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Milliardenspenden mit Beigeschmack
Aus 10vor10 vom 18.02.2020.
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Engagement für Umweltschutz Was steckt hinter der Milliardenspende von Jeff Bezos?

Der reichste Mann der Welt will zehn Milliarden US-Dollar für das Klima spenden. Grosszügigkeit oder eher Imagepflege?

Der Klimawandel sei die grösste Bedrohung für den Planeten, schreibt Amazon-Chef Jeff Bezos in der Ankündigung seiner Spende auf Instagram. Mit zehn Milliarden Dollar – das sind rund acht Prozent seines Vermögens – sollen Wissenschaftler oder Aktivisten unterstützt werden. Dafür gründet Bezos eine neue Stiftung. Uneigennützige Wohltätigkeit – oder moderner Ablasshandel zur Imagepflege?

Die Philanthropie ist ein bisschen auch ein Statussymbol.
Autor: Georg von SchnurbeinProfessor für Philanthropie, Uni Basel

Georg von Schnurbein, Professor für Philanthropie an der Universität Basel, befasst sich mit freiwilligen Taten und Gaben für gemeinnützige Zwecke. Er sagt gegenüber «10vor10»: Ganz uneigennützig handle kaum jemand. «Da geht es natürlich auch um das Ansehen untereinander. Die Philanthropie ist ein bisschen auch ein Statussymbol. Da will man auch entsprechend anerkannt werden.»

Eine Stiftung habe etwas Langfristiges und sei sehr viel werthaltiger, als wenn man sich eine weitere Yacht oder Privatinsel kaufe, so von Schnurbein weiter.

Wann wird Amazon aufhören, Öl- und Gasunternehmen bei der Zerstörung der Erde mit noch mehr Öl- und Gasbohrlöchern zu helfen?
Autor: Mitarbeiter von Amazon

Kritik aus eigenem Unternehmen

Doch nicht alle sind von Bezos' Grosszügigkeit begeistert. Auch Amazon-Mitarbeiter kritisieren ihren Chef. Auf Twitter äusserten sich Angestellte: «Wann wird Amazon aufhören, Öl- und Gasunternehmen bei der Zerstörung der Erde mit noch mehr Öl- und Gasbohrlöchern zu helfen?»

Amazon müsse aufhören, den Klimawandel leugnende Thinktanks zu finanzieren, und es müsse seine LKW von Diesel auf Elektromotoren umstellen. Zudem fordern sie von Bezos eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz. «Wie die Geschichte uns lehrt, erheben sich wahre Visionäre gegen etablierte Systeme, auch wenn es sie selbst teuer zu stehen kommt», so die Mitarbeiter.

Jeff Bezos läuft an Grünpflanzen vorbei.
Legende: Jeff Bezos läuft durch die «Amazon Spheres» in Seattle. Die drei «Spheres» beherbergen rund 40'000 Pflanzen und erinnern an den Regenwald Amazonas. Keystone
Einerseits ist Amazon in der Kritik, gerade auch wegen dem hohen Verbrauch an Ressourcen für den Versand (...). Andererseits setzt sich der Chef für Umweltthemen ein – das geht nicht gleichzeitig.
Autor: Georg von SchnurbeinProfessor für Philanthropie, Uni Basel

Amazon selbst zeigt sich begeistert über Bezos' Pläne. Letztes Jahr hatte der Konzern in Aussicht gestellt, im Amazon-Geschäft bis 2040 CO2-Neutralität zu erzielen. Allerdings dürfte die Begrenzung klimaschädlicher Gase für den Konzern eine Herausforderung darstellen. Schliesslich stellt Amazon seinen Kunden jährlich zehn Milliarden Artikel zu, unterhält dafür weitläufige Liefernetze und betreibt riesige Datenzentren.

Jeff Bezos als Konzernchef und gleichzeitig Philantrop, der sein privates Vermögen für die Umwelt spendet – diese Doppelrolle funktioniere auf die Dauer nicht, meint Professor von Schnurbein. «Einerseits ist Amazon in der Kritik, gerade auch wegen dem hohen Verbrauch an Ressourcen für den Versand und die weltweite Distribution. Andererseits setzt sich der Chef für Umweltthemen ein – das geht nicht gleichzeitig.»

Andere Milliardäre, andere Vorgehen

Vor dem Amazon-Chef hatten bereits andere US-Milliardäre wie Microsoft Gründer Bill Gates Umweltstiftungen gegründet. Das aber erst, als er die Microsoft-Führung abgab und so nicht mehr mit dem Unternehmen in Verbindung gebracht wurde. Ebenso der Schweizer Mäzen Hansjörg Wyss, der mit seiner Stiftung die Wissenschaft fördert – nachdem er mit Medizinaltechnik Milliardär wurde.

Der bei Jeff Bezos geweckte Wohltätigkeitssinn für die Umwelt sei einerseits zwar nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Doch sein Engagement könne schon dazu führen, dass sich künftig noch mehr vermögende Personen dem Thema Klimaschutz widmen und das auch sagen, meint von Schnurbein.

Trotz seiner Milliardenspende muss der Amazon-Chef nicht sparen. Vor wenigen Tagen hat Bezos ein Luxusanwesen in Beverly Hills für 165 Millionen Dollar gekauft.

10vor10, 18.02.2020, 21.50 Uhr; niedm/bers

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    So lange nichts darüber bekannt ist, nach welchen Kriterien die Stiftungsgelder ausgegeben werden, ist für mich fraglich ob das Ganze überhaupt eine Wirkung hat.
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  • Kommentar von Urs Stäbler  (Stab)
    Ich verstehe die vielen Ablehnungen meines Kommentars etwas gar heftig. Es ist ja nicht so, dass ich Bezos Geschäftsmethoden unterstütze, ich finde aber dass eine Spende von 10 Milliarden aber nützlich, wenn sie zum
    Umweltschutz eingesetzt werden. Es gibt noch weitere Multimilliardäre die ihr Vermögen auch auf Kosten der Umwelt verdient haben aber gar nichts spenden.
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  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Auch wenn es jetzt viele "Daumen runter" gibt:
    Bezos hat über 800'000 Arbeitsstellen geschaffen und spendet 10'000'000'000 $. Das muss erst mal einer nachmachen.
    Ich wette, dass viele der Bezoskritiker noch nie einen Rappen gespendet haben! Es wird auch niemand gezwungen bei Amazon zu arbeiten.
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    1. Antwort von Peter Zurbuchen  (drpesche)
      Wieso kann er denn überhaupt 10 Milliarden spenden? Weil er 125 Milliarden besitzt. Und wie ist er zu diesen 125 Milliarden in 25 Jahren gekommen? Weil er mehr gearbeitet hat als seine 800'000 Angestellten oder weil er diese Angestellten schamlos ausgenutzt hat? Anstatt jedes Jahr 5 Milliarden für sich abzuzweigen, hätte er "nur" eine Milliarde für sich nehmen und jeder Angestellten 5000 Dollar mehr bezahlen können.
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    2. Antwort von Peter Zurbuchen  (drpesche)
      Ausserdem muss man auch darüber nachdenken, wie viele Arbeitsplätze wegen Amazon an anderer Stelle verloren gegangen sind. Dann relativieren sich die 800'000 sehr rasch.
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    3. Antwort von Urs Stäbler  (Stab)
      Wenn jeder vermögende Mensch 8% seines Vermögens dem Umweltschutz spenden würde könnte man vieles verbessern.
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    4. Antwort von Peter Zurbuchen  (drpesche)
      Wenn es diese unermesslich vermögenden Menschen nicht gäbe, müsste man vieles gar nicht erst verbessern. Es wäre viel besser, wenn sich Geld gar nicht so stark bei einzelnen Personen konzentrieren würde. Noch wenn Herr Bezos 99,2% seines Vermögens spenden würde, wäre er immer noch unglaublich reich, denn eine Milliarde entspricht 1'000 Millionen! Er könnte also 50 Jahre lang jährlich 20 Millionen ausgeben.
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