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Dell'Anna: «Unternehmer streichen Jobs, die nicht umsatzrelevant sind»
Aus News-Clip vom 26.11.2020.
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Fachkräftemangel-Index Klassische Bürojobs sind weniger gefragt

Der Personaldienstleister Adecco gibt jedes Jahr den Fachkräftemangel-Index heraus, in dem er die offenen Stellen und die stellensuchenden Fachkräfte auf dem Schweizer Arbeitsmarkt analysiert. Bisher herrschte ein Überangebot an Stellen, für die es keine Fachleute gab. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Index um 17 Prozent gesunken. Die Lage am Arbeitsmarkt spitze sich weiter zu, sagt Monica Dell’ Anna, Schweiz-Chefin des Personaldienstleisters Adecco im Interview mit SRF News. Nicht nur wegen der Coronakrise.

Monica Dell'Anna

Monica Dell'Anna

Geschäftsführerin Adecco

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Monica Dell’Anna leitet seit dem 1. Juni 2020 die Adecco Gruppe Schweiz und Österreich. Sie hat in Italien Telecommunications Engineering studiert und in England doktoriert.

SRF: Wie zeigt sich die Situation der Fachkräfte in der Schweiz?

Monica Dell’Anna: Der Fachkräftemangel hat zum ersten Mal, seit wir diese Studie machen abgenommen. Das bedeutet, dass wir zwar immer noch einen Mangel an Fachkräften haben. Die Zahl der Stellen, die ausgeschrieben werden, hat jedoch sichtbar abgenommen, gleichzeitig suchen mehr Fachkräfte eine Stelle. Die Diskrepanz ist in der Deutschschweiz deutlich grösser als in der Romandie.

Welches sind die grössten Auffälligkeiten und wie nachhaltig sind diese?

Die grossen Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr sehen wir im Überangebot von Fachkräften in den kaufmännischen und administrativen Berufen. Es gibt dort weniger Stellen und mehr Fachleute, die sich auf diese Stellen bewerben. Dieselbe Entwicklung sehen wir in der Reinigungsbranche, aber auch in kosmetischen Berufen oder im Bereich der Gastronomie und Hotellerie aufgrund der Coronakrise.

Wieso ist die Lage bei den kaufmännischen Berufen so angespannt?

Hier gibt es vor allem zwei Gründe. Der erste liegt in der Coronakrise. Unternehmen streichen Stellen, auf die man relativ einfach verzichten kann, beispielsweise solche, die nicht umsatzrelevant sind. Der zweite ist ein struktureller Grund. Dieser hat eine nachhaltige Wirkung. Es ist die Digitalisierung. Viele administrative Aufgaben werden automatisiert. Hinzu kommt, dass viele Stellen ins Ausland ausgelagert werden, deshalb gibt es entsprechend ein kleineres Stellenangebot in der Schweiz.

Um einen Job im kaufmännischen Bereich zu finden, ist es wichtig, dass man sich weiterbildet.

Welche KV-Berufe sind betroffen, welche weniger?

Wir sehen hier keine grossen Unterschiede. Eine Ausnahme bilden die Buchhalterinnen und Buchhalter. Dort ist das Angebot an Stellen im Vergleich zum vergangenen Jahr nicht gesunken. Stellensuchende und Angebote halten sich in etwa die Waage. Um einen Job im kaufmännischen Bereich zu finden, ist es wichtig, dass man sich weiterbildet – vor allem in Digitalisierungsbereichen – oder eine Sprache lernt. Damit kann man fast nichts falsch machen.

Das Gespräch führten Pascal Schumacher und Urs Gilgen.

Tagesschau vom 26.11.2020, 19.30 Uhr;

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Peter  (Byron)
    Der Trend zum homeoffice - welcher von vielen Arbeitnehmern geradezu bejubelt wird - könnte sich auf Sachbearbeiterstufe in der CH zum grossen Bumerang erweisen. Viele Firmen haben nun realisiert, dass die Arbeit von zu Hause aus auch funktioniert und damit könnte ein Damm brechen. Wieso das "homeoffice" statt nach Hinterdemberglikon nicht ins billigere Ausland verlegen? Dies findet ja bei grösseren Firmen schon lange statt und könnte auch bei mittleren Unternehmen funktionieren.
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    1. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Was sich früher noch ins Ausland verschieben liess, wird heute zunehmend mit und ohne künstlicher Intelligenz automatisiert. Wenn wir schlau sind, sollte sich die Schweiz darum bemühen, ihre Digitalisierung in der Schweiz selber aufzubauen, um damit wenigstens die damit verbundenen NEUEN Jobs in der Schweiz zu behalten.
      Statt sich z.B. weiterhin mit Google und Facebook-Konten anzumelden, sollte man sich um die SwissID bemühen, anstatt diese zu bekämpfen.
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    2. Antwort von Hans Peter  (Byron)
      @René Baron: Sie haben natürlich recht. KI ist die nächste Eskalationsstufe, dann müssen dann plötzlich auch der IT-Operator und die Telefonsupporterin in Osteuropa oder Bangladesh um ihren Job fürchten... die komplette Digitalisierung wird einen Teil der Berufswelt vollständig umpflügen. Die CH tut gut daran auch in diesem Bereich eine Vorreiterrolle einzunehmen. Leider stelle ich hierzulande manchmal eine zunehmende Technologiefeindlichkeit fest, es ist noch viel Überzeugungsarbeit gefragt.
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  • Kommentar von Simon Kaiser  (skai)
    Leider ist Weiterbildung nur einer von vielen möglichen Makel. Ich z.B. bin 45, Schweizer Familienvater, top ausgebildet Jura, Wirtschaft, viel Weiterbildungen, aber leider (selbtverschuldet) allzu vielseitige Arbeitserfahrung. Nun bin ich langzeitarbeitslos und unvermittelbar. Zuwenig Bestand im Lebenslauf ist offenbar genauso wie zu alt oder gar keine Weiterbildung ein Killerkriterium bei der Stellensuche in einem
    ausgetrockneten Markt.
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