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Krieg in der Ukraine befeuert energiepolitischen Umbruch
Aus Info 3 vom 01.03.2022. Bild: Keystone
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Krieg in der Ukraine Weg von Putins Gas: Wagt Europa die historische Wende?

Der Krieg in der Ukraine zwingt Europa zum Umdenken – und womöglich zu einer «politisch notwendigen Amputation».

Georg Zachmann von der Denkfabrik Bruegel in Brüssel spricht von einer historischen Wende. Falls sich der Krieg in der Ukraine in die Länge ziehe, stehe der europäische Energiesektor vor einem Umbruch, sagt der Experte. «Die engen Energieverflechtungen zwischen Europa und Russland würden dramatisch geschädigt. Europa wird sich innerhalb kurzer Zeit von russischen Gas-, Öl- und Kohlelieferungen entflechten wollen. Das wird eine sehr schwere Amputation werden – aber sie scheint politisch notwendig.»

Offiziell kann Russland derzeit zwar weiter Öl und Gas nach Europa liefern. Allerdings koppeln sich bereits die ersten grossen westlichen Konzerne von Russland ab und stoppen die laufenden Geschäfte. Investitionen werden heruntergefahren.

Energiepolitische Absetzbewegung

Beispiel 1: Der britisch-niederländische Energiekonzern Shell hat heute den Rückzug aus einem Gasprojekt in Russland angekündigt. Shell stoppt die Zusammenarbeit mit Gazprom, dem grössten russischen Gaskonzern.

Beispiel 2: Auch der britische Energiekonzern BP stoppt die Zusammenarbeit mit Russland und will seine 20-Prozent-Beteiligung am russischen Ölkonzern Rosneft abstossen. Sowohl BP als auch Shell verlieren mit ihrem Rückzug etliche Milliarden Franken – die strategischen Weichen werden neu gestellt.

Beispiel 3: Die umstrittene Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland wird möglicherweise nie in Betrieb genommen, sagt Experte Zachmann.

Hauptsitz der Nord Stream 2 AG in Zug
Legende: Die Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland liegt auf Eis, 140 Angestellte von Nord Stream 2 in Zug verlieren deshalb ihre Stelle. Keystone

«Ich glaube, die zusätzliche Pipeline, die durch die Ostsee gebaut wurde, ist nur noch im Szenario eines Regierungswechsels in Russland denkbar. Das steht aber nicht in den Karten», sagt Zachmann.

Eine «komplexe und teure Operation»

Wenn nun das eine oder andere Projekt gestoppt wird, stellt sich unmittelbar auch die Frage der Versorgungssicherheit in Europa. Am grössten ist die Abhängigkeit vom Gas. 40 Prozent des Erdgases bezieht Europa derzeit von Russland. Diese Menge zu ersetzen sei machbar, aber schwierig, sagt Zachmann: «Das wird eine sehr komplexe und teure Operation. Aber die Mengen sind die im Prinzip da und die Flexibilitäten sind wohl mit Einschränkungen vorhanden.»

Wenn sich Europa in der Energieversorgung von Russland abkoppeln wollte, schliesst Zachmann, dann brauche es zusätzliche neue Lieferanten – vor allem von Flüssigerdgas. Zudem müsse der Verbrauch von Gas in Europa reduziert werden. Nur dann gelinge die Abkopplung von Russland.

Rendez-vous, 01.03.2022, 12:30 Uhr

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