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Bund und Kantone: Geldsegen von der SNB
Aus Rendez-vous vom 02.03.2020.
abspielen. Laufzeit 03:39 Minuten.
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Geldregen der Nationalbank Das Taktieren der Währungshüter

Es gibt zahlreiche Ideen, was die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit ihrem Geld tun könnte: Einige möchten einen Staatsfonds gründen, andere möchten Geld direkt in die Altersvorsorge stecken, und wieder andere möchten damit allfällige Folgen des Corona-Virus in der Wirtschaft abfedern.

Solche Ideen gibt es jetzt erst recht, wo die SNB im letzten Jahr 49 Milliarden Franken Gewinn gemacht hat. Das weckt Begehrlichkeiten.

(Un-)erwünschte Politdebatte – je nach Blickwinkel

Das Ganze ist eine Debatte, aus der sich die SNB am liebsten fernhalten würde. Sie möchte möglichst unabhängig agieren und sich auf die Geldpolitik konzentrieren. Sie kämpft gegen einen zu starken Franken. Ob dabei ihr Devisenberg wächst oder schrumpft, und ob Ende Jahr ein Gewinn oder ein Verlust resultiert, ist für die SNB zweitrangig. Zu Recht.

Genau deshalb ist die Ausschüttung von allfälligen SNB-Gewinnen nicht an einen Zweck gebunden: Die SNB überweist vielmehr einen Anteil des Gewinns pauschal an die öffentliche Hand: Ein Drittel geht an den Bund, zwei Drittel an die Kantone. Wie die dann den finanziellen Zustupf verwenden, ist ihnen überlassen. So will sich die SNB möglichst aus politischen Verteilkämpfen heraushalten.

Taktieren der Währungshüter

Wenn die SNB nun anbietet, vorübergehend die Überweisungen an Bund und Kantone auf bis zu 4 Milliarden zu verdoppeln, tut sie das grundsätzlich freiwillig. Aber es ist kaum von der Hand zu weisen, dass sie damit Forderungen drosseln will. Die SNB taktiert.

Ob die Rechnung aufgeht, ist aus mehreren Gründen fraglich: So ist die Zusatzausschüttung zeitlich auf zwei Jahre begrenzt. Das Angebot, die Zahlung von bisher 1 bis 2 Milliarden auf 3 bis 4 Milliarden zu verdoppeln, ist für die SNB kein grosser Schritt. Zudem ist mit dem Coronavirus eine ungemütliche Unbekannte hinzugekommen: Sollte das Virus beispielsweise den Tourismusregionen der Schweiz zusetzen, wird rasch der Ruf nach finanzieller Unterstützung laut. Und da locken halt noch immer zig Milliarden in den Reservetöpfen der SNB.

Eveline Kobler

Eveline Kobler

Wirtschaftsredaktorin, SRF

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Eveline Kobler ist seit 2007 bei Radio SRF und leitet seit Dezember 2016 die Wirtschaftsredaktion von Radio SRF.

Sendebezug: SRF 4 News, 08:00 Uhr

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    „Diese Gewinne sollten der breiten Bevölkerung zugutekommen. Eine Möglichkeit wäre, die Gewinne in Form ausländischer Wertpapiere in den AHV- oder in einen anderen staatlichen Reservefonds fliessen zu lassen. Die Bildung oder Aufstockung von Reservefonds lässt sich auch deshalb rechtfertigen, weil die Liquiditätsschöpfung und die Negativzinsen zu einer nicht zu rechtfertigenden Vermögens- und Einkommensumverteilung geführt haben.“ (Prof. K. Schiltknecht in Weltwoche 49/2019)
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  • Kommentar von Yvonne Abt  (YvonnedieDreizehnte)
    Die Weltwirtschaft schlittert zurzeit geradeaus in eine Rezession. In China herrscht praktisch Stillstand und das nicht erst seit Corona.
    Es ist nur logisch, dass die SNB abwartet und taktiert.
    Schon seit längerem wird spekuliert, dass das Fed die Zinsen auf Null senken muss.
    Im letzten halben Jahr wurde auf dem weltgrössten ETF S&P500 immer mal wieder an guten Tagen riesige Kontrakte verkauft. Die Hausse wurde seit letztem Sommer 2019 nur noch von immer wenigeren Aktien getrieben.
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  • Kommentar von Beat Leutwyler  (Beat Leutwyler)
    Mein Vorschlag, der die agressive Geldpolitik der SNB wieder gut aussehen lässt:

    Man bezahlt allen natürlichen Personen die in der Schweiz Steuern bezahlen und ein Sparkonto besitzen, einen positiven Zins in der Höhe des Inflationsziels - also etwas unter 2%. 1 Person 1 Konto bis CHF 100'000.-
    Name: SNB-Value, no risk but fun

    PS: Die Geldpolitik der SNB ist viel agressiver als z.B. jene der EZB.
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