US-Präsident Donald Trump hat grosse Firmen aus der Ölbranche ins Weisse Haus eingeladen. Gegenstand des Treffens waren die Ölreserven von Venezuela. In diesem Zusammenhang hat die US-Regierung nun zwei Rohstofffirmen aus Genf einen Auftrag erteilt: Vitol und Trafigura sollen das venezolanische Öl für die US-Regierung verkaufen.
Wer sind die beiden Firmen Vitol und Trafigura?
Beide Unternehmen gehören zu den grössten Ölhandelsfirmen weltweit. Vitol wurde 1966 in Rotterdam gegründet und ist seit Ende der 1960er Jahre in der Schweiz präsent, der Hauptsitz ist in Genf. Heute ist die Firma ein globaler Rohstoffkonzern mit rund 1800 Angestellten. Allerdings ist Vitol verschwiegen. Gemäss eigenen Angaben hat die Firma 2024 einen Umsatz von 330 Milliarden Dollar gemacht und kontrolliert eine Flotte von gut 50 Schiffen.
Trafigura ist zwar kleiner, aber in Bezug auf seine Geschäftstätigkeit transparenter: Auch Trafigura ist im Rohstoffhandel tätig, hat weltweit rund 14'500 Angestellte und machte 2024 einen Umsatz von rund 240 Milliarden Dollar sowie einen Gewinn von knapp drei Milliarden Dollar. Der Hauptsitz befindet sich zwar in Singapur, aber in Genf ist die Handelsabteilung angesiedelt. Zudem verfügt das Unternehmen über eine grosse Logistiksparte: 2024 war eine Flotte von rund 220 Tankern für Öl und Gas im Auftrag von Trafigura unterwegs.
Was ist nun der genaue Auftrag von Vitol und Trafigura?
Die Unternehmen haben von der US-Regierung den Auftrag erhalten, das venezolanische Öl zu verkaufen und zu exportieren. Das haben die beiden Firmen in einer gemeinsamen Erklärung bekannt gegeben. Konkret geht es um das Öl, dass in Venezuela eingelagert ist.
Die beiden Firmen sollen nun Käufer für das venezolanische Öl finden und es anschliessend verschiffen, da der US-Regierung die entsprechende Expertise fehlt. Genauere Details wollten die beiden Konzerne auf Nachfrage von SRF allerdings nicht bekannt geben.
Wieso setzt Donald Trump auf Firmen aus der Schweiz?
Der Handel mit Öl ist ein hochspezialisiertes Geschäft, bei dem man über Wissen, Netzwerke und Kapital verfügen muss. Im Fall von Venezuela geht es um riesige Mengen an Öl. Die US-Regierung spricht von 30 bis 50 Millionen Fässer Öl, die verkauft werden sollen. Zwei Vergleiche verdeutlichen die Grössenordnung: Gemäss der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) produziert Venezuela pro Tag knapp eine Million Fässer. Zudem sind auch umfangreiche Transportkapazitäten notwendig. Die grössten Supertanker können rund 3 Millionen Fässer transportieren.
Faktisch geht es um Dutzende Schiffsladungen Öl, für die nun Vitol und Trafigura Abnehmer finden sollen.
Die Schweiz hat schon in der Vergangenheit im Zusammenhang mit dem venezolanischen Öl eine Rolle gespielt. Welche denn?
Eine eher unrühmliche. In den 2000er Jahren sind Millionen an Franken aus dem Umfeld des staatlichen Ölkonzerns von Venezuela, von PDVSA, in die Schweiz geflossen. Obschon die Herkunft unklar war, haben mehrere Banken dieses Geld auf Konten in der Schweiz platziert. In der Folge hat die Finanzmarktaufsicht FINMA in den Jahren 2020 und 2021 mehrere Finanzinstitute gerügt, weil sie gegen Geldwäschereivorschriften vorstossen hatten. Besonders schwerwiegend waren die Verstösse bei der Bank Julius Bär: Hier stellten die Aufsichtsbehörde systematische Mängel fest. So hatte die Bank unter anderem nur ungenügend abgeklärt, woher das Geld ihrer Kundschaft stammte. Inzwischen sind alle Verfahren im Zusammenhang mit Venezuela abgeschlossen.