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Schweizer Textilindustrie ist krisenerprobt
Aus HeuteMorgen vom 28.07.2020.
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Ein Drittel weniger Umsatz Schweizer Textilbranche unter Druck

Zuerst der starke Franken, jetzt auch noch die Corona-Pandemie. Allein im Mai und Juni machten Schweizer Textilunternehmen rund ein Drittel weniger Umsatz als noch vor einem Jahr. Die Zahl der neuen Aufträge sank im gleichen Ausmass. Das zeigen Zahlen des Branchenverbands Swiss Textiles.

Mit voller Wucht getroffen

Die schlechten Nachrichten häufen sich entsprechend. Die Glarner Jenny Textildruck schliesst: 100 Arbeitsplätze gehen verloren. Auch Mitlödi Textildruck, ebenfalls eine Glarner Traditionsfirma, schliesst: Hier gehen 30 Arbeitsplätze verloren. Und die Berner Leinenweberei zieht sich aus dem Geschäft mit Textilien für die Gastronomie zurück: 40 Arbeitsplätze gehen verloren.

Die Corona-Pandemie habe die Textilindustrie mit voller Wucht getroffen, sagt Peter Flückiger, Direktor von Swiss Textiles, und ergänzt: «Das hängt mit der Internationalität unserer Branche zusammen. Italien und China sind zwei der Top-3-Märkte.» Und genau in diesen Absatzmärkten waren die Pandemie und der wirtschaftliche Lockdown besonders ausgeprägt.

Internationalität als Problem

Die Schweizer Textilindustrie erwirtschaftet rund 2.2 Milliarden Franken Umsatz im Jahr. 70 Prozent davon im Ausland. Das wird nun zum Problem.
«Das ist eigentlich das Neue und auch das Schwierige an dieser Krise. Dass sie im Gegensatz zu früheren Krisen gleichzeitig alle geografischen Märkte und auch alle Kundensegmente traf», erklärt Flückiger. «Das sind Kleiderläden, die Automobilindustrie, Airlines, die Hotellerie und die Gastronomie.»

Diese breite Aufstellung schützt auch nicht vor dem Einbruch. Der Suisse-Textile-Direktor sagt, dass das Hilfspaket des Bundes der Branche geholfen habe, aber auch die Kurzarbeitsgelder. In zwei Drittel der Textilunternehmen wird derzeit Kurzarbeit geleistet. Sie sind im Schnitt noch zu etwa 40 Prozent ausgelastet.

Innovative Nischen

Immerhin: Die Schweizer Textilunternehmen sind seit Jahrzehnten krisenerprobt. Die Massenindustrie ist schon lange weitergezogen nach Asien. Hierzulande hat sich die Branche in innovativen Nischen entwickelt.

Funktionstextilien, die hohe Margen versprechen, allen voran medizinische Produkte werden hergestellt «Unter Medizintextilien versteht man beispielsweise Implantate, künstliche Sehnen oder Bänder», weiss Flückiger. «Wir sind sogar daran, ein textiles Herz zu entwickeln.»

Die Schweizer Textilindustrie hat ihre Abhängigkeit vom Massengeschäft im Modehandel, das schon länger kriselt, verringert. Das hilft ihr jetzt, nach der Corona-Pandemie wieder rascher Tritt zu fassen.

SRF 4 News, Heute Morgen, 28. Juli 2020, 06:00 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    Die Schweizer Textilindustrie hat fast 150 Jahre gelebt. Für jeden Industriezweig eine lange Zeit. Die Bekeidungsproduktion verschwand in den 60er Jahren, lebte dann dank Auslandproduktion noch eine Weile. Die Industrie vom Zwirn bis zu gewebten Produkten endetete schon vor dem Ende des 20. Jahrhunderts. Die Textilmaschinenindustrie musste schon in den 60/70er Jahren die Segel streichen. Heute kann man wahrlich nicht mehr von der Schweiz. Textilindustrie sprechen.
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  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    «Wir sind sogar daran, ein textiles Herz zu entwickeln.»
    Im globalen Wirtschaftsumfeld bringt nur volle Konzentration auf Forschung und Entwicklung in der Hochtechnologie wirtschaftlichen Erfolg und erhält/schafft Arbeitsplätze. Ich hoffe Private und auch der Staat lassen hier nicht locker in ihren Bemühungen, den Vorsprung auf so vielen Gebieten wie möglich zu erhalten und auszubauen.
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    1. Antwort von Kari Raeschter  (K. Raeschter)
      Ja hier gehen einige Firmen in die richtige Richtung. Forschung und Entwicklung sind ja die Stärken der Schweiz inkl. die daraus entstandenen Nischenprodukte, mit welchen Schweizer Firmen zum Teil sogar Weltmarkleader sind.
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  • Kommentar von Kari Raeschter  (K. Raeschter)
    Das Problem gibt es nicht erst seit der Corona-Krise, sondern schon vorher. Dies liegt am Verhalten der Kunden; frei nach dem Motto "Geiz ist geil" oder billig, billiger, .... Hier muss ein Umdenken der Kunden stattfinden. D.h. hochwertigere Kleider (nicht Markenklamotten) kaufen, welche man länger trägt anstatt die "Billigware", welche nach ein paar mal Tragen weggeworfen wird oder dann in der Altkleider-Sammlung landet. Und auch keine Markenklamotten; die sind sowieso aus Billig-Produktion.
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