Zum Inhalt springen

Wirtschaft Julie Fitzgerald: Töchter, Teilzeit, Topjob

Mit der Gleichberechtigung in den Schweizer Teppichetagen geht es langsam voran. Für manche zu langsam. Top-Managerin Julie Fitzgerald und ihr Elite-Netzwerk «WATT» planen die weibliche Eroberung der Schweizer Chefbüros.

Frau telefonierend, von unten gefilmt.
Legende: Oben angekommen: Julia Fitzgerald ist Mitglied der Geschäftsleitung des Wirtschaftsprüfers Pricewaterhouse Coopers. SRF

Sie jonglieren mit Millionen, reisen rund um die Welt, haben Tausende von Angestellte – und Kinder. Solche Lebenskurven sind bei Frauen in der Schweiz immer noch selten.

Kinder zu haben heisst häufig Teilzeit arbeiten – und mit Teilzeit kommt man landläufig nicht sehr weit. Das gilt nicht für Julie Fitzgerald. Sie hat Töchter, Teilzeit und einen Topjob. Als knapp 30-Jährige hat sich die Ingeneurin bereits zur Partnerin beim weltgrössten Wirtschaftsprüfer PWC hoch gearbeitet. Aber erst nach vier Geburten und Auszeiten kommt der grosse Aufstieg: Sie erklimmt mit 46 Jahren die Schweizer Geschäftsleitung und ist ab sofort mitverantwortlich für 2700 Angestellte.

Mittwochs ist Julie Fitzgerald aber nach wie vor keine Top-Managerin, sondern Mutter. Und bändigt jeweils eine Kinderschar im Alter von 12, 10, 8 und 6 Jahren. Für Julie Fitzgerald – selbst jüngstes Mädchen einer sechsköpfigen Familie – ist klar, was im Leben an erster Stelle steht: «Meine Kinder sind das Allerwichtigste und Grösste. Ich bin sehr gern mit ihnen zusammen. Es ist die beste Aufgabe der Welt.» Einen «Rabenmutter-Komplex» kennt Julie Fitzgerald nicht.

Legende: Video Julie Fitzgerald über die Frauenquote abspielen. Laufzeit 00:19 Minuten.
Aus ECO vom 20.04.2015.

Freiwilliges Umdenken gescheitert

Aufgewachsen ist Julie Fitzgerald im Südwesten Englands, in einer Männer-Welt, auf den Baustellen ihres Vaters, der sie immer angespornt hat. Männerlastig ist ihre Welt noch immer. Denn Chefinnen sind in der Welt der grossen Zahlen besonders rar. Julie Fitzgerald gehört in der Schweizer Finanzbranche zu den nur gerade sechs Prozent Frauen an den Schalthebeln der Macht. Das ist ihr nach 30 Jahren Frauenförderung zu wenig. Was sei nicht alles unternommen worden: Diversity-Programme, Mentoring, Konzernkrippen und Netzwerke. Das sei viel Aufwand, aber wenig Ertrag. So ist das freiwillige Umdenken der Gesellschaft für Julie Fitzgerald gescheitert.

Deshalb sind für die Chefin, die sich ohne Quote hoch gekämpft hat, nun auch unpopuläre Mittel recht: «Was hat sich denn in den letzten Jahren bewegt in der Schweiz? Sehr wenig. Deswegen ist für mich die Frauen-Quote mittlerweile die Lösung. Ansonsten ist die Bewegung schlicht viel zu langsam.» Die ehemalige Quoten-Gegnerin kämpft nicht zuletzt für ihre drei Töchter: «Ich will, dass es für meine Töchter und andere Frauen in Zukunft einfacher wird. Deswegen setze ich mich ein. Ich will Frauen helfen, sich weiter zu entwickeln. Ich bin nicht eine Frau, die sagt: Jede soll kämpfen müssen, wie ich das musste.»

Mutter der Managerinnen von Morgen

Jüngste Studien rechnen aus, dass der Weg zur Gleichstellung noch lang ist. «Bis die Kontrollgremien der Konzerne gleichwertig von Frauen und Männern besetzt sind, soll es rein rechnerisch noch 56 Jahre dauern», bemerkt Julie Fitzgerald. Sie hat keine Zeit, so lange zu warten. Und das Argument der fehlenden qualifizierten Frauen lässt sie nicht gelten.

Sie hat vor einem Jahr selber das Netzwerk «WATT» gegründet. Es steht für «Women at The Top». In diesem Elite-Netzwerk haben sich 20 der einflussreichsten Managerinnen der Schweiz zusammengeschlossen. Im Gegensatz zu anderen Frauen-Netzwerken unterstützen auch Konzerne ihr Netzwerk aktiv. Bereits 40 Grossfirmen hat sie auf ihrer Seite. Mit «WATT» will sie nichts Geringeres erreichen als die weibliche Eroberung der Schweizer Chefbüros.

«Women At The Top»

«WATT» ist Teil des Firmennetzwerks «Advance – Women in Swiss Business», das sich in der Schweiz für mehr Frauen im Management einsetzt. Das Netzwerk führt Events, Workshops, Mentor-Programme und Beratungen durch. Das Ziel lautet: bis 2020 den Frauenanteil in Führungspositionen auf 20 Prozent zu erhöhen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von P.Meier, Zürich
    Nicht jeder Mann, der Karriere machen möchte, wird auch CEO oder gar Verwaltungsrat! Also wird auch nicht jede Frau automatisch CEO, nur weil sie gerade Lust darauf hat. Jeder CEO (egal welches Geschlecht) hat unzählige unbezahlte Überstunden geleistet und verzichtet auf ein Privatleben zugunsten seiner Karriere. Frauen sind weniger oft bereit diese Opfer zu bringen als Männer. Wer z.b. Partner bei einer Anwaltskanzlei werden will, der kann nicht Teilzeit arbeiten und Pünktlich Feierabend machen
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Raphael Zahnd, Basel
    Vielleicht ist der Weg zur Gleichstellung noch ewig lange. Es könnte daran liegen, dass die Frau nicht so dumm wie Mann ist und weiss, dass Karriere nicht alles ist.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von HP. Dietrich, Gümligen
    Bla bla bla.... Frau Fitzegerald. Für mich sind die Kinder das Allerwichtigste und Grösste und habe mal EINEN Tag in der Woche Zeit für sie. Nicht schlecht oder.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen