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Auch bei der E-Mobilität ist nicht alles Gold was glänzt
Aus Echo der Zeit vom 12.03.2021.
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Elektroautos E-Mobilität schafft neue Umweltprobleme

Elektroautos gelten als klimafreundlich, denn sie verursachen kein Abgas. Ihre Batterie sorgt aber für Kopfzerbrechen.

Das Interesse an alternativ angetriebenen Autos wächst und wächst. Jörg Beckmann, Geschäftsführer des Branchenverbands Swiss-E-Mobility, rechnet damit, dass ab 2025 weniger als die Hälfte der neuen Fahrzeuge in der Schweiz einen Diesel oder Benzinmotor haben werden.

Die Gründe für diesen Boom sind zahlreich: «Mittlerweile gibt es in jeder Modellkategorie ein teilweise grossartiges Angebot», sagt Beckmann. Und gemessen am Fahrzeugpark habe die Schweiz eines der dichtesten Ladenetze in ganz Europa.

Tesla Modell 3, 2019
Legende: Beckmann geht davon, dass man ab 2030 kaum noch Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in den Showrooms der Garagisten und Automobilverkäufer finden wird: «Mal abgesehen von Nischensegmenten.» Keystone

Kommt dazu, dass die Preise für Elektroautos in letzter Zeit deutlich gesunken sind. Die Entwicklung sei vor allem deshalb erfreulich, weil Elektroautos eine bessere Klimabilanz hätten als Autos mit Motoren, in denen Benzin oder Diesel verbrannt wird.

Gravierende Umweltschäden

Auch Karin Mader freut sich über diese Entwicklung – grundsätzlich. Sie ist bei den kirchlichen Hilfswerken Brot für Alle und Fastenopfer verantwortlich für Wirtschaft und Menschenrechte. «Wir wollen für diese saubere Energie aber keinen dreckigen Rohstoffabbau, der auf Kosten von Mensch und Umwelt im globalen Süden geht.»

Heute – das zeigt eine Studie von Brot für Alle/Fastenopfer und anderen Nichtregierungsorganisationen eindrücklich – verursacht die Produktion von Autobatterien vor allem in Entwicklungsländern gravierende Umweltschäden.

«Rohstoffbedarf nimmt gewaltig zu»

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«Rohstoffbedarf nimmt gewaltig zu»
Legende: Lithium-Exploration in Argentinien Reuters

Mader nennt einige der Umweltprobleme, die die Produktion von Batterien für Elektroautos mit sich bringt. «Beim Bergbau muss man Löcher in die Berge graben, um die Rohstoffe herauszuholen.»

Wenn man wie in Lateinamerika Lithium durch Verdunstung gewinne, müsse man dieses aus dem Grundwasser hochpumpen. «Und wenn man es aus der Tiefsee holt, betrifft das die Meeresökologie – und damit auch die Fischgründe, von denen die Bevölkerung lebt», sagt Mader. Kurz: «Beim Boom der Elektromobilität nimmt der Rohstoffbedarf gewaltig zu und damit wachsen auch die Risiken.»

Mader fordert, dass neuartige Recycling-Verfahren und Innovationen entwickelt werden. «Man soll die Batterien später wieder auseinandernehmen und in neuen Modulen zusammenbauen können. Sie sollen ein neues Leben erhalten.»

Denkbar sei etwa, dass die Batterien später als stationäre Speicher wieder zum Einsatz kämen und Strom damit direkt aus der Erzeugung weitergeben könnten. «Anschliessend sollten auch die einzelnen Rohstoffe recycled werden können – und das möglichst vollständig.»

Dass die EU derzeit grosse Anstrengungen unternimmt, eine eigene Batterieproduktion aufzuziehen und Rohstoffe vermehrt in Europa abbauen will, ändert an den Umweltauswirkungen wenig. Auch hier ist der Rohstoffabbau mit Eingriffen in die Natur verbunden.

Immerhin: Die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter werden in Europa meist besser geschützt als in vielen andern Abbauländern. Wichtig wäre aber, den Rohstoffbedarf nicht weiter explodieren zu lassen, sagt Mader.

Während die EU für das Batterie-Recycling derzeit gesetzliche Rahmenbedingungen schafft, sieht der Bund keinen dringenden Handlungsbedarf. Für Umweltministerin Simonetta Sommaruga ist klar, dass die Produktion effizienter und Batterien langlebiger werden müssen. «Hier gibt es bereits gute Ideen. Es geht nicht nur, aber auch ums Recycling.»

Elektroauto-Symbol auf Parkplatz
Legende: Elektroautos sind sicher besser als gewöhnliche Benziner, doch jedes Elektroauto braucht auch eine Batterie. Und die ist nicht unbedingt klimafreundlich. Keystone

Die Rohstoffproblematik ist das eine – auch klimatechnisch sind Elektroautos nicht unproblematisch. Zwar kommt nichts aus dem Auspuff. Rechnet man aber die Emissionen für die Herstellung des Autos und des Treibstoffs ein, so stossen Elektroautos immerhin gut halb so viele Treibhausgase aus wie herkömmliche Diesler oder Benziner. Das zeigen neue Zahlen des Paul Scherrer Instituts.

Der Elektroantrieb im Auto ist Teil der Lösung, aber nicht die Lösung.
Autor: Jörg BeckmannGeschäftsführer Swiss-E-Mobility

Wächst die Zahl der Autos ungebremst, bleiben die Klimaziele unerreichbar, auch wenn alle Fahrzeuge dereinst elektrisch fahren. Das sieht auch Beckmann von Swiss E-Mobility so: «Der Elektroantrieb im Auto ist Teil der Lösung, aber nicht die Lösung. Wir werden auch andere Massnahmen ergreifen müssen, damit wir unsere Mobilität CO2-freier ausüben können.»

«Am besten kein Auto»

Mader von den kirchlichen Hilfswerken stimmt zu. Jede und jeder müsse sich überlegen, ob das Auto wirklich so gross sein müsse und ob man es nicht auch teilen könne: «Am besten wäre es natürlich, gar kein Auto zu haben.»

Elektroautos werden den Markt bald dominieren. Das kann ein wichtiger Schritt in eine klimafreundlichere Zukunft sein – aber nur dann, wenn die Zahl der Autos nicht weiter wächst und die Batterieproduktion deutlich umweltfreundlicher wird.

Echo der Zeit, 12.03.2021, 18:00 Uhr

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166 Kommentare

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  • Kommentar von Olivier Klossner  (Oli61)
    Wieso wird nie aufgezeigt wieviel CO2 der ÖV produziert! Kommt ausser auf den voll ausgelasteten Hauptachsen nicht einmal entfernt an ein verbernner Auto heran. Aber dies wird kaltschnäuzig übergangen. Auch wenn man's totschweigt wird es die Welt nicht Retten!
    1. Antwort von Sebastian Krüger  (Sebastian Krüger)
      Auf welche Zahlen beziehen Sie sich?
      Gerade in der Schweiz ist Mobilität auf basis von Elektrizität überaus Emissionsarm (weil keine Kohlekraftwerke...). Da kann wohl das Reisen mit der SBB locker mit einem Auto mithalten. Bei (Diesel-) Bussen würde es sich scher lohnen einmal genau hinzusehen. Deshalb ist es gut zu wissen dass der Wechsel zu voll-elekrtischen Bussen kommt.
    2. Antwort von Fabio Küpfer  (Fabio K.)
      Laut SBB fahren sie mit über 80% Wasserkraft, der Rest sei gekaufter Atomstrom sowie Diesel bei Rangierloks. Die SBB wollen bis 2025 pro Jahr 600GWh (!) Energie sparen. Dies entspricht 120'000 Haushalten (5000 kwh/Haushalt). Alle ÖV, die auf Geleisen fahren haben einen extrem geringen Energieverbrauch, da Eisen auf Eisen->wenig Rollwiederstand. Busse sind bei geringer Auslastung nicht sehr umweltfreundlich, aber bei grosser Auslastung sehr wohl. Dies lässt sich nicht vom Kunden beeinflussen.
  • Kommentar von Daniel Bachmann  (Dänu82)
    Wasserstoff. Die Motoren unterscheiden sich kaum von den jetzigen. Und das Strukturele müsste nicht so gravierend verändert werden. Herstellung, Technik, Recycling, Zulieferer, Tankstelle, usw.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Würde Wasserstoff ernsthaft verbreitet eingesetzt, so würden höchst wahrscheinlich kaum Verbrennungsmotoren (Knallgasmotoren) eingesetzt, sondern Brennstoffzellen. Diese funktionieren ähnlich wie Akkus nur dass die Energie aus der Oxydation von Wasserstoff gewonnen würde. Im Grundsatz wären dies Elektro-Fahrzeuge.
    2. Antwort von Franz Heeb  (fheeb)
      Die Kosten pro Wasserstofftankstelle belaufen sich aktuell auf CHF 1.0 - 1.5 Mio. In 3-5 Minuten kann dann der Tank bei Druck bis 700 bar gefüllt werden. dazu muss das System aber zuvor auf -40 Grad Celsius gekühlt werden. Unter widrigen Umständen kann der Einfüllstutzen anfrieren.
      Selbst bei Tankstellen mit Kryopumpen entstehe eine Wartezeit von 13 bis 15 Minuten pro Tankvorgang. Es zeigt sich , dass an einer Tanstelle pro Tag 40 Fahrzeuge möglich sind. Quelle: Wikipedia, Businessinsider.de
    3. Antwort von Sebastian Krüger  (Sebastian Krüger)
      Eine Flotte Wasserstoff-Fahrzeuge braucht aber ca. 3x soviel Primärenergie wie eine Flotte Elektrofahrzeuge. Woher wollen Sie dieses Mehr an Energie nehmen wo uns ohnehin schon Knappheit droht?
    4. Antwort von Daniel Bachmann  (Dänu82)
      Sorry ich war etwas ungenau
      ethz.ch › mm-solare-mini-raffinerie
      CO2-neutraler Treibstoff aus Luft und Sonnenlicht | ETH Zürich
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Das kann ein wichtiger Schritt in eine klimafreundlichere Zukunft sein – aber nur dann, wenn die Zahl der Autos nicht weiter wächst und die Batterieproduktion deutlich umweltfreundlicher wird.". -- Ja denkste. Gerade wurde bekannt, dass in China 4'000'000 Autos verkauft wurden (und dies in 2 Monaten: Januar + Februar !!!). Und alle Jahre kommen 80'000'000 Zweibeiner dazu, welche ebenfalls mobil sein wollen. Ergo wird sich die Lage zuspitzen auf der Kugel, unausweichlich!!
    1. Antwort von Sebastian Krüger  (Sebastian Krüger)
      Das Wachstum Chinas ist selbst im Pariser Abkommen berücksichtigt - niemand ignoriert das.