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Novartis vorsichtig wegen Corona
Aus Rendez-vous vom 26.01.2021.
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Jahreszahlen 2020 Novartis gibt sich wegen Pandemie zurückhaltend

  • Mit 48.7 Milliarden US-Dollar liegt der Umsatz 2020 um 3 Prozent über dem Vorjahr.
  • Zu konstanten Wechselkursen stiegen die Verkäufe ebenfalls um 3 Prozent, teilt Novartis mit.
  • Auf Gewinnseite hat Novartis 2020 operativ 10.2 Milliarden US-Dollar (+12 Prozent) verdient.
  • Unter dem Strich blieb ein Konzerngewinn von 8.1 Milliarden übrig (+13 Prozent).

Der Pharmakonzern Novartis hat die Covid-19-Pandemie letztes Jahr zu spüren bekommen. Vor allem die zweite Coronawelle mit den verschiedenen Massnahmen hat die Ziele von Novartis durchkreuzt. Die Rückkehr zur Normalität hat nicht so stattgefunden, wie sie das Management zunächst erwartet hatte. Entsprechend sind die Zahlen durchwachsen ausgefallen.

«Innovative Medicines» als Zugpferd

Die grössere Pharmasparte, die «Innovative Medicines», hat 2020 ihre Erlöse um 3 Prozent gesteigert. Verantwortlich hierfür waren das Herzmittel Entresto und das Schuppenflechte-Präparat Cosentyx. Weniger gut lief es mit dem Absatz der neuartigen Gentherapie Zolgensma. Hier habe Novartis die Umsatzerwartungen klar verfehlt, sind sich die Analysten einig.

Die Therapie wird zur Behandlung von Kindern mit der Erbkrankheit spinale Muskelatrophie eingesetzt. Noch deutlicher zu schaffen machte die Covid-19-Pandemie der Generika-Sparte Sandoz (Umsatz -1 Prozent), wie Novartis schreibt. Sie habe den Therapiezugang der Patienten eingeschränkt.

CEO Vas Narasimhan
Legende: Vas Narasimhan, seit 1. Februar 2018 CEO von Novartis, rechnet weiterhin mit der Verschiebung von Arztbesuchen, Operationen und Therapien aufgrund der Corona-Massnahmen. Das schlägt auf den Umsatz. Keystone

Auf der Gewinnseite hat Novartis im abgelaufenen Geschäftsjahr operativ 10.2 Milliarden US-Dollar (+12 Prozent) verdient, während unter dem Strich ein Konzerngewinn von 8.1 Milliarden übrig blieb (+13 Prozent). Hier habe sich das höhere operative Ergebnis positiv bemerkbar gemacht, heisst es.

Für Analystinnen und Analysten ist allerdings der um verschiedene Einflüsse bereinigte Kern-Betriebsgewinn wichtiger. Dieser nahm mit 9 Prozent leicht weniger zu als die Experten laut AWP-Konsens erhofft hatten.

Zaghafter Blick nach vorne

Der Ausblick ist vorsichtig. So rechnet der Pharmakonzern mit Sitz in Basel damit, 2021 auf Konzernebene zu konstanten Wechselkursen ein Umsatzplus im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich zu erreichen.

Analyse von SRF-Wirtschaftsredaktorin Lucia Theiler

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Der Pharmakonzern Novartis schreibt trotz Corona Gewinne und legt beim Umsatz zu. Allerdings ging die Pandemie nicht spurlos am Konzern vorbei: Ärztinnen und Ärzte haben wegen der Pandemie Behandlungen hinausgeschoben oder unterbrochen, was sich in den Geschäftsfeldern der Haut- und Augenheilkunde bemerkbar machte.

Zudem lagen vor allem im Frühling während des Shutdowns Forschungen, die an Patientinnen und Patienten in Spitälern durchgeführt werden müssen, brach. Normalität ist dank ersten Impfstoffen zwar in Sicht, aber es wird ein Weg der kleinen Schritte. Der Novartis-Chef Vas Narasimhan gibt sich für das laufende Jahr denn auch vorsichtig. Mit einer Normalisierung rechnet Novartis frühestens im dritten Quartal.

Das wären gute Nachrichten – vor allem für die Patientinnen und Patienten, die auf die Durchführung von neuen Therapien längst bekannter Krankheiten hoffen. Denn derzeit im Schatten der Pandemie stehen die zahlreichen neuen Entwicklungen – etwa gegen Krebs – die Novartis trotz erschwerten Bedingungen vorangetrieben hat.

Den operativen Kerngewinn will das Unternehmen im mittleren einstelligen Prozentbereich erhöhen. «Die Covid-19-Pandemie wird auch in der ersten Jahreshälfte 2021 bestimmte Therapiebereiche sowie das Patientenverhalten beeinflussen», begründet CEO Vas Narasimhan im Gespräch mit Journalistinnen und Journalisten die vorsichtige Haltung.

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Novartis forscht an Medikamenten gegen Coronavirus
Aus Tagesschau vom 26.01.2021.
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Die Aktionäre will Novartis mit einer auf 3 Franken erhöhten Dividende für 2020 entschädigen. Im Vorjahr lag die Dividende noch bei 2.95 Franken. Der CEO hält die Auszahlung für adäquat, wie er gegenüber den Medien erklärte. Darüber hinaus plant der Konzern bis 2024 eigene Aktien im Volumen von bis zu 10 Milliarden Franken zurückzukaufen.

Novartis-Campus in Basel
Legende: Von Novartis wird kein Impfstoff gegen das Coronavirus kommen, denn der Konzern hat sein Impfgeschäft bereits vor Jahren verkauft. Das ist typisch: Grosse Pharmakonzerne haben sich in den vergangenen Jahren spezialisiert. Das Impfgeschäft liegt seither in den Händen von wenigen grossen Konzernen. Keystone

SRF 4 News, 26.01.21, 08:00 Uhr;

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    NUR ein Gewinn von 8 Milliarden. Die arme Novartis. Ich bin geschockt. Müsste man nicht den Konzern und seine BesitzerInnen entschädigen für diese unhaltbare Situation? Die Aufopferung dieses Konzerns ist vorbildlich. Jetzt müssen sie sogar soweit gehen, ihre eingenen Aktien zu kaufen. Ganz traurig. Da verstehen wir es natürlich, wenn die Armen die Preise für ihre Medis hochschrauben & wir den Aufschlag via höhere KK Prämien berappen müssen. In harten Zeiten muss man Solidarität zeigen.
    1. Antwort von Marc Herzer  (mahe)
      Research and development; 2020: – 8 980 2019: – 9 402 2018:– 8 489
      Andere sind vielleicht froh, dass Unternehmen wie Novartis existieren, welche seltene Krankheiten erforschen. Oder wollen Sie 9 Milliarden pro Jahr für Forschung ausgeben? Oder verstaatlichen? Wäre doch eine super Idee...
      Wenn man immer und überall den Teufel finden will, dann findet man ihn auch.
      Btw: Eigene Aktien zurückkaufen macht so ziemlich jedes grössere Unternehmen
    2. Antwort von Martin Keller  (Martin98765)
      Das Problem sind die Aktionäre, die mit diesem Gewinn nicht zufrieden sind und Druck machen!
      Und Gewinn kann in Innovation investiert werden, Novartis hat ein präklinisches Programme für COVID-19 und zukünftige Coronaviren, sowie eine Antikörpertherapie die bald in die Klinik kommt.
      Novartis hat übrigens die für Covid-19 benötigten Generika ihrer Sandozsparte in Ländern mit niederigen und mittleren Einkommen zum Selbstkostenpreis abgegeben (dh kein Gewinn).
    3. Antwort von Werner Gürr  (FrMu)
      Herr Herzer, auch mit meinen Null Kenntnissen von Buchhaltung weiss ich, dass der Einsatz in R&D NICHT unter Gewinn verbucht wird. Der Gewinn ist das, was übrig bleibt NACH allen Ausgaben inklusive R&D. Ich hätte nichts dagegen, wenn die Bude die 8 Mia in R&D investieren würde oder an die CH Bev. verschenken würde (1000CHF für jede Person in der Schweiz). Oder damit Spitäler in Afrika finanzieren würde. Wogegen ich was habe ist, dass wenige fat cats die Kohle einsacken.
  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Ich lese die Schlagzeile 'Bei Novartis hinterlässt die Pandemie Spuren' und denke: Ups! Novartis verdient offenbar wegen Corona weniger. Dann lese ich den Artikel und sehe: Umsatz plus 3 %, Konzerngewinn plus 13 %. Also frage ich mich, wie denn die Schlagzeile vor dem Hintergrund von Umsatz- und Gewinnzahlen zustande kommt. Ehrlicher und nicht irreführend wäre doch die Überschrift 'Novartis legt auch in Zeiten von Corona bei Umsatz und Gewinn zu'. Aber das wäre wohl nicht im Sinne von Novartis.
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Peter Müller
      Guten Tag Herr Müller. Vielen Dank für Ihren Input, welchen wir nachvollziehen können. Wir haben den Titel entsprechend angepasst. Freundliche Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Alain Rothenbühler  (pls)
    Bitte hören wir auf 12% Gewinn als verfahren zu bezeichnen. Wirklich dieser Wachstumswahn ist völlig falsch. Eigentlich braucht ein Unternehmen kein Gewinn, geschweige denn einen immer grösseren
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Sehe das auch so, und bin der Ansicht, dass der Umwandlungssatz auf den PK Geldern aufgrund des fehlenden Wachstums und der Unternehmen ohne Gewinn massiv gesenkt werden muss. Wenn wir keinen Gewinn mehr wollen, müssen wir zuerst bei uns selber anfangen und die unangenehmen Konsequenzen nicht ausblenden! Den Fünfer und's Weggli gibt's eben nicht! In dem Sinne also eine Senkung des Umwandlungssatzes auf etwa 4% - einverstanden?