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Legende: Audio Was nützt die Stellenmeldepflicht? abspielen. Laufzeit 03:39 Minuten.
03:39 min, aus Echo der Zeit vom 08.01.2019.
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Einführung Stellenmeldepflicht Gastrosuisse kritisiert schlechte Dossierauswahl

Seit einem halben Jahr gilt in der Schweiz die Stellenmeldepflicht. Nicht alle Branchen sind zufrieden mit dem Angebot.

Baumeister und Restaurantbetreiber müssen seit dem 1. Juli vergangenen Jahres offene Stellen zuerst den regionalen Arbeitsvermittlungsstellen (RAV) melden und sie erst nach einer Frist von fünf Tagen öffentlich ausschreiben.

Insgesamt sind es 19 Berufsarten, für die die Stellenmeldepflicht gilt, und bei denen registrierte Arbeitslose diesen Vorsprung auf andere Bewerber erhalten. Wenig überraschend hat die Verordnung dazu geführt, dass die Meldungen der Arbeitgeber an die RAV im letzten halben Jahr stark zugenommen haben.

Eine erfolgreiche Vermittlung durch ein RAV kann auf die Meldepflicht zurückzuführen sein, muss aber nicht.
Autor: Boris ZürcherLeiter der Direktion für Arbeit beim Seco

Doch welche Stellensuchenden am Ende auch einstellt würden, sei schwierig herauszufinden, sagt Boris Zürcher vom Seco: «Eine erfolgreiche Vermittlung durch ein RAV kann auf die Meldepflicht zurückzuführen sein, muss aber nicht.»

Mann studiert auf dem RAV Stelleninserate
Legende: Das Seco zieht eine positive Zwischenbilanz nach sechs Monaten Stellenmeldepflicht. Keystone

Genauso wichtige Kriterien für eine erfolgreiche Anstellung können nämlich auch Qualifikation und Alter einer Person sein. Die Spezialisten des Seco sind deshalb daran, die richtigen Zusammenhänge herauszufinden. Das sei ein komplexes Unterfangen und dürfte längere Zeit in Anspruch nehmen.

Was soll die Meldepflicht genau bewirken?

Denn noch sei gar nicht klar, was eigentlich genau das Ziel sei dieser Stellenmeldepflicht sei, erklärt Zürcher: «Die einen sagen, sie soll direkt am Arbeitsmarkt wirken. Andere sagen, sie muss das Verhalten der Arbeitgebenden beeinflussen, damit sie zuerst zu einem RAV gehen, und nicht gleich im Ausland jemanden rekrutieren. Dritte sagen, es muss die Zuwanderung senken.»

Das ist ein subtiler Seitenhieb ans Parlament und an den Bundesrat, welche die Verordnung ausgearbeitet haben – sprich: dem Seco diese Suppe eingebrockt haben, die es nun auslöffeln muss. Denn die Behörde ist primär dafür zuständig, dass die Stellenmeldepflicht korrekt und gesetzeskonform umgesetzt wird.

Die Verwaltung hat geliefert. Nun sind die Arbeitgeber gefordert.
Autor: Gabriel FischerLeiter Wirtschaftspolitik bei Travailsuisse

Das sei der Fall, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik beim Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse. Er spielt den Ball den Arbeitgebern zu: «Die Verwaltung hat geliefert, das Tool steht. Nun sind die Arbeitgeber gefordert, auch wirklich arbeitslose Personen wieder anzustellen.»

Bei den Arbeitgebern sind es die Hoteliers und Gastronomen, die sich am stärksten gegen die Umsetzung der Stellenmeldepflicht wehren. Das Gastgewerbe ist eine der Branchen mit der höchsten Arbeitslosenquote.

Gastronomie erhält unpassende Dossiers

Casimir Platzer vom Dachverband Gastrosuisse kritisiert die mangelnde Qualität der Bewerbungsunterlagen: «Wenn wir Stellen melden, ist es so, dass die RAV uns gar keine passenden Dossiers zuschicken können.»

Eine Kritik, für die Zürcher zwar ein gewisses Verständnis aufbringt. Tatsächlich könnten die RAV nicht immer die perfekten Dossiers liefern.

Doch das sei auch nicht das primäre Ziel des Seco: «Unsere Aufgabe ist es, die Chancen der Stellensuchenden zu verbessern, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. Das läuft erfolgreich. Das relativiert für uns auch etwas die Kritik zum Beispiel aus dem Gastgewerbe.»

Zürchers Äusserung macht klar: Er will seine Behörde aus der Schusslinie nehmen, was die Kritik der Gastronomen und anderen Arbeitgebern betrifft. Doch ebenso klar ist, dass die hitzigen Diskussionen um Sinn und Unsinn der Verordnung weitergehen werden – und zwar so lange, bis das Seco einen Weg gefunden hat, die Wirksamkeit der Stellenmeldepflicht zu messen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Fabian Wedu (Faebu)
    Das Ganze war schon zu Beginn zum Scheitern verurteilt. Niemand scheint wirklich zu verstehen, wieso man diese Übung veranstaltet. Und was soll das auch bringen, fünf Tage abzuwarten?
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  • Kommentar von Jürg Brauchli (Rondra)
    Ich kann das nur als Scherz empfinden. Spätestens zum gleichen Zeitpunkt, an welchem ein Unternehmen eine Stelle meldet, hat es bereits einen Vertrag für einen günstigeren Ausländer erstellt und mehrere Formen von Absagebriefen an kommende Bewerber in der elektronischen Bibliothek. Die lästigen Bewerbungsgespräche erledigt man dann in einem Aufwasch innert einer Stunde.
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    1. Antwort von Hans Hegetschweiler (hansicomment)
      Das Gastgewerbe hat einen Landesmantelvertrag mit allgemein verbindlichen Mindestlöhnen. Grundsätzlich gibt es also keine "günstigeren" Ausländer. Wenn es passende Inländer (das können auch Niedergelassene und Aufenthalter sein) gibt, macht es ökonomisch keinen Sinn, einen Ausländer zu suchen. Man muss nicht immer das Schlimmste von allen annehmen. Das Problem liegt wohl eher bei der Qualifikation der Arbeitnehmer.
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    2. Antwort von u. Felber (Keule)
      An den Haren herbeigezogen Herr Brauchli. Wer den L-GAV nicht einhält wird grundsätzlich sanktioniert. Im Gastgewerbe gibt es einen solchen. Ich kenne Betriebe die haben 6 Stellig einbezahlt bis sie gemerkt haben, dass sich die Zeiten geändert haben. Die Dossiers für Fachkräfte, falls überhaupt welche kommen, sind himmeltraurig. Allgemein ist der Fachkräfte Mangel in der Gastro extrem hoch. Es bringt nichts, ausser evtl bei hilfskräften.
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    3. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Hegetschweiler, das Argument sticht natürlich nicht. Die Arbeitgeber können schliesslich nicht davon ausgehen, dass sie Arbeitnehmer in dieser Branche grundsätzlich zum Mindestlohn einstellen können!
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    4. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      @Hegetschwiler: Deswegen werden junge Ausländer mit weniger/keiner Berufserfahrung angestellt. Das ist der Sparfaktor im Vgl. zu den durch Meldepflicht "geschützten" inländischen Arbeitskräften. Denn wenn ein Ausländer, der hier ist, als Inländer gelt, dieser Ausländer verfügt auch schon über einige Jahre Berufserfahrung in CH. Es entsteht also eine Rotation, periodisch werden Arbeitskräfte vergünstigt. Das wurde zur Normalität.
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    5. Antwort von Jürg Brauchli (Rondra)
      @Hegetschweiler: Ich red auch nicht v Mindestlohn! Den können Sie wohl kaum fair einem 40jährigen mit Erfahrung bezahlen, einem 20jährigen Ausländer aber schon. 8
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