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Bittere Schokolade
Aus Rendez-vous vom 23.12.2020.
abspielen. Laufzeit 04:22 Minuten.
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Kakaoplantagen in Westafrika In Schokolade steckt immer noch viel Kinderarbeit

Nach wie vor kommt es bei Anbau und bei Ernte der Kakaobohnen verbreitet zu Kinderarbeit – trotz Einigung der Konzerne.

Kakao ohne Kinderarbeit, das sei nach wie vor das Ziel, bekräftigt Antoine de Saint-Affrique, Chef von Barry Callebaut, dem grössten Schokoladeproduzenten der Welt, mit Sitz in der Schweiz.

Die führenden Kakaoverarbeiter der Welt hatten sich 2001, also vor knapp 20 Jahren, dazu verpflichtet, Kinderarbeit zu eliminieren. Allerdings: Die Ergebnisse einer wenige Wochen alten Studie der Universität von Chicago sind ernüchternd. Die Kakao-Anbaugebiete von Ghana und der Elfenbeinküste liefern rund zwei Drittel des weltweit verarbeiteten Kakao.

Armut der Bauern als Begründung

In den Jahren 2018 und 2019 waren dort 1.56 Millionen Kinder zwischen 5 und 17 Jahren von Kinderarbeit betroffen – Kindersklaven nicht mitgerechnet. Ein Faktor für die Kinderarbeit sei die Armut der Bauern, erklärt Antoine de Saint-Affrique. Die ganze Familie müsse mitarbeiten, um über die Runden zu kommen. Ein anderer Faktor sei der schwierige Zugang zu Bildung.

Es gebe zu wenig gute Schulen oder die Kinder bräuchten Geburtsurkunden, um in die Sekundarstufe zu wechseln. Und die fehlten. Auch sei es in gewissen Ländern üblich, dass Kinder mitarbeiteten, so wie bei uns in früheren Jahren.

Die Universität Chicago bestätigt in der Studie, dass bessere Infrastrukturen und Ausbildung die Kinderarbeit reduzierten. Trotzdem hat Barry Callebaut im vergangenen Jahr in seinen Lieferketten an die 23'000 Fälle von Kinderarbeit registriert. Das sind fast fünfmal mehr Fälle als im Jahr davor.

Versuch und Irrtum bei Bekämpfung

Antoine de Saint-Affrique erklärt sich das so: Zum einen würden strengere Massstäbe bei der Definition von Kinderarbeit angewandt. Zum anderen seien sie im engeren Kontakt mit Produzenten und könnten so die Fälle schneller erkennen und nach Lösungen suchen. Es brauche einen langen Atem, sagt er.

Einige Ansätze funktionierten, mit anderen würden sie scheitern. Das Ziel bleibe aber, den Bauern ein zusätzliches Einkommen zu ermöglichen, etwa mit weiteren Produkten, die sie anbauen können. Auch zahle man den Zuschlag von 400 Dollar pro Tonne Kakao, den die Elfenbeinküste und Ghana für ihre Bauern verlangten, sagt de Saint-Affrique.

Antoine de Saint-Affrique
Legende: Antoine de Saint-Affrique, CEO von Barry Callebaut, möchte seine Schokolade bis 2025 frei von Kinderarbeit machen. Keystone

Der Barry-Callebaut-Chef will seine Schokolade bis 2025 frei von Kinderarbeit machen. Auf Etappenziele will er sich aber nicht festlegen lassen. Man denke nicht in Prozentsätzen pro Jahr.

Es sei ein Lernen und Umsetzen und da komme man unterschiedlich schnell voran. Nichtregierungsorganisationen fordern seit Jahren mit Blick auf die eineinhalb Millionen Kinder, die allein in der Elfenbeinküste und Ghana auf den Kakao-Plantagen arbeiten, dass es schnell nachhaltige Lösungen brauche.

Rendez-vous, 23.12.2020, 12:30 Uhr

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Vielleicht möchte die Schweiz damit aufhören, die Situationen in anderen Regionen der Welt, in dortigen souveränen Staaten argwöhnisch zu verurteilen. Es gibt (zu!) viele arme Kinder in der Schweiz und solange die vielen internen Missstände nicht behoben sind, einfach bitte vor der eigenen Türe kehren. Zehntausende Schweizer müssen ihr Land im Alter verlassen, weil sie mit der AHV nicht überleben könnten, wie ich auch. 40 Beitragsjahre und 1'318.- AHV, PK musste ich vorher aufbrauchen. Danke !
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  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    Das einzige was diese „Einigung der Konzerne“ klar und schnell hervor gebracht hat, ist eine massive Preiserhöhung! Die Gewinnoptimierungskreativität kennt keine Grenzen.
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  • Kommentar von Samuel Suter  (Urser)
    War ja klar das der Sitz in der Schweiz ist. Es ist so peinlich :(
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