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Drohende Hungersnöte wegen Krieg in der Ukraine
Aus Echo der Zeit vom 08.03.2022.
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Folgen des Ukraine-Kriegs Ukraine-Krieg könnte weltweit Hungersnöte und Revolten auslösen

Der Krieg in der ukrainischen Kornkammer treibt die Preise hoch. Hungeraufstände in armen Ländern sind eine reale Gefahr.

Die Ukraine gilt als Kornkammer Europas, wenn nicht der Welt. Zehn Prozent des weltweit gehandelten Weizens und 15 Prozent vom Mais stammen aus dem umkämpften Land. Doch seit Russland in die Ukraine eingefallen ist, gibt es kaum noch Exporte aus der Ukraine.

Ein wichtiger Grund seien die blockierten Häfen, sagt Wilfried Bommert vom Institut für Welternährung in Berlin: «Der grösste Teil geht über den Seeweg und der wird gerade dichtgemacht. Selbst da, wo noch grosse Lagerbestände bestehen wie beim Mais, geht nichts mehr. Die Ukraine ist als Exportland kaltgestellt.»

Selbst dort, wo noch grosse Lagerbestände bestehen wie beim Mais, geht nichts mehr.
Autor: Wilfried Bommert Institut für Welternährung, Berlin

Die Sorge vor Engpässen hat die Preise an den Agrarmärkten bereits auf Rekordstände getrieben. An der Börse in Chicago, einem wichtigen Handelsplatz für Agrarrohstoffe, schoss der Weizenpreis zuletzt auf ein 14-Jahres-Hoch.

Allein in der vergangenen Woche stieg er um 40 Prozent. Dabei schwingt schon die Sorge mit, dass auch Russland wegen der Sanktionen des Westens bald deutlich weniger Weizen liefern könnte. Zusammen stehen Ukraine und Russland für ein Viertel der globalen Weizenexporte.

Auch andere Lebensmittel betroffen

Steigende Getreidepreise heizen auch die Teuerung bei den übrigen Lebensmitteln an.  Schon vor dem russischen Einmarsch war das globale Preisniveau hoch, auch als Folge von Lieferengpässen in der Covid-Krise. Im Februar lag der Lebensmittelpreisindex der UNO-Ernährungsorganisation FAO fast ein Viertel höher als ein Jahr zuvor. Der Trend wird durch den Ukraine-Krieg noch verstärkt.

Auch unter der optimistischen Annahme, dass der Krieg schnell beendet und die Schwarzmeerhäfen schnell wieder in Betrieb genommen würden: Es sei unwahrscheinlich, dass die Lieferungen aus der Ukraine bald wieder das Vorkriegsniveau erreichten, sagt Wilfried Bommert: «Wir wissen nicht, wie die Aussaat in der Ukraine in diesem Jahr stattfinden wird und die Landwirte unter Kriegsbedingungen aussähen sollen.»

Wir wissen nicht, wie die Aussaat in der Ukraine in diesem Jahr stattfinden wird und die Landwirte unter Kriegsbedingungen aussähen sollen.
Autor: Wilfried Bommert Institut für Welternährung, Berlin

Dünger und steigende Gaspreise

Und selbst wenn das geht, wird schon jetzt befürchtet, dass nicht genug Dünger vorhanden ist. Denn Stickstoffdünger wird aus Erdgas gewonnen, der Gaspreis ist als Folge des Krieges kräftig gestiegen und hat auch Dünger deutlich verteuert.

Unwahrscheinlich sei auch, dass die ausbleibenden Lieferungen aus der Ukraine auf die Schnelle durch andere grosse Agrarproduzenten wie etwa Argentinien kompensiert werden, so Bommert. Denn in Südamerika gingen die Ernten gerade eher zurück, bedingt durch klimabedignte Dürren.

Das Getreide-Angebot dürfte also für eine ganze Weile knapp bleiben – und die Preise entsprechend hoch. Besonders für arme Länder wie Ägypten oder Tunesien, die einen grossen Teil ihres Getreides aus der Ukraine und Russland importieren, könnte das dramatische Folgen haben.

Beispiel: Ägypten

In Ägypten zum Beispiel ist der Brotpreis schon jetzt hochsubventioniert. Der Brotpreis ist ein politischer Preis, der den Staatshaushalt belastet. Weil die Getreidepreise aber schon vor dem Ukraine-Krieg stark gestiegen waren, kündigte die Regierung steigende Brotpreise an – zum ersten Mal seit Jahrzehnten.

Damit riskiere die Regierung eine Revolte, befürchtet Bommert und erinnert an die zahlreichen Hunger-Aufstände in der ganzen Welt ab 2008. Diese Sorge teilen das UNO-Welternährungsprogramm und die UNO-Ernährungsorganisation FAO. So könnte der Krieg in der Ukraine dazu führen, dass auch Nordafrika weiter destabilisiert wird.

Echo der Zeit, 08.03.2022, 18:00 Uhr

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221 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, vielen Dank für die angeregte Diskussion zu möglichen Folgen des Ukraine-Kriegs. Wir wünschen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Die Notwendigkeit von Weltreformen einsehen. Der Westen (Europa und Amerika) haben eine halbintakte Demokratie, das sind sie den eher diktatorischem Staaten voraus. Wenn man aber Stimmrechte und Geldverteilung ansieht dann besteht ein unglaubliche Schieflage. Die Ukraine ist wohl ein Stellvertreter Krieg. Nahrung/Recourcen, Währungen/Stimmrechte und Energie müsste längst neu ausgehandelt werden. Kommt Bretten Wood wieder erst nach dem Weltkrieg, diese Frage stelle ich seit langem.
  • Kommentar von Maria Müller  (Mmueller)
    Die jahrelange CH-Politik der "offenen Grenzen".
    Immer mehr Leute in der CH wohnhaft und somit müssen massenhaft LEBENSMITTEL IMPORTIERT werden.
    (Weil die paar wenigen CH-Ackerflächen eh schon restlos am Anschlag sind und zudem noch immer weiter zubetoniert werden! Um Wohnraum u.ae. zu schaffen für ebendiese Zuwanderung.)

    Ein totaler Verhältnisblödsinn.
    Und zudem hat es den (s. unangenehmen) Nebeneffekt, dass Importe immer auch mit einem "Unsicherheitsfaktor" behaftet sind.
    Siehe Bericht
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Schön, aber mir erscheint es ziemlich irrelevant wo der zusätzliche Esser genau ist, nämlich innerhalb oder ausserhalb unserer Landesgrenzen! Unbesehen dessen muss er sich nämlich ernähren können!
    2. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      Es macht natürlich einen s. grossen Unterschied, ob das Essen tausende von Km "herangekarrt" werden muss, oder ob es (einigermassen) lokal produziert wurde. (Das kann man nicht stockstur 1:1 umsetzen, aber es sollte doch grosso modo deutlich in diese Richtung, sprich (mehr) Autarkie, gehen.)

      Sowohl energietechn. als auch ernährungsmässig. Ich bin alles andere als eine SVP-Verfechterin, aber bei gewissen Sachen enthält die SVP-Linie halt eben doch ein Körnchen Wahrheit.
      Hier ist so ein Fall.
    3. Antwort von Sam Brenner  (Sam Brenner)
      MM: nun, mit einem Netto Selbstversorgungsgrad von knapp 50% wird es wohl nicht reichen, alle „bösen“ Ausländer rauszuwerfen um Selbstversorger zu werden. Würden Sie sich als Eingeborene denn freiwillig opfern, für eine Nahrungsmittelunabhängige, freie CH?
    4. Antwort von Sam Brenner  (Sam Brenner)
      MM: Mit einem Netto Selbstversorgungsgrad von knapp 50% wird es wohl nicht reichen, alle Ausländer rauszuwerfen um Selbstversorger zu werden. Da müssten auch ein paar Eingeborene über die Klinge springen. Irgendwelche Freiwillige?
    5. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      @SB

      Dann lesen Sie doch noch einmal mein Posting.
      Insbesondere den Satz in der Klammer. (Das mit dem "1zu1" und so.)

      Und ansonsten: Einfach nochmals lesen :-)
    6. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Ohne offene Grenzen hätte die Wirtschaft einfach die Kontingente bekommen, nach denen sie verlangt. Dafür hätten die Bürgerlichen schon gesorgt. Der Haupttreiber ist das Wirtschaftswachstum. Eine Stelle wird zuerst geschaffen und dann besetzt, nicht umgekehrt.

      Als die Schweiz sich noch selbst versorgt hat… das hat sie nie. Junge Männer verdingten sich als Söldner irgendwo im Ausland, um ein Auskommen zu finden. Die Schweiz war das Armenhaus Europas. Sie ist keine „Kornkammer“.
    7. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Mit der Stossrichtung, die Wirtschaft weniger global zu gestalten, bin ich allerdings einverstanden. Sarah Wagenknecht hat dazu ein gutes Buch geschrieben.
    8. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      @F. Kleffel:

      Bitte genau bleiben.
      Ich habe nie gesagt, die CH könne (oder hätte) sich jemals vollständig eigenversorgt. (Wie ich schrieb: Das kann man nie stur 1 zu 1 umsetzen.)

      Aber es sollte wieder mehr in diese Richtung gehen. Momentan sind wir viel zu abhängig von Importen. Egal ob bei Energie oder eben Esswaren.
      Und dazu sollte man die Zuwanderung ein Stück weit retour drosseln.
      Auch um "Zubetonierungen" zu reduzieren (!)