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Neues Pensionskassenmodell sorgt für rote Köpfe
Aus Rendez-vous vom 13.07.2023. Bild: KEYSTONE/Christian Beutler
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Flexible Rentenmodelle Grösste Pensionskasse lockt mit neuer Flexibilität im Rentenbezug

Zwei dynamische Rentenmodelle der Zürcher BVK sorgen für rote Köpfe. «Kollektivität in Gefahr», warnt die Gewerkschaft VPOD.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen in Pension und Ihre Pensionskasse fragt: Wie viel Rente hätten Sie denn gerne zu Beginn? Etwas mehr am Anfang und später etwas weniger?

In etwa so sehen die neuen flexiblen Rentenmodelle aus, die die Zürcher BVK ihren 135’000 Versicherten ab 2024 offeriert. Zusätzlich zum ordentlichen Rentenmodell natürlich, bei dem die monatliche Rente ab 65 bis zum Tod immer gleich hoch ist.

Ab dem Zeitpunkt der Pensionierung sollen eine maximale Freiheit und ein maximales Angebot gegeben sein.
Autor: Thomas Schönbächler Chef Personalvorsorge des Kantons Zürich BVK

 «Dynamische Renten» nennt es BVK-Chef Thomas Schönbächler. Ein Novum, in der Vorsorgelandschaft. Er begründet, wieso seine Kasse mit den neuen Rentenmodellen in diese Richtung geht: Versicherte seien ein Leben lang zwangsversichert und könnten die Pensionskasse nicht selber wählen, erklärt Schönbächler. Ab dem Zeitpunkt der Pensionierung soll nun die maximale Freiheit mit einem maximalen Angebot gegeben sein.

Dynamische Renten seien die Antwort auf ein Bedürfnis der Versicherten, ist der BVK-Chef überzeugt. Der Beratungsalltag zeige, dass sich viele Menschen in den ersten zehn Jahren des Ruhestandes mehr Geld wünschten als später, weil der Aktionsradius noch grösser sei.

Häppchenweise oder Teil des Kapitals auf einen Schlag

Beim ersten Modell startet die BVK mit einem recht hohen Umwandlungssatz, der dann über ein Jahrzehnt jährlich um 1,5 Prozent sinkt. Danach bleibt der tiefere Satz lebenslänglich erhalten, wie Schönbächler erklärt. Ab 2024 wird es also möglich sein, mit Alter 65 eine Rente zu beziehen, welche die ordentliche Rente um rund 15 Prozent übersteigt. Ab Alter 75 liegt die Rente dann rund 5 Prozent unter dem ordentlichen Niveau – bis zum Lebensende.

Beim zweiten Modell wird mit der Pensionierung auf einen Schlag ein Teil des Sparkapitals bezogen. Ab Alter 75 setzt dann die Rente in ordentlicher Höhe bis zum Tod wieder ein. Auch dieses Modell entspreche einem Bedürfnis, so Schönbächler: «Viele haben ab dem Zeitpunkt der Pensionierung einen Traum: eine Weltreise, ein neues Auto, die Hypothek abzahlen und vieles Weitere.»

BVK
Legende: Mit dynamischen Rentenmodellen ein Bedürfnis abdecken, statt die Pensionierten zu bevormunden. Das will die BVK am 2024 tun. Keystone/Steffen Schmidt

Beide dynamischen Rentenmodelle der BVK sind auch eine Reaktion darauf, dass sich immer mehr Versicherte zu Beginn der Pension alles Geld aus der Pensionskasse auszahlen lassen – und dieses dann zu schnell aufbrauchen und finanziell in Not geraten. Dem will die BVK nun mit bedarfsgerechten Renten entgegensteuern.

Man schafft versicherungsmathematisch Unter-Kollektive und weiss nicht im Voraus, welche Aktiven in welchem Rentenbestand enden.
Autor: Jorge Serra Gewerkschaft VPOD, Präsident PK Netz

Bei den Gewerkschaften sorgt die BVK mit dem neuen Angebot für rote Köpfe. Indem die BVK Renten individualisiere und flexibilisiere, unterlaufe sie den Gedanken der Kollektivität, welche die zweite Säule ja gerade ausmache, sagt etwa Jorge Serra von der Gewerkschaft VPOD.

Serra hofft, dass das Modell der BVK nicht Schule macht: «Im Einzelfall sind diese Modelle sicher begründbar und nachvollziehbar. Aber die Reise geht in die falsche Richtung.» Denn damit schaffe man versicherungsmathematisch Unter-Kollektive, die komplizierter zu berechnen seien. Auch wisse man nicht im Voraus, welche Aktiven in welchen Rentenbestand enden, ergänzt der Gewerkschafter, der auch Präsident der BVG-Plattform der Arbeitnehmenden PK Netz ist.

Es wäre geradezu eine Bevormundung, solche Modelle nicht anbieten zu wollen.
Autor: Thomas Schönbächler Chef Personalvorsorge des Kantons Zürich BVK

BVK-Chef Schönbächler hat kein Verständnis für die Kritik von Gewerkschaftsseite. Er sei ein sehr starker Verfechter der Kollektivität, solange die Menschen im Berufsleben stünden. Ab der Pensionierung aber könnten die Risiken personenspezifisch und personengruppenspezifisch sehr genau berechnet werden. Die Kollektivität werde definitiv nicht untergraben: «Es wäre geradezu eine Bevormundung, solche Modelle nicht anbieten zu wollen.»

Unterlaufen des Kollektivgedankens der zweiten Säule oder Bevormundung? Ab 2024 müssen sich die neuen BVK-Renten im Alltag bewähren.

Rendez-vous, 13.07.2023, 12:30 Uhr

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