Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video Sunrise-CEO Olaf Swantee: «Wir werden jedes Jahr 250 Millionen investieren müssen» abspielen. Laufzeit 05:25 Minuten.
Aus ECO vom 29.04.2019.
Inhalt

Kritik am schnellen Mobilfunk 5G: Schweiz führend – trotz wachsenden Widerständen

Die Schweiz setzt als eines der ersten Länder auf 5G. Offen ist, wann sich das schnelle Netz für die Anbieter rechnet.

Robert Zimmerli ist einer der ersten, die zuhause einen 5G-Anschluss haben. Jahrelang surfte der pensionierte Maschinenschlosser über die Telefonleitung. Neu steht auf seinem Schreibtisch ein Router von Sunrise mit einer 5G-Simkarte – und dieser versorgt sein Haus mit schnellem Internet.

Legende: Video 5G-Nutzer Peter Zimmerli: «Die Wartezeit ist erheblich verkürzt worden» abspielen. Laufzeit 00:23 Minuten.
Aus ECO vom 30.04.2019.

«Ich war vorher nie sicher: Kommt die Seite, die ich will, oder kommt sie nicht?», sagt Zimmerli. «Jetzt weiss ich: Wenn ich drücke, geht es einen Augenblick, und dann ist sie da.»

Zimmerli lebt abgelegen im aargauischen Unterkulm. Glasfaser bis hierhin zu verlegen, ist zu teuer. 5G schliesst die Lücke.

Sunrise will 250 Millionen pro Jahr investieren

152 Standorte hat Sunrise bislang mit 5G aufgerüstet, bei Swisscom sind es 102 Standorte. Auch Salt will 5G dieses Jahr einführen. Die Schweiz liegt damit im internationalen Vergleich auf den vordersten Plätzen.

Für den weiteren Ausbau müssen die Telekomfirmen kräftig investieren. Es wird nicht reichen, die bestehenden Standorte aufzurüsten. Der Telekomverband Asut spricht von mindestens 15'000 neuen Antennen.

Legende: Video Was ist, was kostet, was kann 5G? abspielen. Laufzeit 01:20 Minuten.
Aus ECO vom 29.04.2019.

Hinter den Kulissen versuchen die Anbieter, Immobilienbesitzer für neue Antennen-Standorte zu gewinnen. Pro Standort bietet Sunrise schon mal 8'000 Franken Miete pro Jahr, wie Dokumente zeigen, die «ECO» vorliegen.

«Wir werden dieses Jahr im gesamten Netzwerkbereich 180 Millionen Franken investieren – das sind 20 Millionen mehr als letztes Jahr», sagt Sunrise-Chef Olaf Swantee. In naher Zukunft wird dieser Betrag markant steigen, laut Swantee auf 250 Millionen Franken pro Jahr.

Sunrise-Chef: «Es braucht längere Zeit»

Doch wann und wie verdienen die Telekomfirmen mit 5G Geld? Für Sunrise sind Anschlüsse auf dem Land eine Möglichkeit, neue Kunden zu erschliessen. Zudem bietet das Unternehmen ab Mai 5G-Handys an. Zusatzkosten für Konsumenten, die auf 5G surfen wollen: 10 Franken pro Monat. Auch Swisscom bringt im Mai 5G-Smartphones in die Läden.

Entscheidend aber wird sein, welche Zusatzdienste die Betreiber dereinst auf ihren schnellen Netzen anbieten können. Telekom-Experte Sascha Hertli von Mc Kinsey & Company sagt: «Ein Teil des Kuchens wird immer beim Netzbetreiber landen.» Die Frage sei aber, ob Netzbetreiber zusätzliche Services aufbauen können – wie der US-Riese Amazon, der auf der Basis des Retailgeschäfts das Cloudbusiness aufgebaut hat.

Legende: Video Sascha Hertli, Mc Kinsey: «Die Frage ist: Kann ein Netzbetreiber zusätzliche Services aufbauen?» abspielen. Laufzeit 00:25 Minuten.
Aus ECO vom 30.04.2019.

Dass es dauern wird, bis sich 5G wirklich rechnet, bestätigt Sunrise-Chef Swantee: Im Telekomgeschäft müsse man langfristig denken. «Wir sind uns das gewohnt, wir haben bei jeder Technologie – 2G, 3G, 4G – über Jahre investiert. Es braucht längere Zeit.»

Umso mehr, als der Widerstand gegen 5G wächst. Mehrere Westschweizer Kantone setzen den Bau neuer Antennen aus oder prüfen dies – wegen Gesundheitsbedenken. Auch in der Deutschschweiz sind Vorstösse hängig. Obschon Grenzwerte in der Schweiz gemäss Bund strenger sind als in den meisten umliegenden Ländern.

Widerstand gegen Huawei

In der Kritik ist auch der Netzwerkpartner von Sunrise: der chinesische Milliardenkonzern Huawei. Für viele Länder ist Huawei ein rotes Tuch. Die USA – ebenso Japan, Australien und Neuseeland – verbieten ihren Telekom-Firmen, bei 5G mit Huawei zusammenzuarbeiten.

Die Angst: Huawei könnte China dabei helfen, an Daten ausländischer Regierungen und Firmen zu kommen. Beweise dafür gibt es nicht.

Angst vor Huawei erreicht Bundesbern

Huawei beliefert die Swisscom beim Festnetz und Sunrise bei 5G. Die Sorge, Huawei könnte sensible Daten abgreifen, erreicht nun auch die Schweizer Politik. CVP-Nationalrat Karl Vogler hat eine Interpellation eingereicht. Er will vom Bundesrat wissen, wie dieser die Telekomfirmen in die Pflicht nimmt.

«Ich erhoffe mir, dass der Bundesrat und die Telekom-Unternehmen sensibilisiert sind und den Tatbeweis erbringen, dass beim Aufbau der Netze keine Daten an Orte abfliessen, die ich als Konsument nicht will», sagt Vogler.

Legende: Video Olaf Swantee, Sunrise: «Huawei hat keinen Zugriff auf unsere Kundendaten» abspielen. Laufzeit 02:43 Minuten.
Aus ECO vom 29.04.2019.

Sunrise-Chef Swantee sagt, Huawei habe keinen Zugriff auf Kundendaten. «Wir machen jedes Jahr Tests. Wir haben die höchste ISO-Zertifizierung für unsere gesamte Infrastruktur, wir stellen das also absolut sicher.»

Das wäre ein blinder Menschenversuch.
Autor: Peter KirchschlägerEthik-Professor

Der Ethiker Peter Kirchschläger sieht zwar die Vorteile für Nutzer von 5G. Doch er gibt im Interview zu bedenken, dass die Risiken dieser Technologie relevant sind. Einfach vorwärts zu machen, ohne die Konsequenzen zu kennen, sei falsch.

Peter G. Kirchschläger

Peter G. Kirchschläger

Professor für Theologische Ethik, Universität Luzern

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Peter Kirchschläger ist seit 2017 Ordinarius für Theologische Ethik und Leiter des Instituts für Sozialethik ISE an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in der Digitalisierung, Automatisierung, Robotisierung und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz aus ethischer Perspektive.

SRF: Telekomanbieter versprechen sich und uns grosse Vorteile und neue Anwendungen mit 5G. Macht 5G das Leben wirklich besser?

Peter G. Kirchschläger: Natürlich bringt 5G Vorteile, auch ökonomische Vorteile. Aber die Risiken sind auch zu benennen: Wir haben Bevölkerungsgruppen, die elektrosensibel sind und stark in ihrem Alltag beeinträchtigt werden. Sie würden darunter leiden, und das hat eine Relevanz für die Menschenwürde.

Zum anderen ist zu berücksichtigen, dass wir nicht genau wissen, wie gross die Gesundheitsrisiken sind. In den USA haben Forscher im Rahmen einer 2018 veröffentlichten Studie der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Ratten einer erhöhten Strahlung ausgesetzt, und männliche Ratten hatten in der Folge ein erhöhtes Risiko für eine spezifische Tumor-Art.

Man könnte ja auch sagen: So lange wir keine negativen Einflüsse belegen können, machen wir vorwärts.

Das wäre ein blinder Menschenversuch. Und das ist ethisch problematisch, weil man die Gesundheit der Menschen aufs Spiel setzen würde.

Normalerweise macht man es umgekehrt. Man schätzt die Technologie-Folgen sorgfältig ab, macht Studien, um zu schauen, ob Innovationen gesundheitsschädigend sind. Und wenn man Resultate hat, entscheidet man, ob man sie einführt oder nicht. Und das Gleiche würde ich für 5G verlangen.

Ist es realistisch, dass wir uns einschränken und nicht alles machen, was technologisch machbar ist?

Ich halte das sehr wohl für realistisch, weil der Mensch aufgrund seiner Moral-Fähigkeit Nein sagen kann zu Dingen, obwohl sie machbar sind.

Es gibt auch Beispiele aus der Menschheitsgeschichte. Es ist eine etwas schiefe Analogie, aber sie hat illustrative Wirkung: Im Bereich der Nuklear-Technologie hat sich die Menschheit dazu entschlossen, nicht alles technisch Machbare zu machen, sondern sich zu beschränken – in Form einer internationaler Atomenergie-Behörde, welche die Nutzung der Nuklear-Technologie überwacht. Die Idee dahinter war, den Menschen vor Schlimmem zu schützen, das vorstellbar war.

Legende: Video Schwerpunkt: 5G – investieren nach dem Prinzip Hoffnung abspielen. Laufzeit 17:06 Minuten.
Aus ECO vom 29.04.2019.
Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

78 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Stefan Wolff (XE_54)
    Wenn wir unsere Bevölkerung schon an die Wand fahren, dann wenigstens mit Höchstgeschwindigkeit...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ernst von Allmen (MEVA)
    Die Höchst Spannungs Strom Leitungen, kreieren in Ihrer Umgebung sehr starke Magnetfelder . Die sind so stark dass bei Kupfer Dachrinnen, eines Hauses in der Nähe von solchen Leitungen, zwischen der Dachrinne und der Erde, einige Volts gemessen werden. Droz einsprache, von Anwohnern, werden solche Leitungen munter weiter gebaut. Der Einfluss auf die Bevölkerung ist sicher eben so groß wie G5. Aber das stört scheinbar niemand.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Simon Isler (SimIs)
    Warum hat ein Mikrowellenofen eine Türe? Damit niemand den Kopf rein steckt. Doch genau das passiert mit der flächendeckenden Bestrahlung von 5G. Nur noch stärker. Und statt mit 2.45 GHz können die 5G Antennen mit bis zu 20 GHz senden. Also auf einer rund 10 mal höheren Frequenz. Da werden nicht nur die Kopf der Anwohner sonder auch die Regenwürmer im Garten warm! Nicht alles was technisch möglich ist, macht auch Sinn. Stop 5G!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Andreas Müller (Hugh Everett)
      Wenn ich mir Spaghetti machen will, dann schalte ich immer das Radio ein. Nach 6 Minuten sind sie al dente.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Beno Trütsch (benotruetsch)
      Deswegen gibt es für die Mobiltelefone die SAR Grenzwerte, welche die lokale Erwärmung des Gewebes durch das Mobiltelefon limitiert. Das Mobiltelefon kann das Ohr/Hirn um ca. 0.1 °C erwärmen, bei schlechtem Empfang. Bei gutem Empfang reduziert sich die Sendeleistung um Grössenordnungen. Die Strahlung der Mobilfunkantennen ist wegen der Distanz viel zu schwach für eine Erwärmung. 5G Antennen strahlen zielgerichtet anstatt rundum und bei höheren Frequenzen nimmt die Eindringtiefe der Erwärmung ab.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Andreas Peier (andreas_pe)
      Damit sich Niemand den Kopf verbrennt! Bei Mobilfunkantennen besteht diese Risiko nicht; Sie strahlen viel zu schwach. Durch die strenge Regulierung sorgt man dafür, dass keine Geräte bei Gebrauch so stark strahlen, dass sie kurzfristig eine Körperpartie um 1 Grad Celsius erhöhen könnte.
      Der Bundesrat hat den Frequenzbereich um 3.5Ghz vergeben, 100Ghz sind verboten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen