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Für temporär Arbeitende ist die Jobsuche deutlich schwieriger geworden
Aus Info 3 vom 06.08.2020.
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Coronakrise am Arbeitsmarkt Temporärstellen boomen – nicht

In unsicheren Zeiten greifen Arbeitgeber gerne auf flexible Angestellte zurück, könnte man meinen. Doch die Realität sieht anders aus.

Die ganz grossen Entlassungswellen sind in der Schweiz bisher zwar ausgeblieben, doch die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist angespannt. Das spürt auch Adecco: Der Personaldienstleister kann im ersten Halbjahr nicht nur weniger Festanstellungen vermitteln, sondern auch weniger Temporärstellen.

Um über 20 Prozent sind die Einsatzstunden von Temporärmitarbeitenden laut dem Branchenverband der Personaldienstleister im April und im Mai eingebrochen. Temporärmitarbeitende hätten während des Lockdowns mehr gelitten als Festangestellte, sagt die Chefin von Adecco Schweiz, Monica Dell'Anna: «Die Temporärarbeit ist ein Frühindikator für die Konjunktur. Und wenn es einen massiven Einbruch gibt, spürt das die Temporärarbeit sofort.»

Tessin und Romandie besonders betroffen

Einen Einbruch gab es insbesondere in der Romandie und im Tessin. Dort sind die Einsatzstunden während des Lockdowns zeitweise um über 80 Prozent eingebrochen. Das hat damit zu tun, dass in diesen Regionen Gastronomie, Tourismus und der Bau wichtige Branchen sind. Branchen, die besonders auf Temporärarbeit setzen, und die wegen des Lockdowns stark gelitten haben.

Im Juni und im Juli habe sich die Lage schweizweit zwar wieder verbessert, weil zum Beispiel Events teilweise doch stattgefunden hätten, so die Chefin von Adecco Schweiz. Von einer Entspannung könne man aber nicht sprechen, sagt Dell'Anna. Im Gegenteil: Die Aufträge seien massiv eingebrochen.

Nach der Krise ist die Temporärarbeit ein fantastisches Instrument.
Autor: Monica Dell'AnnaChefin Adecco Schweiz

«Es braucht deshalb die Phase, in der wiederaufgebaut wird, bevor die Temporärarbeit wieder eingesetzt wird», so Dell'Anna. «Aber nach der Krise mit dieser grossen Unsicherheit ist die Temporärarbeit ein fantastisches Instrument», ist sie überzeugt. Wann genau die Temporärarbeit bei den Unternehmen wieder attraktiver wird, sei aber schwierig zu sagen.

Das habe damit zu tun, dass noch nicht klar ist, wann und wie sich die Wirtschaft erholen wird, sagt Dell'Anna. Zudem würden die Unternehmen in einem ersten Schritt versuchen, ihre Festangestellten wieder voll zu beschäftigen. Die Aussichten für Temporärmitarbeitende sind also so oder so noch länger trüb. Rund die Hälfte von ihnen sind Hilfskräfte. Für sie ist Temporärarbeit oft eine Möglichkeit, überhaupt Geld zu verdienen.

Ende der Kurzarbeit bereitet Sorgen

Neben Dell'Anna macht sich auch Boris Eicher vom Branchenverband der Personaldienstleister vor allem Sorgen wegen der auslaufenden Kurzarbeitsmöglichkeit für Temporärmitarbeitende. «Derzeit sind rund 20'000 Temporäre in Kurzarbeit. Mit dem Auslaufen der Notverordnung steht der Branche diese Kurzarbeit nicht mehr zur Verfügung.»

Eicher befürchtet, dass bis zu 20'000 Temporärangestellte ab Ende August ohne Arbeit sind. Dann läuft die Kurzarbeit für Temporärangestellte aus. Deshalb fordert der Branchenverband vom Bund, dass – ebenso wie für die Festangestellten – auch für die Temporärmitarbeitenden die Kurzarbeit verlängert wird. Das tut der Verband nicht uneigennützig: Immerhin verdient die Branche mit der Vermittlung von Temporärangestellten Geld.

Rendez-vous, 06.08.2020, 12:30 Uhr

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Pascal Moser  (Pascal Moser)
    @Manuela Fitzi
    Ja da gebe ich dir Recht das merkt man extrem... Wegen dieser Krise entlassen Sie zu teure Mitarbeiter und wollen allerdings gleichzeitig neue Mitarbeiter die für die gleiche Leistung aber für weniger Lohn arbeiten. Das traurige respektive das unverschämte finde ich persönlich das man als Lehrabgänger je nach Beruf gerade als nicht tauglich abgestempelt wird weil die meisten Betriebe schlechte Erfahrungen gemacht haben. es gib auch Leute die gerne Arbeiten möchten.
    1. Antwort von Alois Keller  (eyko)
      Was ich aus verschiedenen Kreisen gehört habe, stellt man häufig billige ArbeiterInnen aus Rumänien, Bulgarien und Polen ein, für die teuren Mitarbeiter, die man entlassen hat. Nach getaner Arbeit und wenn es schlecht läuft im Betrieb stellt man auch diese auf die Strasse. So haben wir immer mehr ausländische Arbeitslose. Mit Menschen wird umgegangen als sei sie eine Ware die man nach belieben herumschieben kann. Wo bleibt ein gewisser Schutz vor Missbrauch?
  • Kommentar von Pascal Moser  (Pascal Moser)
    @Manuela Fitzi
    Ich bin jetzt bei 2 Temporär Büros angemeldet. Momentan wird es immer wie schwieriger da die Betriebe einfach Anforderungen stellen die ich noch nicht mit meiner Erfahrung bewältigen kann. Mir wurde auch schon oft zugesagt und im letzten Moment wurde der Termin abgesagt. Kürzlich hätte ich ein Geschäft anschauen können und habe mit dem Chef des Geschäftes einen Termin abgemacht. Nach 2 Tagen rief Er mich an und sagte das Sie schon jemand anderes gefunden haben.. Cool echt :-/
    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Das kenne ich alles nur zu gut. Bin selber auf der Suche. Das Argument mit der fehlenden Erfahrung ist ein Paradox, aber entstammt daraus, dass der Arbeitgeber nicht bereit ist, in die Weiterentwicklung des MA zu investieren. Er will sofort die volle Leistungsfähigkeit und noch mehr Leistungswilligkeit. Falls Sie aufs RAV müssen, gehen Sie! Dann sagen Sie, dass Sie ein Gemeindepraktikum als Zwischenverdienst wollen. Man darf nichts unversucht lassen. Es wird! Durchatmen! Am 27.09. abstimmen!
  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    "Eicher befürchtet, dass bis zu 20'000 Temporärangestellte ab Ende August." - Da fehlt etwas, das ist kein vollständiger Satz.
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Martin Egger Das ist ein unvollständiger Satz. Wir entschuldigen uns dafür und bedanken uns für den Hinweis.