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Einigung mit Apple
Aus SRF 4 News aktuell vom 27.08.2021.
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Einigung vor Gericht Abkassieren im App-Store: Apple knickt erstmals ein

Entwickler, die ihre Apps in App-Stores anbieten, werden kräftig gemolken. Apple etwa kassiert bis zu 30 Prozent des Umsatzes, den eine App für sich selbst generiert. In den USA ist vor allem Apple mit diversen Sammelklagen von App-Entwicklern konfrontiert. Diese feiern nun einen ersten Erfolg.

Die Nachricht von heute Nacht hat wohl viele überrascht. Apple macht gleich drei Konzessionen und versucht so, eine erste Sammelklage von kleinen Entwicklern aus der Welt zu schaffen. Konkret:

  1. Apple will App-Entwicklern neu erlauben, ihre Nutzer und Nutzerinnen via E-Mail darauf hinzuweisen, dass es andere Wege gibt, ein Abo oder Dienstleistungen zu zahlen, zum Beispiel direkt auf einer Firmenwebseite. Im App-Store von Apple selbst bleibt es App-Entwicklern weiterhin untersagt, auf andere Zahlsysteme hinzuweisen.
  2. Apple will mit einem Fonds über 100 Millionen Dollar kleinere App-Entwickler unterstützen.
  3. Bei Apps, die pro Jahr weniger als eine Million Dollar generieren, will Apple für weitere drei Jahre nur 15 Prozent abzwacken – und nicht 30 Prozent.

Apple ist nicht alle Sorgen los

Diese aussergerichtliche Einigung zwischen Apple und kleineren Entwicklern muss allerdings noch vom zuständigen Gericht in Oakland, Kalifornien, abgesegnet werden. In der Tech-Szene wird die Einigung aber jetzt schon als Erfolg gefeiert. Es sei der erste Schritt in die richtige Richtung, sagen Entwickler, welche die Marktmacht von Apple – und natürlich auch Google – aufbrechen wollen. Google kennt die gleichen Geschäftsprinzipien wie Apple, nur hat sich die Wut der Entwickler jüngst vor allem gegen Apple entladen.

Apple ist mit der heutigen Einigung allerdings nicht alle Sorgen los: Die Klage von «Epic Games», dem Entwickler von Videospielen wie zum Beispiel «Fortnite», die den Widerstand vor zwei Jahren erst so richtig ins Rollen gebracht hat, ist am gleichen Gericht in Kalifornien noch hängig. Das Urteil wird in Bälde erwartet.  

Epic, wie auch andere grosse Entwickler wie Spotify, Netflix oder Tinder wollen erreichen, dass sie in ihrer App, im App-Store selbst, auf andere Zahlmöglichkeiten hinweisen dürfen. Und während des Prozesses hatte man den Eindruck, dass die Richterin dieses Anliegen versteht. Sie hat Apple-Chef Tim Cooks zum Beispiel gefragt, was denn dagegenspreche, im Apple-Store auf verschiedene Zahlsysteme hinzuweisen. Schliesslich könne man in jedem Geschäft um die Ecke auch auf verschiedene Arten zahlen.

Es geht um Milliarden

Der Ausgang dieser Klagen rund um die Marktmacht der App-Stores hat weitreichende Konsequenzen. Für Apple geht es einerseits um viel Geld: Apple legt zwar nicht offen, wie viel man mit dem App-Store verdient. Aber das Wallstreet Journal schätzt, dass es letztes Jahr rund 17 Milliarden Dollar gewesen sind. Andererseits sind die Urteile in diesen Fällen wegweisend für die ganze Branche. Denn es geht letztlich darum, wie viel Macht Techkonzerne haben dürfen, es geht um Monopolfragen, um Marktkontrolle, um die Abgrenzung dieser neuen digitalen Märkte auch.

Das ist alles relativ neu, und die Wettbewerbsgesetze und die Kartellbehörden rund um die Welt tun sich noch schwer mit dieser neuen Welt. Die Prozesse in Kalifornien werden deshalb rund um die Welt beobachtet – auch bei uns in der Schweiz.

SRF 4 News, 27.08.2021, 09:23 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Gerbrand Ronsmans  (GRo)
    Wenn sie ein Auto gekauft haben, können sie bei jeder Tankstelle und Werkstatt nach wahl Leistungen beziehen ohne dass 30% an der Autohersteller geht. Wieso soll dies bei Apple erlaubt sein. Das ist Nötigung und somit eine Straftat. Stolz seit über 10 Jahre Apple frei, und mir fehlt nix! Probieren sie auch.
  • Kommentar von Martin Sonderegger  (som63)
    Aufgrund der schieren Grösse Apple's trübt sich bei vielen der Blick für die eigentliche Sache. Bsp. Migros: Migros-Läden gehören der Migros. Jeder der mit Produkten rein will geht Konzessionen ein. Und die Migros hat Margen die z.T. weit über 30%sind! Kommt da jemand auf die Idee, die Migros zu verklagen weil er als Produzent so wenig verdient? Ich glaube nicht. Jede App könnte über die eigene Website verkauft werden - nur da fehlt der Traffic den der App-Store eben hat. Reines Neid-Geschäft!
    1. Antwort von Admir Pekic  (Adoo13)
      Das Problem ist folgendes: Stellen Sie sich vor Sie verkaufen einen PC im Meletronics als Hersteller. Für jedes Programm dass der Kunde dann auf dem PC kauft, bezahlen Sie auch noch 30% an Meletronics. Das ist das grösste Problem. Die App kann ja einen Zuschlag haben beim Kauf im Appstore aber wenn Sie dann in der App etwas kaufen dann bezahlten Sie bis jetzt ebenfalls 30% Gebüren als Hersteller und das ist schwachsinn. Und das nur weil Sie Apple Geräte nutzen.
    2. Antwort von Paul Muller  (paulmuller)
      Das ist nur bedingt richtig. Für iOS gibt es schlicht keine Alternative zum Apple App-Store um Programme zu installieren. Die jail-break Option lasse ich bewusst aussen vor, denn die ist nicht massentauglich.
    3. Antwort von Andreas Morello  (Andreas Morello)
      Ihr Vergleich hinkt. Ein App-Store ist kein Supermarkt, sondern eher ein traditioneller Marktplatz. In diesem Fall gehört der Marktplatz Apple.

      Statt einem festen Betrag für die Miete des Standplatzes auf dem Marktplatz verlangt Apple für jeden einzelnen Verkauf eine Gebühr von 30% des Verkaufspreises. Gleichzeitig darf der Standinhaber nicht darauf hinweisen, dass man auch in seinem eigenen Hofladen einkaufen kann.
  • Kommentar von David Scherer  (crashwinston)
    Was da von Apple gemacht wird ist eine Sauerei. Apple hat ein Monopol auf den App Store bei iPhones. Im Gegensatz zu Android gibt es keine andere Möglichkeit an eine App zu kommen als über diesen Store. Apple hat sich dafür entschieden keine anderen Stores zuzulassen. Meines erachtens dürfte Apple also nur soviel von den Entwicklern verlangen damit gerade die Kosten für das Betreiben des App Stores gedeckt sind. Dies dürfte wohl im Promillebereich und nicht Prozentbereich liegen!
    1. Antwort von Kevin Hürzeler  (Kevin Hürzeler)
      In welcher Traumwelt leben Sie denn? Würde man Unternehmen die Früchte Ihrer Produkte/Plattformen nicht ernten lassen, dann gäbe es viel weniger Innovation und wahrscheinlich heute noch kein Smartphone. Ob das im Falle des Smartphones nun gut oder schlecht wäre, sei mal dahin gestellt.
    2. Antwort von Werner Gürr  (FrMu)
      Herr Hürzeler
      Früchte ernten, ist eine Art es zu sagen. Raubbau betreiben, die andere.
    3. Antwort von Martin Sonderegger  (som63)
      Wäre ich Apple würde ich Entwickler die mich verklagen aus dem Sortiment kippen! Der App-Store wäre mein Laden und da bestimme ich die Marge. Oder lässt sich die Migros von irgendwelchen Produzenten vorschreiben wie hoch die Marge sein darf damit sie mehr verdienen? Da haben ganz viele das Geschäftsmodell noch nicht verstanden - inkl der Anwälte von Apple die meiner Meinung nach einen grottenschlechten Job machen.
    4. Antwort von Daniel Unedan  (D. Unedan)
      @Sonderegger: Sie kommen sehr nahe an das grundlegende Problem: Es ist vielerorts verboten auf diese Weise zu geschäften. Wo der Markt nicht regeln kann (zum Beispiel beim Missbrauch von Monopolstellungen) muss der Staat eingreifen.