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Kantonalbanken schwärmen aus Chancen und Risiken des «Fremdgehens»

Eigentlich sind Kantonalbanken für ihre Kantone da. Doch sie halten sich längst nicht mehr an die Kantonsgrenzen.

Legende: Audio Grenzenloses Geschäften birgt Risiken abspielen. Laufzeit 03:14 Minuten.
03:14 min, aus Rendez-vous vom 08.02.2019.

Das Internet macht's möglich: Kantonalbanken können viel einfacher als früher Kunden ausserhalb des eigenen Kantons bedienen. Das Geschäft mit solchen ausserkantonalen Tätigkeiten hat in den letzten Jahren zugenommen, beobachtet Bankenexperte Christoph Lengwiler von der Hochschule Luzern.

Erleichtert werde dies durch die Digitalisierung: «So können sie etwa im Hypothekargeschäft relativ einfach versuchen, an gute Geschäfte ausserhalb des eigenen Kantons zu kommen», sagt Lengwiler.

Es findet eine gewisse Risikostreuung statt, wenn man nicht voll auf den Markt im eigenen Kanton angewiesen ist.
Autor: Christoph LengwilerBankenexperte Hochschule Luzern

«Hypomat» nennt etwa die Glarner Kantonalbank ihr Online-Angebot. Die Hypotheken sind durch die Automatisierung etwas günstiger als bei einem Berater in der Filiale. Das zieht offenbar. Im Hypothekengeschäft konnte die Glarner Kantonalbank nämlich zulegen, ein Drittel des Wachstums geht auf das neue Online-Angebot zurück.

Dabei profitiert die Bank sogar doppelt, sagt Lengwiler, der übrigens selbst im Verwaltungsrat der Berner Kantonalbank sitzt: «Die Kantonalbanken versuchen, ihre Erträge zu diversifizieren. Neben den höheren Erträgen findet auch eine gewisse Risikostreuung statt, wenn man nicht voll auf den Markt im eigenen Kanton angewiesen ist.»

ZKB nimmt die Konkurrenz gelassen

Kantonalbanken halten sich also aus guten Gründen nicht an Kantonsgrenzen. Die Konkurrenz aus den eigenen Reihen nehmen die Banken sportlich, wie Martin Scholl sagt, der die grösste, nämlich die Zürcher Kantonalbank leitet: «Wenn man im attraktivsten Wirtschaftsraum der Schweiz tätig ist, muss man damit rechnen, dass davon auch andere profitieren wollen. Wir nehmen das mit der nötigen Gelassenheit.»

Auch die Zürcher Kantonalbank hat Kunden in anderen Kantonen. So schön die Expansion der Kantonalbanken in andere Gebiete tönt: Risiken gibt es immer und für diese haftet der Kanton. Dies, weil die meisten Kantonalbanken über Staatsgarantien verfügen.

Die Kleinen sollten vorsichtig sein

Bankenprofessor Peter V. Kunz mahnt in diesem Zusammenhang vor allem die kleineren der 21 Kantonalbanken, die eine Staatsgarantie haben: «Generell sollten kleinere Kantonalbanken umso vorsichtiger sein. Gerade bei neuen Tätigkeitsbereichen wie E-Plattformen, mit denen erhebliche Risiken verbunden sein können.»

Die Glarner Kantonalbank zum Beispiel ist gemäss eigenen Angaben darum sogar restriktiver bei Hypotheken, die sie online vergibt. Klar ist: Es braucht wachsame Augen, denn vor Fehlern sind die Kantonalbanken alleine wegen ihrer Staatsgarantie nicht gefeit.

Das zeigt die Vergangenheit. Zum Beispiel die Basler Kantonalbank hat sich vor ein paar Jahren in Zürich teuren Ärger eingehandelt: Sie agierte im Betrugsfall der Fricktaler Vermögensverwalterin ASE von Zürich aus als Hausbank. Dabei handelte es sich aber um ein Schneeballsystem, bei dem hunderte Kunden um ihr Geld geprellt wurden.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Zeit, eine einmalige Krisenabgabe für alle Vermögen von über einer Million von 20% in einen Krisenfonds zu fordern - eine von mehreren Vorkehrungen für zukünftige Finanz-, Hypothekarkrisen und sonstigen Dervatskrisen, um als Staat weiterhin für die Seinen sorgen zu können... und nein, das sind nicht die Banken, noch Versicherungen, noch die Finanzgambler, sondern Menschen, gewöhnliche Menschen. Für einige dieser Herren Banker, scheint 2008 schon im Mittelalter zu liegen ....
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  • Kommentar von Bruno Bär (Bo Katzman)
    Der Kanton sollte immer Hauptaktionär sein >50%, so hat er auch vom Gewinn etwas, wenn er schon eine Staatsgarantie leistet. Der Gewinn kommt so auch indirekt der Bevölkerung zu gut.
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  • Kommentar von Hans Ochsner (Hans Ochsner)
    Das Risiko trägt der Steuerzahler. Da gibts nur eines: Zu 100% privatisieren! Den Privatisierungserlös zurück an die Kantone zur Schuldentilgung.
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