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Der Kampf um den günstigsten Preis
Aus Echo der Zeit vom 08.03.2022.
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«Knebelverträge» mit Hotels Darum stören sich die Hoteliers derart an Buchungsplattformen

Der Nationalrat will Booking und Co. an die Leine nehmen. Diese nutzten ihre Marktmacht aus, klagt die Hotelbranche.

Jonas Gass führt das Hotel Nomad in Basel. Dass er auf der eigenen Website seine Hotelzimmer nicht günstiger anbieten kann als auf Buchungsplattformen, beschäftigt ihn schon lange. «Wir hatten nun zwei Jahre lange andere Sorgen und Probleme. Aber in der Zeit vor Corona war uns das der vielleicht grösste Dorn im Auge.»

Das Problem: Wenn ein Gast ein Hotelzimmer über eine Plattform bucht, muss das Hotel dieser durchschnittlich 20 Prozent Kommission abliefern. Und fast jeder dritte Gast bucht inzwischen auf diese Weise. In jedem fünften Hotel in der Schweiz wird sogar mehr als die Hälfte aller Nächte über Buchungsplattformen gebucht.

Am meisten profitiere dabei Branchenführer Booking.com. Solche Anbieter nutzten ihre grosse Marktmacht aus, sagt Gass. So hätten sie ihm neue Bedingungen einfach schon diktiert. «Es wird in den Raum gestellt: Wir machen es per Datum X so. Wenn ihr dabei seid, gut. Sonst werdet ihr heruntergestuft und seid nicht mehr gut sichtbar.» Das heisst, das Hotel erscheint bei den Suchresultaten weiter unten.

Als Gegenleistung für diese Dienstleistungen halten wir es für fair, dass Hotels auf Booking.com mindestens den gleichen Preis anbieten wie auf ihrer eigenen Webseite.
Autor: Schriftliche Stellungnahme von booking.com

Die Buchungsplattformen können heute den Hotels nicht nur Vorgaben bei den Zimmerpreisen machen. Sie können auch verbieten, dass ein Hotel auf der eigenen Website zum Beispiel bessere Stornierungsbedingungen anbietet. Deshalb wünscht sich Gass, dass nicht nur die sogenannten Preisbindungsklauseln, sondern alle Paritätsklauseln in den Verträgen verboten würden. Diesem Wunsch hat der Nationalrat heute entsprochen.

Nationalrat geht gegen «Knebelverträge» vor

Box aufklappen Box zuklappen

Hotels sollen Zimmer auf der eigenen Website günstiger anbieten dürfen als auf Buchungsplattformen. Der Nationalrat will Preisbindungsklauseln künftig verbieten – und Anbietern wie beispielsweise Booking.com noch engere Grenzen setzen. Die grosse Kammer hat am Dienstag als Erstrat verschiedene Änderungen im Gesetz über den unlauteren Wettbewerb (UWG) gutgeheissen. Der Entscheid fiel mit 109 zu 70 Stimmen bei 13 Enthaltungen.

Geht es nach dem Nationalrat, sollen künftig alle Paritätsklauseln verboten werden, also auch Verfügbarkeits- und Konditionenparitätsklauseln. Die grosse Kammer will damit weiter gehen als der Bundesrat. Die Vorlage geht nun an den Ständerat.

Buchungsplattformen hingegen möchten weiterhin verbieten können, dass Hotels auf der eigenen Website günstigere Konditionen anbieten. Stellvertretend schreibt Booking.com auf Anfrage: Das Unternehmen übersetze die Angebote der Hotels in 44 Sprachen und kümmere sich um den Kundenservice. «Als Gegenleistung für diese Dienstleistungen halten wir es für fair, dass Hotels auf Booking.com mindestens den gleichen Preis anbieten wie auf ihrer eigenen Website.»

Booking will keine «Trittbrettfahrer»

Ausserdem brauche es Paritätsklauseln. Denn sonst könnte ja ein Hotel von den Dienstleistungen von Booking.com profitieren, dann aber Kunden trotzdem mit günstigeren Preisen auf die eigene Website locken. Solches Trittbrettfahren sei unfair. Ums Trittbrettfahren gehe es gar nicht, heisst es dazu beim Branchenverband Hotelleriesuisse.

Denn Buchungsplattformen und Hotels würden unterschiedliche Zielgruppen ansprechen, sagt Thomas Allemann, Mitglied der Geschäftsleitung: Die Branche hofft deshalb, dass Hoteldirektoren und -direktorinnen künftig mehr unternehmerische Freiheit erhalten, wo sie welche Preise anbieten.

Branche hofft auf mehr unternehmerische Freiheit

Die Buchungsplattformen seien primär für die globale Vermarktung des Angebots zuständig – also dort, wo der Hotelier nicht hingelange, sagt Allemann. «Wenn der Gast aber genau weiss, in welches Hotel er gehen will, ist es aber unsinnig, wenn auf dessen Website nicht das beste und günstige Angebot findet, sondern dieses bei Booking buchen muss.»

Die Branche hofft deshalb, dass Hoteldirektoren und -direktorinnen künftig grössere Freiheit erhalten, wo sie welche Preise anbieten. Nach dem Nationalrat ist nun der Ständerat am Zug.

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Nationalrat geht gegen «Knebelverträge» von Buchungsplattformen vor
aus Rendez-vous vom 08.03.2022.
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Echo der Zeit, 08.03.2022, 18 Uhr

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