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Geschäft mit Adipositas Kampf um die Kilos geht in die nächste Runde

Seit dem beispiellosen Aufstieg der Firma Novo Nordisk forschen dutzende Firmen an einem Abnehmmedikament – darunter auch Roche. Ein Überblick über Produkte, Unternehmen und Markt.

Tabletten statt Spritzen: In den USA sind nach den Spritzen bereits zwei unterschiedliche Abnehm-Tabletten auf dem Markt (Wegovy Pill, Novo Nordisk, Foundayo, Eli Lilly). Die Hersteller haben für die Tabletten auch in der Schweiz Zulassungen beantragt, es gibt aber noch keinen Entscheid. Experten rechnen frühestens 2027 damit. Mit den Tabletten hoffen die Firmen auf weitere Kundschaft. Zielgruppe sind diejenigen, die bisher vor den Medikamenten zurückgeschreckt sind, weil man sie spritzen muss. Die Tabletten haben aus Patientensicht aber auch Nachteile: Sie müssen täglich genommen werden, statt wie eine Spritze wöchentlich. Zudem muss die Pille von Novo Nordisk nüchtern eingenommen werden, was als Nachteil empfunden werden kann.

Erbrechen als No-Go: Mit den bisherigen GLP-1-Wirkstoffen nehmen Patienten gemäss Zulassungsstudien in rund eineinhalb Jahren 15 bis 21 Prozent ihres Gewichts ab. In der Praxis schwanken die Werte. Es gibt Personen, die fast kein Gewicht verlieren, andere mehr. Bei den künftigen Medikamenten geht es aber nicht nur um die Gewichtsreduktion, sondern auch um weniger Nebenwirkungen. Im Vordergrund stehen Durchfall und Erbrechen. Sie gelten als grösste Hindernisse. Viele Patientinnen und Patienten nehmen diese Nebenwirkungen nicht in Kauf. Die nächste Generation Abnehmmedikamente zielt darum auf bessere Verträglichkeit.

Die Rivalen Novo Nordisk und Eli Lilly

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Die dänische Firma Novo Nordisk ist die Erfinderin der Abnehmspritze und hat den Markt lange dominiert. Der Aufstieg des Unternehmens ist einzigartig in der jüngsten Geschichte der Pharmaindustrie. Es ist eine Geschichte um Macht, dem Hunger nach Erfolg und Rivalitäten. Inzwischen hat das US-Unternehmen Eli Lilly den Pionier eingeholt und jagt dem Konkurrenten Marktanteile ab. Die Rivalität der beiden Firmen ist indes nicht neu. Beide sind im Insulin-Geschäft gross geworden.

Roche will vorne mitspielen: Roche hat noch kein fertiges Abnehmmedikament auf dem Markt. Aber die Ausgangslage ist gut, denn das Unternehmen hat Firmen respektive Kooperationen gekauft, mit denen die Forschung im Bereich Adipositas vorankommen könnte. Roche kaufte Ende 2023 für rund drei Milliarden das US-Biotech-Unternehmen Carmot Therapeutics. Zudem hat Roche mit der Pharmafirma Zealand einen Lizenz- und Kooperationsvertrag von bis zu 5.4 Milliarden Dollar ausgehandelt. Mit einem weiteren Zukauf eines Unternehmens mit dem Namen 89bio sicherte sich Roche den Zugang zu einem vielversprechenden Wirkstoff gegen Fettlebererkrankungen. Ob sich die Milliarden-Investitionen lohnen, ist offen. Alle Produkte sind noch in klinischen Phasen.

Neue Wirkstoffe, neue Einsatzgebiete

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Die bisherigen Abnehmspritzen und -Tabletten enthalten die Wirkstoffe Semaglutid (Handelsname Wegovy von Novo Nordisk) und Tirzepatid (Handelsname Mounjaro, von Eli Lilly). Das sind Wirkstoffe, die die natürlichen Hormone GLP1 respektive GIP nachahmen. GLP 1 ist ein Darmhormon, dass über diverse Wirkungsweisen das Hunger- und Sättigungsgefühl beeinflusst. Roche forscht – durch die Partnerschaft mit Zealand – zudem an Nachahmungen des Hormons Amylin (Petrelintide). Das ist ein Bauspeicheldrüsen-Hormon. Ziel ist ein Medikament, mit dem man sich schneller satt fühlt. Patientinnen und Patienten würden also weniger essen, dennoch aber Appetit verspüren. «Ein solches Abnehmprodukt soll verträglicher sein als herkömmliche Produkte», sagt Pharma-Experte Stefan Schneider.

Zudem erforschen die Hersteller auch Kombinationen der Wirkstoffe und ganz neue Einsatzgebiete. «Die Patienten reagieren alle anders», so Roche-Chef Thomas Schinecker. «Man muss darum genau schauen, welche Medikamente für welche Patienten gut funktionieren. Der Markt wird sich stark segementieren», sagt er.

Die Abnehm-Medikamente wirken dämpfend auf das Belohnungssystem des Gehirns. Darum wird basierend auf den aktuellen Erkenntnissen nach Medikamenten geforscht, die das Suchtverhalten beeinflussen können. So könnten die Medikamente Alkoholkranken helfen und anderen Süchtigen (Nikotin, Glücksspiel etc.). Allenfalls könnten die Veränderungen auch nachhaltig sein. «So dass die Menschen die Medikamente nicht ein Leben lang nehmen müssen», so Roche-Chef Thomas Schinecker.

Lohnen sich Roches Investitionen? Selbst wenn Roche der Markteinstieg gelingt, wird das Unternehmen sich den Markt mit vielen anderen teilen müssen. Die beiden Hersteller Eli Lilly und Novo Nordisk werden gemäss den Einschätzungen von Pharma-Analyst Stefan Schneider der Bank Vontobel Marktführer bleiben. «Alle anderen Firmen werden sich ungefähr ein Viertel des Gesamtmarktes teilen», sagt er. Schärfer wird die Konkurrenz auch durch Generika-Hersteller. In Kanada und Brasilien ist der Patentschutz für den GLP1-Wirkstoff bereits abgelaufen. Kritisch wird es für die Hersteller, wenn die Patente Anfang der 2030er Jahre in den grossen Märkten USA und Europa ablaufen.

Eine Person misst den Bauchumfang einer anderen Person mit einem Massband.
Legende: Abnehmmedikamente gibt es nur auf Rezept. Zudem müssen Patientinnen und Patienten ihre Ernährung umstellen und sich regelmässig bewegen. KEYSTONE/DPA/Jan Woitas

Wachsende Konkurrenz: Der Markt ist mit mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatzpotenzial gross, denn Übergewicht ist eine Volkskrankheit. In den USA sind bereits mehr als 40 Prozent der Erwachsenen schwerstübergewichtig (Bodymass-Index [BMI] über 30). In der Schweiz sind es 12 Prozent. Stefan Schneider sagt: «Es gibt derzeit unzählige Firmen, die Hunderte von klinischen Studien durchführen. Die Anziehungskraft ist gross.» Er rechnet damit, dass bereits in zwei Jahren 24 verschiedene Abnehmprodukte auf dem Markt sein werden.

Was wird das kosten?

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In der Schweiz wird die Abnehmspritze von den Krankenkassen vergütet, sofern gewisse Kriterien erfüllt sind. Experten schätzen, dass die Kosten sich bis in einigen Jahren auf 300 Millionen Franken belaufen. Die Annahme basiert auf aktuellen Preisen und der Einschätzung, dass zwei Prozent der Erwachsenen ein Abnehmmedikament beansprucht.

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Echo der Zeit, 23.07.2026, 18:00

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