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Für KMU sind die Fälschungen zunehmend ein Problem
Aus Rendez-vous vom 15.01.2019.
abspielen. Laufzeit 02:37 Minuten.
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Immer mehr Kopisten am Werk Fälschungs-Boom macht Schweizer KMU Sorgen

Längst werden nicht mehr bloss Luxusprodukte gefälscht. Doch dagegen vorzugehen ist schwierig.

Fälscher machen zunehmend Geschäfte ausserhalb der Marken- und Luxusbranche: Bekannt ist etwa ein Fall, in dem Stahlklingen kopiert wurden, die in teure «Swiss Made»-Maschinen eingebaut wurden. Der Fälscher war ein Zulieferer.

Zwar würden immer noch viele Luxusprodukte gefälscht, sagt Piotr Stryszowski. Er ist Spezialist für Piraterieprodukte bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD in Paris.

Doch zunehmend seien von billigen Kopien auch Babyprodukte, Spielwaren, Medikamente, Ersatzteile oder IT-Produkte betroffen. «Überall dort, wo mit einem Markenprodukt ein höherer Preis erzielt werden kann, wird gefälscht», sagt er.

Kopien sind auch gefährlich

Gefälschte Produkte verletzten nicht nur geistiges Eigentum, sondern können – etwa im Fall von gefälschten Ersatzteilen in Maschinen – schwerwiegende Folgen haben, wie Jürg Bertogg von der Zurich-Versicherung betont. «Sie können Menschen verletzen oder Maschinen beschädigen und sehr hohe Kosten verursachen.»

Wie gross die Schäden durch gefälschte Produkte sind, lässt sich nur schwer erfassen. Systematische Zahlen gibt es keine. Die OECD schätzt, dass 2013 weltweit Waren im Wert von fast 500 Milliarden Dollar illegal kopiert wurden. Das sind 2,5 Prozent der damaligen weltweiten Wirtschaftsleistung.

Seither hat sich das Problem weiter verschärft, von Jahr zu Jahr werden immer mehr Produkte gefälscht. Das stellen sowohl die Zurich-Versicherung als auch die OECD fest.

Globale Fertigung ermöglicht Fälschungen

Das hat unter anderem mit den globalen Zulieferketten zu tun. Das kommt den Fälschern entgegen. Eine einzige Schwachstelle in der gesamten Herstellungskette reiche den Fälschern, um billige Kopien als Originalteile einzuschleusen, beobachtet Stryszowski.

Zwar versuchen grössere internationale Unternehmen, solche Einfallstore für Fälscher zu verhindern. Doch längst werden dabei noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. «Man muss die Zulieferer und die Zulieferer der Zulieferer kennen», sagt Versicherungsmann Bertogg. Das ist für kleinere Schweizer Unternehmen im Alltag allerdings oft schwierig.

Als Möglichkeit bleiben Prävention sowie technische Vorkehrungen. Dazu gehören etwa Qualitätstests oder Siegel. Allerdings bieten selbst solche Massnahmen keinen vollständigen Schutz.

Am meisten fälschen die Chinesen

Kommt hinzu: Der grösste Teil der Fälschungen stammt aus China. Dort gegen die Hintermänner vorzugehen, ist für geschädigte Unternehmen praktisch unmöglich – oder mindestens extrem teuer. Zudem arbeiten auch die Fälscher professionell, wie Stryszowski weiss.

Man wisse nicht sehr viel über die Fälscher, stellt er fest. «Aber klar ist, dass sie sehr gut organisiert und global tätig sind.» Sie würden die Zollbestimmungen und die Nachfrage von einschlägigen Produkten ganz genau kennen. «Damit wissen sie, wo und wie das Geld zu holen ist.»

Die Fälscher haben relativ leichtes Spiel, weil es schwierig ist, sie über Landesgrenzen hinweg zu bekämpfen. Auch im Fall der eingangs erwähnten Stahlklingen sind sie am Ende unbehelligt geblieben.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
    Das Problem in der globalen Welt ist, das viele KMU ihre Patente und Markenrechte gar nicht global registrieren. Damit ist es nicht einmal illegal in einem anderen Land die gleiche Marke zu 'kreieren'. Rechtlich ist die Kopie somit nicht verboten. Dennoch bleibt die grosse Gefahr von minderwertiger Qualitaet. Wichtig sind gute Absatzkanaele, mit Registriernummern die der Kunde online pruefen kann, um zu checken ob er ein echtes Produkt gekauft hat.
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    1. Antwort von Alfons Bauer  (frustriert)
      Wenn ich das richtig in Erinnerung habe: Wer in den den USA etwas zum Copyright anmeldet, geniesst weltweiten Schutz. In der Schweiz kann man das Urheberrecht nur gerade für unser Land beantragen, um es im Rest der Welt gültig zu machen, braucht's noch eine extra Beantragung. Warum haben wir solche unfaire Unterschiede auf der Welt?
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  • Kommentar von M. Kaiser  (Klarsicht)
    Ja mit den Weltmeistern im Fälschen -den Chinesen , macht der BR Handelsverträge damit die noch mehr bei uns ausspionieren und nachmachen können . So wird die Schweizer Qualität sehr schlecht kopiert zur Chinesischen - und der Westen kauft ihnen diesen Schrott dann noch ab . Das Migros verkauft on Mass Chinaproduckte - Pfannen die NULL Wert besitzen aber den halben Preis der Schweizer - Pfanne haben. Das geht einfach nicht gut - was haben denn der BR dabei gedacht ? 500 CH Firmenschliessungen.
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  • Kommentar von Charles Dupond  (Egalite)
    Der Sinn oder Unsinn, zu knappe staatliche Ressourcen fuer den Schutz von Konzernen statt Konsumenten einzusetzen, sei mal dahingestellt. Konsumenten zum Eigengebrauch eingefuehrte Einzelstuecke abzunehmen und den Verfahrensrattenschwanz abzuspulen ist jedoch nicht nur eine ueberfluessige Schickane mehr, sondern verschleudert Dienstzeit, die mit der Fahndung nach fuer Buerger gefaehrliche Waren besser verwendet waere….
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