne man bei der Post die grössere Menge an Paketen nicht mit dem Umsatzrückgang bei der Briefpost wettmachen, beklagt Cirillo. Denn es sind kostspielige Investitionen in neue Paketzentren nötig.

Der Post bricht der Gewinn weg

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Der Post bricht der Gewinn weg

Die Post hat 2019 einen Konzerngewinn von 255 Mio. Franken erwirtschaftet. Das sind 149 Mio. Franken weniger als 2018. Das Betriebsergebnis (Ebit) liegt mit 450 Mio. Franken 55 Mio. Franken tiefer als im Vorjahr (-11 Prozent). Probleme bereiten der Post insbesondere die anhaltende Tiefzinssituation – sie drückt stark auf den Gewinn von Postfinance –, der Rückgang bei den Verkäufen von Briefmarken sowie das starke Mengenwachstum bei den Paketen, das jedoch einen Ausbau der Logistikzentren nötig macht und einen dreistelligen Millionenbetrag kosten dürfte. (sda)

Suche nach neuen Geschäftsfeldern

Was also ist zu tun? «Wir müssen in neue Geschäftsfelder investieren und diese rasch wachsen lassen», so der Postchef. Dass das für die Post ein Weg sein muss, ist allerdings nicht neu. Das betonte schon seine Vorgängerin Susanne Ruoff immer wieder.

So investierte die Post etwa in den Geschäftsbereich Swiss Post Solutions. Hier bietet die Post Dienstleistungen rund um die Verarbeitung von physischen und elektronischen Dokumenten. Inzwischen schreibt die Post mit solchen neuen Dienstleistungen sogar Gewinne. Doch sie machen erst einen Bruchteil des Unternehmensgewinns aus und können die wegbrechenden Einnahmen andernorts bei Weitem nicht kompensieren.

Logistik als Weg in die Zukunft?

Deshalb spricht Cirillo davon, künftig in die Logistik zu investieren. Denn dort gebe es in vielen Bereichen eine grosse Nachfrage. «Wir werden dies in wenigen Wochen ankündigen», bleibt der Postchef vorerst vage. Auch elf Monate nach seinem Amtsantritt ist also unklar, wie Cirillo den Gelben Riesen für die Zukunft fit machen will.

Derzeit ist die Postführung daran, die Unternehmensstrategie für die Jahre 2020 bis 2022 auszuarbeiten und danach mit dem Eigner – dem Bund – abzugleichen. Dazu gehört auch die Postfinance. Vor einem Jahr hatte der Bundesrat bekannt gegeben, dass er das Kreditverbot beim Post-Finanzinstitut aufheben möchte.

Postfinance unter Druck

Bislang darf Postfinance nämlich selber keine Kredite vergeben und muss ihr Geld an den Finanzmärkten anlegen. Doch wegen der tiefen Zinsen verdient Postfinance mit solchen Anlagen immer weniger. Ob das Parlament der Aufhebung des Kreditverbots zustimmen wird, bleibt derzeit allerdings offen.

Wie auch immer die neue Strategie der Post aussehen wird: Einfach und schnell lassen sich die vielen Probleme der Post wohl nicht lösen. Denn das Unternehmen wird auch weiterhin einen Grundversorgungsauftrag erfüllen müssen und kann sich deshalb nicht von heute auf morgen neu erfinden. Die Post hat also noch einen weiten Weg vor sich.

Rendez-vous vom 12.3.2020, snep;eglc

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Zwei kleine Denkanstösse für Post-Chef Cirillo: Die Post bietet heute diverse Post-Dienstleistungen, die Kunden auf www.post.ch auch online erledigen können, am Schalter wesentlich teurer an als online. Eine Preispolitik, mit der die Post den Ast ansägt, auf dem sie selbst sitzt. Der Verkauf von Kehrichtsäcken und Zahlenlotto waren für viele Leute gute Gründe, zur Poststelle zu gehen. Beides hat die Schweizerische Post aus dem Sortiment gekippt.
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Die Post will ihr Poststellennetz redimensionieren. Die Nachfrage nach Postdienstleistungen ist abnehmend und zudem kommt es für die Post teurer, wenn die Mitarbeiter am Schalter Arbeiten ausführen müssen, die der Kunde selber online ausführen kann, z. B. Einzahlungen.
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  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Meine Bitte an den Post-Chef Cirillo: Sorgen Sie doch bitte umgehend dafür, dass die Mitarbeiter/-innen an den Postschaltern nun endlich Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt erhalten. Wie auf SRF News heute zu lesen war, muss davon ausgegangen werden, dass das Corona-Virus auf Metall- oder Kunststoffoberflächen bis zu 72 Stunden aktiv bleibt, auf Papier und Karton bis zu 24 Stunden. Also können auch Päckli und Banknoten, die am Schalter ausgehändigt werden, mit Corona-Viren belegt sein.
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