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Wie verlässlich sind die Klima-Ziele der Grosskonzerne?
Aus Echo der Zeit vom 07.02.2022.
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Klimapläne von Grosskonzernen Netto-Null-Ziel von Novartis und Nestlé wirft Fragen auf

Ehrgeizige Klimaversprechen gehören zum guten Ton, auch in der Schweiz. Eine Studie kritisiert nun, diese Versprechen seien nicht allzu verlässlich – sehr zum Unmut der kritisierten Firmen wie etwa Nestlé und Novartis.

Netto Null bis 2050, CO₂-neutral bis 2030: Mit einem Klimaziel lässt sich heute Werbung machen. Diese täusche aber leider oft, meint Frederic Hans, Klimapolitik-Analyst bei der unabhängigen Denkfabrik New Climate Institute in Köln. Er und sein Team haben die Ziele von 25 grossen Unternehmen weltweit untersucht, die sich selbst ambitioniert geben.

Das Fazit lautet: «Dass diese Ziele tatsächlich nur 40 Prozent der Emissionen reduzieren, die die Unternehmen momentan ausstossen, und nicht 100 Prozent, wie eigentlich diese Ziele implizieren können.»

Was ist bei Nestlé wirklich die Emissionsreduktion und wie viel davon soll kompensiert werden?
Autor: Frederic Hans New Climate Institute

Auch zwei Schweizer Grosskonzerne hat das Institut unter die Lupe genommen. Beide machen gemäss dem Bericht Klimaversprechen von «geringer Integrität». Konkret heisst das im Fall von Nestlé, so Hans: «Wir als unabhängige Analysten, die öffentlich zugängliche Informationen analysieren, können momentan nicht sagen: Wie viel Emissionen möchte Nestlé bis 2050 wirklich reduzieren? Was ist da wirklich die Emissionsreduktion und wie viel davon soll kompensiert werden?»

Zu wenig Transparenz

Kurz gesagt: Nestlé verspricht bis 2050 klimaneutral zu sein, macht aber zu wenig transparent, wie das geschehen soll. Der Pharmakonzern Novartis will schon bis 2030 CO₂-neutral werden, dies aber vor allem durch Kompensation, und nicht durch Reduktion von CO₂-Emissionen.

Die Unternehmen widersprechen auf Anfrage von SRF energisch. Nicole Zinsli-Somm, die sich bei Novartis Investor Relations mit Umweltthemen befasst, betont: «Wenn wir nicht nachhaltig wirtschaften, könnten unsere Bemühungen, Menschen zu einem besseren und längeren Leben zu verhelfen, durch unsere Umweltbelastungen beeinträchtigt werden.»

Wir mussten feststellen, dass der Bericht auf Missverständnissen beruht und manches schlichtweg falsch ist.
Autor: Antonia Wanner Nachhaltigkeitsverantwortliche bei Nestlé

Novartis sei mit der Einschätzung der Studie zur Leistung und zur Integrität der Berichterstattung nicht einverstanden. Die Klimastrategie des Konzerns sei im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen.

Auch Antonia Wanner, bei Nestlé verantwortlich für Nachhaltigkeit, widerspricht der Studie. «Wir haben gegenüber dem New Climate Institute die Zahlen und Methodik hinter unserem Netto-Null-Plan erläutert, und wir mussten nun feststellen, dass der Bericht des Instituts auf Missverständnissen beruht und manches schlichtweg falsch ist.»

Maersk in Auswahl am besten

Der Wert der Klimaversprechen von Novartis, Nestlé und anderen Grosskonzernen ist also umstritten. Das Institut hält zwar an seinen Befunden fest. Es schliesst aber nicht aus, dass diese schon in einem Jahr anders ausfallen können, wenn die Unternehmen mehr Klarheit schaffen, so wie das gewisse Mitbewerber bereits heute tun.

Am besten in der nicht repräsentativen Auswahl von global tätigen Unternehmen schliesst übrigens der dänische Logistikriese Maersk ab.

Das beinhaltet das Pariser Klimaabkommen

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  • Das Übereinkommen von Paris von 2015 hat zum Ziel, die durchschnittliche globale Erwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen, wobei ein maximaler Temperaturanstieg von 1.5 Grad Celsius angestrebt wird.
  • Ebenfalls Ziel ist eine Ausrichtung von staatlichen und privaten Finanzflüssen auf eine treibhausgasarme Entwicklung sowie eine Verbesserung der Anpassungsfähigkeit an ein verändertes Klima.
  • Das Übereinkommen verpflichtet alle Staaten in rechtlich verbindlicher Weise, auf internationaler Ebene alle fünf Jahre ein national festgelegtes Reduktionsziel einzureichen und zu erläutern. Die Zielerreichung bleibt lediglich politisch verbindlich. Die Umsetzung nationaler Massnahmen sowie die Berichterstattung über die Zielerreichung und deren internationale Überprüfung sind aber rechtlich verbindlich.
  • Das Übereinkommen legt zudem Regeln für die Festlegung der Reduktionsziele fest. Die Reduktionsziele aller Staaten müssen klar und verständlich sein und sollen eine Quantifizierung zulassen. Zudem soll jedes neue Reduktionsziel eines Staates über das vorangehende hinausgehen und jeweils die höchst mögliche Ambition widerspiegeln.
  • Staaten, die bereits ein Reduktionsziel bis 2030 angekündigt haben, können dieses Ziel für den Zeitraum 2025 bis 2030 bestätigen, ohne die Reduktionsleistung erhöhen zu müssen. (Quelle: Bafu)

Echo der Zeit, 07.02.2022, 18:00 Uhr

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