Zum Inhalt springen

Header

Video
Die Tricks von Julius Bär
Aus 10 vor 10 vom 05.02.2016.
abspielen
Inhalt

Wirtschaft Die Tricks der Bank Julius Bär

Die Privatbank beendet den Steuerstreit mit den USA – für 550 Millionen Dollar. Öffentliches Schuldeingeständnis inklusive. Pikant ist, was die Gerichtsunterlagen enthüllen: Mit welchen Tipps Bankangestellte losgeschickt wurden, um US-Kunden zur Steuerhinterziehung anzustiften.

Wie soll man sich als Schweizer Bankkundenberater verhalten, wenn man Kunden in den USA besucht? Um zu verhindern, dass bekannt wird, welche Kunden man betreut und welchen man dabei behilflich ist, Geld am US-Fiskus vorbeizuschleusen?

Tipps und Tricks für solche heiklen Geschäftsreisen in die USA machten innerhalb der Bank Julius Bär die Runde. So hat – laut den Unterlagen der Staatsanwaltschaft – beispielsweise ein Mitglied des «Amerika-Teams» der Bank am 24. März 2006 ein Memo an andere Kundenberater verschickt mit dem Titel: «Do's & Don'ts». Was man tun und was man besser lassen sollte.

Besondere «Einreisebestimmungen»

Heikel wird es auf diesen Geschäftsreisen demnach bereits bei der Einreise in die USA: Im Memo rät der Schreibende, man solle zwar schon offenlegen, dass man Banker sei, hier soll man nie lügen. Aber wenn man nach dem Geschäftszweig gefragt wird, dann solle man doch eher sagen, man sei vom Investment Banking oder von der Kreditabteilung. Aber sicher nicht vom Private Banking!

Wenn der Beamte der Immigrationsbehörde dann nachfrage, was man in den USA vorhabe, solle man sagen, man sei geschäftlich hier, und rasch nachschieben, dass man zudem natürlich auch hoffe, die Schönheiten des Landes erkunden und geniessen zu können. Das komme bei stolzen Beamten immer gut an, und schon verschiebe sich das Gespräch auf den «privaten» Charakter der Reise.

Kleiner Tipp: Wenn man ein Tennis-Racket mit sich trägt und in Freizeit-Klamotten reise, helfe das, den «Fun»-Teil der Reise zu betonen und vom geschäftlichen Teil abzulenken.

Ein Ende mit Schrecken

Solche praktischen Reisetipps und andere konspirative Dienstleistungen für Kunden in den USA sind Julius Bär nun zum Verhängnis geworden. Die Bank bekennt sich schuldig, seit den 1990er Jahren bis 2009 Amerikanern beim Steuerhinterziehen geholfen zu haben. Dabei ist es laut Unterlagen um mehrere Milliarden Dollar gegangen, die Kunden mit Hilfe der Bank Julius Bär vor der US-Steuerbehörde versteckt hätten.

Audio
Bank Julius Bär: Pikante Details kommen ans Licht
02:34 min, aus Rendez-vous vom 05.02.2016.
abspielen. Laufzeit 02:34 Minuten.

Die Busse von rund 550 Millionen US-Dollar ist happig, sie dürfte die Zürcher Privatbank schmerzen. Doch immerhin ist der Rechtsfall damit nun vom Tisch, sofern sich Julius Bär die nächsten drei Jahre an die Auflagen der Justizbehörden hält.

Für zwei Kundenberater von Julius Bär hingegen, die in den Unterlagen namentlich erwähnt werden, ist der Fall noch nicht ausgestanden: Sie haben sich schuldig bekannt und erwarten ihr Urteil am 12. August.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Fritz Frei  (Fritz Frei)
    Diese "Tricks" sind ja hoch kriminell, nicht wahr? Im Gegensatz zum Steuerbetrug war Steuerhinterziehung bei uns keiun Delikt. Und wenn jemand clever genug war, den wahren Zweck seines Aufenthaltes zu kaschieren, wusste er bestimmt auch, nie zu fragen, ob das anzulegende Geld versteuert werde. Die "Einigung" mit den US-Behörden ist in Wirklichkeit Erpressung, die erlauben soll, weiter in den USA tätig sein zu dürfen.
  • Kommentar von Tim Fischer  (Tim Fischer)
    zum glück nur 550 MILLIARDEN Dollar ;)
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      Den Fehler haben wir korrigiert.
  • Kommentar von Sascha Stalder  (Sascha Stalder)
    Also Tipps dieser Art sind doch gang und gäbe für jeden der in die USA einreisen will. Es ist sogar ein muss um nicht Opfer der Willkür eines schlecht informierten oder schlecht gelaunten INS Beamten zu werden.