GLP-1-Therapien gelten als medizinischer Durchbruch bei starkem Übergewicht. Sie senken nicht nur das Gewicht, sondern verbessern auch Blutzucker, Blutdruck und Blutfette. Eine neue Meta-Analyse zeigt nun aber: Nach dem Absetzen kommt es häufig zu einer erneuten und raschen Gewichtszunahme und zur Verschlechterung der Herz-Kreislauf-Risikofaktoren.
Was bedeutet das konkret – für Betroffene, Fachpersonen und die Gesundheitspolitik?
Was passiert, wenn man GLP-1-Medikamente absetzt?
Viele Menschen nehmen wieder zu. Eine neue Meta-Analyse im British Medical Journal, die Daten aus 37 bestehenden Studien mit über 9300 Teilnehmenden zusammenfasst, zeigt: Im Durchschnitt steigt das Gewicht um rund 0,4 Kilogramm pro Monat. Das bedeutet, dass mit dieser Rate in vielen Fällen nach etwa eineinhalb Jahren wieder das frühere Gewicht erreicht würde. Gleichzeitig verschlechtern sich die Werte von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten wieder – also genau die Faktoren, die sich unter der Therapie zuvor gebessert hatten.
Warum kommt es nach dem Absetzen überhaupt zur Gewichtszunahme?
GLP-1-Therapien greifen stark in Appetitregulation und Stoffwechsel ein. Sie reduzieren Hunger und Portionsgrössen und senken zugleich den Grundumsatz.
Wird die Therapie beendet, fällt die appetithemmende Wirkung weg, während der Energieverbrauch noch tief bleibt. Der Körper speichert darum überschüssige Kalorien besonders effizient. Die erneute Gewichtszunahme ist biologisch erklärbar – und kein Zeichen mangelnder Disziplin.
Warum tritt dieser Effekt oft schneller ein als nach klassischen Diäten?
Unter GLP-1-Therapien verläuft der Gewichtsverlust meist schnell und deutlich. Genau das unterscheidet sie von klassischen Abnehmprogrammen, bei denen das Gewicht langsamer sinkt. Der Körper hat dort mehr Zeit, sich metabolisch anzupassen. Nach dem Absetzen einer medikamentösen Therapie fehlt die Anpassungsphase häufig – weshalb Gewicht und Risikofaktoren schneller wieder ansteigen können.
Warum beenden Menschen die Behandlung trotzdem?
Nebenwirkungen sind laut klinischer Erfahrung selten der Hauptgrund. Häufig wird die Therapie beendet, wenn sie zu wenig Wirkung zeigt – oder weil sie nicht mehr bezahlt wird. In der Schweiz ist die Kostenübernahme für GLP-1-Therapien in der Regel auf drei Jahre begrenzt.
Wer die Behandlung danach fortführen möchte, muss die Medikamente meist selbst finanzieren. Für Selbstzahler liegen die Preise pro Monat je nach Präparat aber deutlich über einer normalen Therapie – wir sprechen hier von einem Preis zwischen 300 und 500 Franken pro Monat. Das ist Abhängig von der Dosierung, dem konkreten Medikament und der Apotheke.
Was bedeutet das für den Umgang mit Adipositas insgesamt?
Die Analyse unterstreicht, dass Adipositas keine kurzfristige Erscheinung ist, sondern eine chronische Erkrankung – vergleichbar mit Arthrose oder Osteoporose. Internationale Fachgesellschaften und auch die WHO betonen zunehmend die Notwendigkeit langfristiger Behandlungsstrategien. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie medizinischer Nutzen, Langzeitwirkung und Kosten fair gegeneinander abgewogen werden können.
Fachpersonen raten, eine GLP-1-Therapie nicht isoliert zu betrachten. Entscheidend sind eine begleitende Ernährungsberatung, Bewegung und eine medizinische Verlaufskontrolle – auch nach einem möglichen Therapieende. Wer eine Behandlung beginnt, sollte früh klären, wie lange sie geplant ist und welche Optionen es danach gibt.