Die sechs Baustellen der CS

Die Credit Suisse ist deutlich besser durch die Finanzkrise 2007-2009 gekommen als die UBS. Doch mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. CS-CEO Tidjane Thiam will der Bank mit einer neuen Strategie zu alter Stärke zurückhelfen. Das ist allerdings einfacher gesagt als getan.

CS-CEO Thiam an einer Medienkonferenz vor dem Logo der Bank. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Geht die neue Strategie auf? CS-CEO Tidjane Thiam setzt unter anderem auf das Geschäft mit reichen asiatischen Kunden. Reuters

1. Schrumpfende Erträge

Die Zinsen sind rekordtief, das Wirtschaftswachstum schwächelt in Teilen der Welt, und die Kunden scheuen riskante Bankgeschäfte – in diesem Umfeld ist es für Banken schwierig, Geld zu verdienen. Die Credit Suisse bräuchte die Erträge aber umso dringender, weil sie nicht nur das Tagesgeschäft bewältigen muss, sondern parallel dazu noch eine teure Reorganisation finanzieren muss.

2. Anpassung der Strategie

Die Credit Suisse will die riskante Investmentbank verkleinern, dafür die solidere Vermögensverwaltung ausbauen. Tidjane Thiam setzt dabei viel Hoffnung auf das Geschäft mit reichen Kunden aus Asien. Doch ausgerechnet jetzt schwächelt die asiatische Wirtschaft, was Thiams Wachstumspläne in Asien erschwert.

3. Kapitalpolster als Krisenschutz

Die Credit Suisse verfügt im internationalen Vergleich über kein sonderlich dickes Sicherheitspolster für Krisenzeiten. Die Bank wies Ende März ein Eigenkapital von 11,4% (CET1) respektive von 3,3% (Leverage Ratio) auf, je nach Berechnungsmethode. Das Kapital aufzustocken, ist ein Kraftakt.

4. Motivation der Mitarbeiter

Die 48‘200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg von Thiams Strategie: Sie gilt es bei Laune zu halten. Thiam baut allerdings im Zuge der neuen Strategie derzeit weltweit 6000 Stellen ab, insbesondere in der Investmentbank. Entsprechend angespannt ist die Stimmung in der Belegschaft.

5. Hängige Rechtsfälle

Die Credit Suisse ist in mehrere hängige Rechtsfälle verstrickt und hat entsprechend Geld für allfällige künftige Bussen zurückgestellt. Bei den Fällen dreht es sich beispielsweise um umstrittene US-Hypothekenpapiere, um Preisabsprachen bei Anleihen oder um Geschäfte mit einem früheren georgischen Ministerpräsidenten.

6. Schweizer Bank als Juwel herausschälen

Das Schweizer Geschäft wird organisatorisch vom Rest der Bank abgetrennt. Ein Teil davon soll bis Ende 2017 an die Börse gebracht werden. Geht der Plan auf, brächte das der Credit Suisse dringend benötigtes Kapital. Die Vorarbeiten sind allerdings aufwändig und komplex.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Credit Suisse überrascht positiv

    Aus Tagesschau vom 28.7.2016

    Credit-Suisse-Konzernchef Tidjane Thiam hat sich mit einem überraschenden Quartalsgewinn etwas Luft verschafft. Thiam präsentierte für die Frühlingsmonate schwarze Zahlen. Doch die CS-Aktie verlor dennoch gut fünf Prozent an Wert. Marianne Fassbind erläutert die Probleme.

  • CS-Chef Tidjane Thiam – erfüllt er seine Versprechen?

    Aus Rendez-vous vom 28.7.2016

    Die Credit Suisse weist im 2. Quartal zwar einen Gewinn aus. Dieser hätte höher ausfallen können, wenn die Schweizer Grossbank nicht auf Geheiss von CEO Tidjane Thiam ein Restrukturierungsprogramm umsetzen müsste. Dazu kommt, dass der Aktienkurs der CS im Keller ist.

    Thiam steht deshalb in der Kritik. Zu Recht?

    Eveline Kobler

  • CS-Aktie im Rekordtief

    Aus Tagesschau vom 6.7.2016

    Eine Aktie der Crédit Suisse konnte erstmals für weniger als eine Zehnernote gekauft werden.