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Schweizer bunkern Pasta
Aus 10 vor 10 vom 29.03.2022.
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Folge des Ukraine-Krieges In den Pasta-Firmen laufen die Maschinen heiss

Schweizer Hersteller melden höhere Bestellungen. Reis und Konserven sind ebenfalls gefragt – auch für Spende-Aktionen.

Die Maschinen in der Kernser Pastafabrik Röthlin laufen dieser Tage länger als sonst. Die Kundschaft will mehr Hörnli, Penne und Magronen, also lässt Betriebsleiter Peter Wallimann die Maschinen länger laufen. «Wir machen eine zusätzliche Schicht pro Woche, wir beginnen anfangs Woche früher oder arbeiten am Freitag eine Schicht zusätzlich.»

Das Obwaldner KMU mit 40 Mitarbeitenden produziert unter anderem für Migros und Coop. «Bei einem Ereignis von globaler Auswirkung wie der Pandemie oder dem Ukrainekrieg decken sich die Leute mehr ein, auch mit Pasta», sagt Marketingleiterin Sarah Gerster.

Die Grossverteiler bestellen mehr, die Käufer im Online-Shop ebenso. Vor allem im Fabrikladen, wo vermehrt Grosspackungen gefragt seien, greifen die Kunden zu: Hier ist der Umsatz im März laut Gerster fast doppelt so hoch wie im Vorjahr.

Vor allem die Städter decken sich ein

Den Wunsch der Konsumenten, genügend Teigwaren im Haushalt zu haben, spürt auch Beat Grüter, Chef und Inhaber von Pasta Premium in Frauenfeld. 10 bis 20 Prozent mehr wird hier produziert als in normalen Zeiten. Das führt dazu, dass die Mitarbeitenden auch samstags aufgeboten werden.

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Migros-Chef Zumbrunnen: «Die Marge ist klar unter Druck»
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Die Situation sei aber nicht vergleichbar mit jener nach dem Corona-Ausbruch, sagt Beat Grüter. Damals habe man die Produktion auf das Dreifache erhöht und einen Monat lang sieben Tage pro Woche gearbeitet. 

Grüter beliefert zahlreiche Detailhändler. «Wir sehen ein klassisches Stadt-Land-Gefälle: Auf dem Land haben wir nicht mehr Umsatz, in der Stadt und in den Agglomerationen haben wir mehr.»

Die Detailhändler verkaufen mehr

Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen bestätigte diese Woche im Interview mit SRF, dass Pasta, Konserven und Reis derzeit mehr gefragt seien – die zusätzliche Nachfrage sei aber überschaubar.

Preise dürften weiter steigen

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Wer sich mit Pasta eindeckt, bezahlt heute mehr als im vergangenen Jahr: Schon vor dem Ukrainekrieg war das Angebot an Hartweizen auf dem Weltmarkt zu klein, der Pasta-Preis in der Schweiz um bis zu 20 Prozent gestiegen.

«Die letztjährige Ernte war schlecht, es stand zu wenig Ware zur Verfügung», sagt Beat Grüter von Pasta Premium - er ist auch Geschäftsführer des Verbands Swisspasta. «Dieses Jahr haben wir den zusätzlichen Faktor, dass die Energiepreise steigen, das kann einen Einfluss auf die Lebensmittelpreise haben».

Auch bei der Migros, deren Vertreter sonst lieber über sinkende Preise reden, um Kunden zu binden, spricht vieles für höhere Preise. Mit den Corona-Nachwehen, dem Krieg in der Ukraine und steigenden Rohstoffkosten sei die Situation «so komplex wie nie in meinen bald 30 Jahren im Detailhandel», sagt Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen.

So gerne er sinkende Preise in Aussicht stellen würde: «Wir müssen akzeptieren, dass für gewisse Rohstoffe steigende Kosten Realität sind. Wir werden Produkt für Produkt anschauen, was das konkret bedeutet. Die Marge ist aber klar unter Druck», so der Migros-Chef.

«Jetzt müssen wir Massnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass wir in der zweiten Jahreshälfte genügend Produkte in der gewünschten Qualität haben», sagte Zumbrunnen.

Bei Aldi sind Mehl, Pasta und Speiseöl leicht mehr gefragt als sonst. Bei Lidl sind es Konserven, Babynahrung, Hygieneartikel, Suppen, Saucen und Kaffee. Laut Firmenangaben auch für Spenden-Aktionen. Auf Zusatzkäufe für Spenden verweisen auch die Pasta-Hersteller im Gespräch. Coop dagegen schreibt, die Nachfrage habe sich nicht signifikant verändert.

Noch wirkt sich fehlender Weizen aus der Ukraine nicht aus

Dass sich Konsumenten mit zusätzlicher Pasta eindecken, dürfte ihrer eigenen Unsicherheit rund um die Versorgungslage geschuldet sein – rationale Gründe, Vorräte anzulegen, gibt es nicht.

Zwar gilt die Ukraine als Kornkammer, gut ein Drittel der weltweiten Weizenproduktion stammt von dort. Die Schweiz bezieht aber nur 1.4 Prozent ihrer Weizenimporte aus der Ukraine. Der Hartweizen für die hiesige Teigwarenproduktion stammt grösstenteils aus Kanada.

Und doch dürften auch Schweizer Produzenten betroffen sein, wenn der Krieg andauert und in der Ukraine weniger oder kein Weizen geerntet wird. Peter Wallimann von Kernser Pasta sagt, in diesem Fall wäre die Situation auf dem globalen Markt im Herbst eine völlig andere. «Das wird uns auch betreffen, weil jene, die bislang den Weizen aus der Ukraine bezogen haben, auch irgendwo etwas zu bekommen versuchen». Das würde einen Verteilkampf in Gang setzen, der sich auch auf die Preise auswirkt (siehe Box).

10vor10, 29.3.2022

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