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Schweizer Wirtschaft von April bis Juni deutlich geschrumpft
Aus HeuteMorgen vom 27.08.2020.
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Folgen der Coronakrise Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) sinkt um 8.2 Prozent

  • Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal wegen der Folgen der Coronakrise regelrecht eingebrochen.
  • Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ging zwischen April und Juni 2020 gegenüber dem Vorquartal um 8.2 Prozent zurück.
  • Es handelt sich damit um den stärksten Rückgang seit Beginn der Aufzeichnung von Quartalszahlen im Jahre 1980.

Die Wirtschaftsaktivität im Inland sei im Zuge der Pandemie und der Eindämmungsmassnahmen stark eingeschränkt gewesen, teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) mit. Gleichzeitig sei die Weltwirtschaft in eine scharfe Rezession gestürzt.

Der Einbruch in dieser Dimension kommt allerdings nicht ganz überraschend. Von der Agentur AWP befragte Ökonomen hatten die Entwicklung zum Vorquartal bei -6.3 bis -10.1 Prozent gesehen.

Rückgang «verhältnismässig glimpflich»

Der Wert für das erste Quartal 2020 wurde leicht auf -2.5 Prozent (von -2.6) revidiert. Gegenüber der Situation vor der Coronakrise im vierten Quartal 2019 sei das BIP damit in der ersten Jahreshälfte 2020 kumuliert um 10.5 Prozent eingebrochen, so das Seco. Die Struktur der hiesigen Wirtschaft habe aber dazu beigetragen, dass der Rückgang im internationalen Vergleich «verhältnismässig glimpflich» ausgefallen sei.

Einen noch stärkeren Einbruch der Produktion verhinderte vor allem die gewichtige Pharmaindustrie. Sie konnte ihre Umsätze trotz der Pandemie nämlich steigern, sodass das Minus im Total des verarbeitenden Gewerbes laut Seco «lediglich» 9.0 Prozent betrug.

Im Gegensatz dazu mussten die Konjunktur-sensitiven Bereiche wie die Maschinen- und Metallverarbeitungsindustrie sowie die Hersteller von Präzisionsinstrumenten und Uhren herbe Rückschläge hinnehmen. Die Warenexporte gingen mit -9.4 Prozent entsprechend stark zurück.

Gastgewerbe über 50 Prozent im Minus

Der Dienstleistungssektor war im Berichtsquartal am stärksten von den Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie betroffen. So brach etwa die Wertschöpfung im Gastgewerbe (-54.2 Prozent) oder im Transport- und Kommunikationssektor (-21.7 Prozent) ausserordentlich stark ein.

Aber auch in diesen Sektoren habe sich die Schweizer Branchenstruktur im internationalen Vergleich als stabilisierend erwiesen, so das Seco. Der BIP-Anteil des Tourismus ist nämlich geringer als in den meisten Nachbarländern.

«Historischer Rückgang» bei Konsum und Investitionen

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Der mehrwöchige Shutdown wirkte sich wenig überraschend auch stark auf die privaten Konsumausgaben (-8.6 Prozent) aus. Wegen geschlossener Geschäfte und Lokale sowie anderer Einschränkungen sind die Ausgaben in den meisten Konsumbereichen ausserordentlich stark zurückgegangen.

Alternative Vertriebswege wie der Onlinehandel hätten die Ausfälle nur teilweise wettmachen können, schreibt das Seco.

Ebenfalls stark rückläufig entwickelten sich die Bauinvestitionen (-4.0 Prozent) und die Ausrüstungsinvestitionen (-11.7). Stützend wirkte sich dagegen der Staatskonsum (+0.2) aus, der im zweiten Quartal gar leicht zulegen konnte. In der Summe registrierte die inländische Endnachfrage mit -7.4 Prozent) aber einen historischen Rückgang.

Auch der Handel (-3.6 Prozent) vermeldete laut Seco einen vergleichsweise glimpflichen Rückgang der Wertschöpfung. Zum einen sei der Transithandel erheblich gewachsen, zum anderen habe sich der Detailhandel angesichts der geschlossenen Gastronomiebetriebe und der Reisebeschränkungen relativ solide entwickelt. Einen kräftigen Rückgang registrierten schliesslich auch der Gesundheitssektor (-8.6 Prozent) und die unternehmensnahen Dienstleistungen (-8.6).

Düstere Aussichten für das ganze Jahr

Auch wenn das zweite Quartal möglicherweise etwas weniger stark geschrumpft ist als erwartet und die weitgehende Aufhebung des Shutdowns eine Erholung im dritten Quartal gebracht hat, dürfte das BIP im Gesamtjahr ebenfalls massiv schrumpfen. Ökonomen erwarten für 2020 gemäss den aktuellen Schätzungen ein BIP-Minus zwischen etwa 4 und 8 Prozent und damit den schärfsten Rückgang seit Mitte der 1970er Jahre.

Für 2021 wird zwar eine deutliche Erholung erwartet mit Wachstumsraten zwischen 3 und 6 Prozent; das würde aber bedeuten, dass Ende 2021 das Niveau von Ende 2019 noch nicht erreicht ist. Das Ausmass der Erholung dürfte vor allem vom weiteren Verlauf der Pandemie abhängen.

SRF 4 News, 27.08.2020, 8:00 Uhr;

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37 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Meier  (h.m.)
    Das sind keine Folgen der Corona-Krise, sondern Folgen der Massnahmen-Krise.
    Nicht das Virus oder die Krankheit (Ausfälle von Mitarbeitern oder änliches), sondern die Massnahmen, welche die Spitäler vor einer Überlastung schützen sollen, verursachen diese Wirtschaftskrise - und das wohl verstanden, obwohl die Spitäler gar nicht ausgelastet waren.
    1. Antwort von Peter Singer  (P.S.)
      Ohne die Massnahmen wäre die Wirtschaft noch härter getroffen worden. Siehe Italien und UK, welche erst reagiert haben als die Spitäler schon voll waren. Oder siehe die USA. Einige Länder haben rechtzeitig Massnahmen ergriffen und konnten auf einen Lockdown verzichten: Japan, Südkorea, Taiwan. Diese Länder wurden wirtschaftlich weniger hart getroffen.
    2. Antwort von Mihai Löchli  (Siebenbürgen)
      Herr Singer, ohne Massnahmen ist Schweden nicht Italien, wo nicht mal auf die Straße dürfte und nur auf Balkonen gesungen hat.
    3. Antwort von Peter Singer  (P.S.)
      @Mihai: Italien wurde als erstes getroffen und hat dann erst mal gar nichts gemacht und noch weiter Grossveranstaltungen durchgeführt, obwohl die Fallzahlen am explodieren waren. Erst als die Spitäler überfüllt waren, wurde ein Lockdown verhängt. Schweden hat gleichzeitig auch mit vielen Massnahmen reagiert, aber weil es nicht an Italien grenzt und weil die Leute diszipliniert waren konnte man dort das schlimmste verhindern. Seit Mai sin die Massnahmen in Schweden strenger als in der Schweiz.
    4. Antwort von Franz Giger  (fjg)
      Hören sie endlich auf mit ihrer unhaltbaren These "wenn keine Massnahmen...." Herr Singer.
      Die Folgen der soeben neu angeordneten Massnahme in Zürich wird man innert Kürze sehr deutlich zu spüren bekommen, notabene ohne Not angeordnet, und zwar im wirtschaftlichen+ nicht im gesundheitlichen Bereich, nachdem inzwischen jeder Häfelischüler weiss, dass Infektion hin oder her praktisch niemand mehr erkrankt an diesem famosen Virus.
    5. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Weiss hier jemand von überlaufenen Intensivstationen in den USA? Man spricht seit Anfang April davon, nächstens sei es so weit. Hingegen argumentiert man hierzulande jetzt schon hauptsächlich damit, dass die Wirtschaft vor den Folgen weiterer Ausbrüche zu schützen sei. Natürlich die Gesamtwirtschaft, auf Kosten einzelner. Von einer moralisch tragbaren Güterabwägung keine Spur - Gesundheit vor Wirtschaft, Wirtschaft vor Wirtschaftsfreiheit, Nutzen, wo auch nur vermutet, vor Verhältnismässigkeit.
    6. Antwort von Franz Giger  (fjg)
      nicht zu Ende gedacht Herr Schlatter. Um die Gesundheit geht es längst nicht mehr, Paradebeispiel ist die einzige Begründung der Zürcher Regierung zur Maskenpflicht in den Läden.
  • Kommentar von Kari Raeschter  (K. Raeschter)
    Überall sinken die BIP's der verschiedenen Länder; die ganze Welt ist vom Abschwung der Wirtschaft betroffen. Da kann sich wohl die Schweiz nicht ausnehmen. Das war wohl abzusehen. Andere Länder haben dies schon früher gemeldet.
  • Kommentar von Roland Glättli  (R. Maier-G.)
    Noch "glimpflich"! Der grosse Rutsch kommt erst noch! Welcher Investor nimmt im Moment noch Geld in die Hand, wenn die Behörden eine skurrile Massnahme nach der anderen lancieren! Da ist kein Risiko abzuschätzen! Und die, die eh schon in den Seilen hängen, werden mit den ersten Kreditforderungen ebenfalls den Bach runtergespült!
    1. Antwort von Valentin Haller  (Projektionsfläche)
      Was genau meinen Sie mit „skurrile Massnahmen“? Und inwiefern sollen diese (und nicht die Pandemie an sich) die Investoren beeinflussen?
    2. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @Glättli: Die Kredite des Bundes sind nicht dafür bestimmt Firmen zu retten die schon vor Corona in den Seilen gehangen sind.
    3. Antwort von Peter Singer  (P.S.)
      Welche skurillen Massnahmen? Die Maskenpflicht im ÖV und das Contact Tracing sind kein Problem für die Wirtschaft. Reissen Sie sich zusammen und tragen sie die Maske ohne zu jammern und installieren Sie die App. Damit schützen Sie nicht nur die Risikopersonen sondern eben auch die Wirtschaft. Für die Wirtschaft wäre es eine Katastrophe, wenn die Fallzahlen wieder exponentiell steigen würden.
    4. Antwort von Valentin Haller  (Projektionsfläche)
      Wenn man schon für zwei einfache Rückfragen auf breite Ablehnung stösst (siehe oben), erübrigt sich wohl so langsam aber sicher jeder weitere Kommentar. Bedauerlich.
      Die Pandemie ist wahrlich nicht zuletzt auch ein globaler IQ-Test - und gewisse Zeitgenossen scheitern hochkant, weil sie ihre vorgefassten Meinungen unter keinen auch noch so zwingenden Umständen mit Gelassenheit, Vernunft oder gar Fakten belasten möchten.