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«FuckUp-Night» Scheitern gehört mit zum Erfolg

Die Jungunternehmer-Szene in der Schweiz ist selbstbewusst und unerschrocken. Fast ein bisschen wie im Silicon Valley.

Legende: Video «Fuckup Nights» – wo das Scheitern zelebriert wird abspielen. Laufzeit 4:02 Minuten.
Aus 10vor10 vom 01.05.2018.

Zürich-Oerlikon, Montagabend: Mehrere hundert junge Leute treffen sich zur sogenannten FuckUp-Night. An der Veranstaltung erzählen Geschäftsmänner und -frauen ihre Geschichten. Das Publikum hört aufmerksam zu und lernt. Solche Anlässe gibt es mittlerweile viele in der Schweiz – und sie ziehen Jungunternehmer an.

Diese Freiheit will ich mir nicht nehmen lassen.
Autor: Ein Jungunternehmer

Die einen tauchen in kurzen Hosen, T-Shirt und Baseball-Kappe auf, die anderen in Lackschuhen und im Anzug. Was treibt sie an? «Die Freiheit zu haben, seine Ideen und Konzepte in die Welt zu setzen – das will ich mir nicht nehmen lassen», sagt Ralph.

Seine Geschäftsidee allerdings will er nicht verraten. Man spürt es an diesem Abend in Oerlikon: Angst vor dem Scheitern hat hier niemand. Scheitern gehöre zum Leben – und wer scheitert, steht auf und macht weiter. So lautet das Credo.

Leute sitzen in einem Saal.
Legende: Gespannt lauschen die Zuhörer und -hörerinnen den Ausführungen der Jungunternehmer auf der Bühne. srf/Andi Lüscher

Scheitern ist schon fast Pflicht

Die Jungunternehmer heissen Igor, Elvira, Mohammed oder Caroline. Sie bieten Lösungen für Informatik-Probleme an, wollen mit einer App mehr Transparenz in den Nachhaltigkeits-Dschungel bringen oder schreiben ganz klassisch Kinderbücher. Gemein ist ihnen, dass sie sich vom Sillicon-Valley-Fieber haben anstecken lassen.

Dort, in Kalifornien, gilt das Scheitern fast schon als Pflicht. Nur wer mindestens ein Start-up-Unternehmen versenkt hat, trägt den wahren Unternehmergeist in sich, heisst es dort.

Auch in der Schweiz verbreite sich diese Haltung vor allem unter jungen Leuten immer stärker. «Bei den Jungunternehmern ist ein extremes Umdenken im Gang», sagt einer von ihnen. «Man versucht mit neuen Ideen schneller auf dem Markt zu gehen», sagt ein anderer.

Einfach eine Firma gründen

Über die Rahmenbedingungen in der Schweiz gehen die Meinungen allerdings auseinander. Die einen finden, es sei einfach, qualifziertes Personal und Geldgeber zu finden. Einfach sei es auch, ein Unternehmen zu gründen.

Man versucht jetzt auch in der Schweiz mit neuen Ideen schneller auf dem Markt zu gehen.
Autor: Ein Jungunternehmer

Andere jedoch sind überzeugt, dass sich noch einiges ändern müsse: «In London eine GmbH oder eine AG zu gründen ist viel günstiger», sagt einer der Jungunternehmer. Zudem sei es für ETH-Absolventen aus dem Ausland ein Problem, nach dem Studium eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten – falls sie nicht bereits eine Firma in der Schweiz gegründet haben oder umgehend eine Anstellung finden.

Schweiz kann durchaus mithalten

Allzu schlecht scheint das Umfeld in der Schweiz für Start-ups allerdings nicht zu sein: Ein Bericht des Bundesrates aus dem Jahr 2013 kommt zum Schluss, dass hierzulande im internationalen Vergleich mit die besten Rahmenbedingungen für Jungunternehmer vorherrschten. Entsprechend viele Start-ups pro Kopf gibt es in der Schweiz.

Und: Die Chance, die ersten sieben Jahre zu überstehen, liegt für Jungunternehmen in der Schweiz statistisch gesehen bei 60 Prozent. Auch das ein Spitzenwert im internationalen Vergleich.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Was ich Euch Jungs&Mädels wünsche, dass das Wort im Titel nicht das einzig Widerständige bleibt. Macht Euch schlau, studiert genau die Geschichte des Arbeitsrechts, der Industrialisierung und natürlich was aktuell abgeht in der Unterwanderung, Aushöhlung, im Schlechtmachen der Kollektiven Rechte der Arbeitnehmerschaft. Denn ansonsten seid Ihr etwa soweit, wie Eure Ururgrossväter im 19. Jh. mit der Verlagsarbeit. also macht Euch schlau: Einstiegslektüre Claude Didry, L'Institution du Travail.
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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    2001 sagte ein dänischer PR Berater im KKL Luzern unter grossem Applaus der Anwesenden„Die Zukunft der Wirtschaft gehört dem Fucking and Shopping“. Jetzt ist „Fuck“ im Zusammenhang mit Arbeit also schlagzeilenfähig. Was der PR Berater meinte ist nicht, was die Zuhörer dachten: Weil die Menschen immer intensiver um ihre Arbeitsplätze kämpfen müssen, werden sie sich freiwillig zur Schau stellen um am Arbeitsmarkt zu bestehen. Prostitution kommt von Prostiture und meint „sich zur Schau stellen.“
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  • Kommentar von Bruno Muller (onurb)
    Das f word ist im der Englischen Umgangssprache unterste Schublade und wird nur von entsprechenden Leuten angewendet. Erstaunlich, dass dieses in der Schweiz für einen Event benutz wird.
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    1. Antwort von Connie Müller (Connie-Elizabeth)
      Nein. Im englischsprachigen kommt das f word in jedem zweiten satz vor. Man muss halt mal in die USA gehen und sich mit den jungen unterhalten.
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