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Clariant: Whistleblowing deckt Buchungstrickserei auf
Aus Rendez-vous vom 27.04.2022.
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Hinweise von Whistleblowern Ungereimtheiten in Buchhaltung: Clariant-Finanzchef muss gehen

«Es gibt Probleme in der Buchhaltung», meldete der Chemiekonzern Clariant im Februar. Man sei von Whistleblowern auf zweifelhafte Buchungen hingewiesen worden. Externe Experten sind den Vorwürfen nachgegangen. Nun zieht Clariant die Konsequenzen.

Wie Clariant in diesem Fall vorgegangen ist, zeigt beispielhaft, wie Whistleblowing korrekt funktioniert: Über eine externe Whistleblower-Hotline konnten die beiden Informanten auf die Ungereimtheiten in der Buchhaltung aufmerksam machen. Der Konzern hat diese Hinweise ernst genommen, ist auf der höchsten Management-Ebene aktiv geworden und zieht heute die Konsequenzen. Neben dem Finanzchef müssen einige weitere Mitarbeiter gehen, sagt die Konzernleitung heute.

Frau neben Clariant-Schild in einem Innenraum
Legende: Stephan Lynen trete zum 1. Juli zurück, teilte das Unternehmen aus Muttenz bei Basel am Mittwoch mit. Zum neuen CFO sei Bill Collins ernannt worden. Reuters

So weit, so klar. Was unklar ist, ist, wer genau den Fall eigentlich ins Rollen gebracht hat und was mit den Whistleblowern passiert ist. Das ist nicht bekannt. Und das ist wohl auch gut so, denn schaut man auf bekannte Whistleblower-Fälle der Schweiz zurück, zeigt sich: Informantinnen und Informanten standen schnell selbst im Fokus und hatten unter harten Konsequenzen wie Jobverlust und Diskreditierung zu leiden.

Kein neues Gesetz in der Schweiz

Um sie zu schützen, debattierte das Parlament jahrelang über ein Whistleblower-Gesetz für die Schweiz. Darüber, wie der Whistleblower-Schutz aussehen sollte, ist man sich in den Räten aber nicht einig geworden. Der Gesetzesvorschlag scheiterte Anfang 2020 definitiv.

Und doch bewegte sich einiges – auf kantonaler Ebene und bei den grossen Konzernen, dort auch zwangsläufig. Seit Ende des letzten Jahres gibt es in der EU ein entsprechendes Gesetz, das Whistleblower besser schützen soll. Daran müssen sich auch Schweizer Firmen halten, die über 250 Angestellte in der EU haben. Das Ziel ist auch hier: Whistleblower sollen auf Ungereimtheiten aufmerksam machen können, ohne dass sie um den Job fürchten müssen, so wie es bei Clariant gelang.

Kein Aufschluss über Hintergründe

Zum Schutz der Informanten oder Informantinnen gibt der Chemiekonzern nicht bekannt, ob diese noch bei Clariant arbeiten. Der Fokus liegt somit auf den Ungereimtheiten in der Buchhaltung, und nicht auf den Whistleblowern, was nicht unbedingt angenehm ist für die Firma.

So konnte Clariant auch nach dem Abschluss der Untersuchungen der externen Experten nicht erklären, wie es zu den faulen Buchungen gekommen ist und was der Auslöser, die Motivation dahinter war.

Rendez-vous, 27.04.2022, 12:30 Uhr

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