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Frau Martullo-Blocher, geschäften Sie weiter in umstrittenen Märkten?
Aus Eco Talk vom 04.04.2022.
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Krieg in der Ukraine Warum die Ems-Chemie in Russland bleiben will

Firmen mit Standorten in Russland stehen unter Druck, sich zurückzuziehen. Gleichzeitig haben sie eine Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern vor Ort. Die Ems-Chemie sagt, dass sie deshalb am Russland-Geschäft festhält.

Am 14. März forderte die Konzernchefin von Ems-Chemie, Magdalena Martullo-Blocher, die Mitarbeitenden in einer E-Mail auf, in der Kommunikation von «Ukraine-Konflikt» statt «Krieg» zu sprechen.

Ems-Werke in Russland

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Die Ems-Chemie betreibt in Russland zwei Fabriken mit rund 60 Mitarbeitenden. Es sind Zulieferwerke für internationale Autohersteller, die in Russland produzieren. Zum Umsatz der Gruppe tragen sie nur knapp 1 Prozent bei.

In der breiten Öffentlichkeit sorgte das für Kritik. In Russland tätige Unternehmen stehen momentan unter besonderer Beobachtung. Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé etwa wird wiederholt dazu aufgefordert, sich aus dem Markt zurückzuziehen und soll deshalb sogar Opfer einer Cyber-Attacke geworden sein. Nestlé selbst dementierte den Angriff allerdings.

Für die Ems ist es noch zu früh, zu entscheiden

Was ist also die Strategie der Ems-Chemie? Es sei noch zu früh, um eine definitive Entscheidung zu treffen, meint die Konzernchefin. Momentan sei wichtig, dass die Mitarbeitenden vor Ort ihren Lohn erhielten. «Der Alltag ist schon sehr schwierig in Russland. Es ist klar, dass man in einem Land, in dem es keine Kurzarbeit oder Arbeitslosenversicherung gibt, nicht auch noch Entlassungen machen will», sagt Martullo-Blocher im Eco Talk. Die Bevölkerung in Russland habe keinerlei Einfluss auf Entscheidungen der Führungsriege.

Auch bei den Sprachregelungen geht es laut Martullo-Blocher um den Schutz der Mitarbeitenden vor Ort. Diesen drohten bis zu 15 Jahre Gefängnis, wenn sie das Wort «Krieg» im Zusammenhang mit der Ukraine erwähnen.

Unternehmen sind allen Anspruchsgruppen verpflichtet

Dass ein Rückzug nicht leichtfertig geschehen sollte, dem pflichtet auch die Wirtschaftsethikerin Dorothea Baur bei. Aus ethischer Sicht seien Unternehmen allen Anspruchsgruppen verpflichtet. Dazu gehörten auch die Angestellten in Russland. Gerade, weil diese unter Umständen nichts mit Putin und seinem Umfeld zu tun hätten.

Es herrscht ein Krieg und wenn die Propaganda etwas anderes suggeriert in Russland, dann ist es die Aufgabe der Unternehmen, die noch präsent sind, die Wahrheit ins Spiel zu bringen.
Autor: Dorothea Baur Wirtschaftsethikerin

Trotzdem beurteilt sie die Sprachregelung bei der Ems-Chemie kritisch. Viele Russinnen und Russen könnten inzwischen sehr gut abwägen, welche Worte sie wählen. «Und warum sollte man die Wahrheit vorenthalten? Es herrscht ein Krieg und wenn die Propaganda etwas anderes suggeriert in Russland, dann ist es die Aufgabe der westlichen Unternehmen, die noch präsent sind, die Wahrheit ins Spiel zu bringen.»

Enteignung als rote Linie

Auch wenn Martullo-Blocher am Russland-Geschäft festhalten will, gibt es auch für sie eine rote Linie. Noch einmal über die Bücher müsse man, falls sich die westlichen Abnehmer der Firma aus Russland zurückziehen würden. Und: «Wir würden sicher rausgehen, wenn es Enteignungen gibt.»

Tagesschau, 04.04.2022, 19:30 Uhr

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136 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, vielen Dank für Ihren Beitrag für Ihre Meinung zum Eco Talk und warum die Ems-Chemie in Russland bleiben will. Wir wünschen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Esther Jordi  (ejejej)
    Welche internationalen Autohersteller produzieren noch in Russland? Ohne die macht ja die Aufrechterhaltung der EMS-Werke auch nicht mehr viel Sinn.
    1. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      Vor allem muss niemand denken, dass mit Beerdigung des Krieges alles wieder so sein wird wie vor dem Krieg. Solange das Putin-Regime existiert, wird niemand aus der westlichen Wirtschaft zurückkehren.
    2. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Vergessen Sie es, Herr Kirchhoff. Das westliche Regime ist nun mal auf die Rohstoffe angewiesen, die im grössten Land der Welt schlummern. Der Westen schiesst sich ins eigene Knie, im naiven Glauben, mittels Sanktionen Russland in die Knie zwingen zu können. Wenn Sie der Meinung sind, dass Russland nur auf eine Person, den Präsidenten angewiesen sei, dann irren Sie sich gewaltig. Der Kreml würde genauso handeln wie heute, auch wenn Putin jetzt von einem Blitz aus heiterem Himmel getroffen würde.
    3. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      E. Jordi denke da fragen Sie am besten M. B. selber, was für sie einen Sinn macht. Ob es die Angestellten sind, die anscheinend immerhin noch einen Lohn bekommen, damit sie nicht in die Armutsfalle geraten. Frage: wissen Sie, wie es den Angestellten geht, die von verschiedenen Firmen auf die Strasse gestellt wurden, weil sie sich zurück gezogen haben? Dies ist leider die andere Seite einer Sichtweise. Werden so nicht noch mehr Menschen leiden?
  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Während bald alle Firmen sich von Russland zurückziehen, ohne Rücksicht auf die Folgen für deren Mitarbeitende vor Ort. hat sich Frau Martello entschieden, ihre Filialen in Russland zu behalten. Das finde ich doch einen schönen Zug von ihr, weil sie ihre russischen Angestellten nicht auf die Strasse stellen will. Dafür wird die SVP Politikerin jetzt leider von gewissen Seiten gerügt. Aber irgendwann wird der Krieg vorbei sein und die Firma wird weiter existieren.
    1. Antwort von Werner Vetterli  (KlingWe)
      Ich vermisse das Engagement zu Gunsten der Ukrainer. Soll jetzt der Agressor unterstützt/geschont werden. Da es laut Frau Martullo keinen Krieg geben darf, hat man sich auch nicht mit Arbeitsplätzen in der Ukraine auseinander zu setzen. Wie man sich die Geschäfte doch so richtig einteilen kann. Und alles nur zum Nutzen von, ja das kann/muss man sich schon fragen.