Zum Inhalt springen

Header

Video
Ehemaliger Julius Bär-Chef Collardi im Visier der Justiz
Aus 10vor10 vom 16.07.2020.
abspielen
Inhalt

Julius Bär im Zwielicht Boris Collardi und der 100-Millionen-Schaden

Geldvermehren auf Teufel komm raus: Die Devise des Ex-Banken-Chefs – bis die Finanzmarktaufsicht einschritt.

Es war ein freudiger Moment, als Boris Collardi im August 2017 die Halbjahres-Zahlen präsentierte. Allein das verwaltete Vermögen nahm um 6 Prozent auf 355 Milliarden Franken zu. Ein Rekord. Ein Ergebnis ganz nach dem Gusto des Bankchefs, der von Beginn weg bei der Zürcher Privatbank auf rasantes Wachstum setzte: «Wir haben in unserer 127-jährigen Geschichte noch nie so viel Geld verdient – es läuft extrem gut», freute er sich.

Geldwäscherei-Falle schnappte zu

Weniger nach Geschmack des erfolgsverwöhnten Bankers dürfte hingegen die Tatsache gewesen sein, dass zur gleichen Zeit Mitarbeiter der Finanzmarktaufsicht Finma x-tausende E-Mails und Kundendossiers durchforsteten. Heute ist klar: Julius Bär verwaltete in den Collardi-Jahren Kundengelder in Millionenhöhe von Firmen, die mutmasslich in Geldwäscherei- und Korruptionsfälle verwickelt waren – so vom venezolanischen Ölkonzern Petróleos de Venezuela oder der Fifa. Die Schätzungen belaufen sich auf umgerechnet mehrere 100 Millionen Franken.

Die Finma hat hierfür deutliche Worte. Sie spricht von schweren systemischen Mängeln im Geldwäscherei-Dispositiv und Risikomanagement. Julius Bär habe zudem die Aufarbeitung verzögert, personelle Konsequenzen mit zweijähriger Verspätung umgesetzt, und Fragen der Aufsichtsbehörde unvollständig beantwortet, was eine Verletzung der Auskunftspflicht darstelle, schreibt die Finma in ihrer Stellungnahme.

Schaden von über 100 Millionen Franken für die Bank

Die vergangenen Jahre hat Julius Bär alle ihre Kundendossiers neu dokumentiert. Der Aufwand kostete über 100 Millionen Franken, wie Julius Bär erstmals gegenüber SRF News bestätigt. Das Projekt wurde 2016 unter Boris Collardi lanciert, zeitgleich als die Finma bei der Privatbank erstmals vorstellig wurde.

Die Aufarbeitung der Ära Collardi geht für Julius Bär weiter. Die Finma hat bereits ein neues Aufsichtsverfahren gegen die Bank eingeleitet, welches wiederum Collardis Ära betrifft.

«Erhebliches strafrechtliches Risiko»

Boris Collardi selber steht neu im Visier der Justiz: Die Zürcher Staatsanwaltschaft klärt ab, ob sie gegen ihn ein Strafverfahren eröffnet. Für Wirtschaftsstrafrechts-Expertin Monika Roth ist klar: «Wenn die Strafverfolgung zum Resultat kommt, dass der Schaden, welche die Bank erlitten hat, kausal auf sein Unterlassen oder sein aktives Tun zurückzuführen ist, hat er ein erhebliches strafrechtliches Risiko.»

Weder Boris Collardi noch sein Anwalt wollten auf Anfrage zum gegenwärtigen Zeitpunkt Stellung nehmen.

10vor10, 16.07.2020, 21.50 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

14 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Boni („variable Lohnbestandteile“) sind zu verbieten. Sie ziehen die falschen Charaktere an, bis hin zu Spitzenpositionen. Bei den Banken ist es seit Jahren offensichtlich. Mittlerweile häufen sich sogar im Gesundheitswesen die Skandale.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Ich bin nicht ganz Ihrer Meinung Herr Kkeffel, dass Boni und variable Lohnbestandteile abgeschafft werden sollen. Die Werte müssen aber total anders gesetzt werden. Es darf nie einen Bonus der nur nach Umsatz oder Umsatzsteigerung und nur auf eine Person bezogen geben. Bis zu meiner Pensionierung arbeitete ich im Range eines Prokuristen in einem grösseren KMU. Die Zielvorgaben waren immer in drei Teile aufgeteilt. 1/3 persönliche, 1/3 Abteilung, 1/3 ganze Firma. So kann man nicht egoistisch sein
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Lukas Schmid  (Traugott)
    Toll !
    3 Jahre nach der Tat geht man gegen den CEO vor.
    Damit hatte er genug Zeit um belastendes Material bei Seite zu schaffen.
    Der Bund und die Kantone müssen entlich die Abteilungen für die Wirtschaftskriminalität in den Staats- und Bundesanwaltschaft verdoppeln.
    Dann können solche Fälle auch speditiv Abgewickelt werden.
    Für die Sozialdetektive werden ja auch Millionen ausgegeben ohne das entwas rein kommt.
    Steuerdetektive JETZT !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kurt Flury  (Simplizissimus)
    Wenn die Aussicht auf den eigenen Bonus völlig enthemmt und man dafür sogar bereit ist den eigenen Arbeitgeber an die Wand zu fahren. Nicht wissen zählt nicht, genau so wenig wie die Geschichte vom Einzeltäter, der illegale Gelder entgegen genommen hat.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen