Zum Inhalt springen

Header

Audio
Versorgungsengpass auch bei Schmerzmitteln
Aus Echo der Zeit vom 26.03.2020.
abspielen. Laufzeit 04:38 Minuten.
Inhalt

Medikamente für Corona-Kranke Nun wird das Pflichtlager des Bundes angezapft

Coronapatienten brauchen häufig starke Schmerzmittel, sogenannte Analgetika. Diese könnten aber bald knapp werden.

Die Corona-Krise droht Schweizer Spitäler an den Rand ihrer Kapazitäten zu bringen: Die Plätze in Intensivstationen und an Beatmungsgeräten sind beschränkt.

Nun zeigt sich, dass sich auch bei den Medikamenten – genauer bei den starken Schmerzmitteln und den Antibiotika – Engpässe abzeichnen. Schon bald könnten nicht mehr alle Corona-Patienten mit den nötigen Medikamenten versorgt werden.

«Es wird zu Engpässen kommen»

Ihre Vorräte mit solchen Medikamenten haben die Spitäler in den letzten Wochen aufgestockt. Das werde aber nicht reichen, sagt Petra Strub, Präsidentin des Schweizerischen Vereins der Amt- und Spitalapotheker: «Auch wenn es in manchen Spitälern mehr Ware hat, werden wir diese in der Schweiz aufbrauchen und es wird mancherorts zu Engpässen kommen.»

Das Hauptproblem ist, dass wir in der Schweiz diese Produkte nicht herstellen.
Autor: Ueli HaudenschildBundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung

Ärztinnen werden also möglicherweise entscheiden müssen, wer überhaupt noch bestimmte Medikamente bekommt und wer nicht. Sie müssen also triagieren, so Strub. «Bei gewissen Patienten müssen wir entscheiden, ob man noch therapieren kann und ob noch Medikamente vorhanden sind oder nicht.»

Letzte Reserven werden angezapft

So weit müsste es eigentlich nicht kommen, denn der Bund hat mit Pflichtlagern von lebenswichtigen Medikamenten vorgesorgt. Nun, in der Krise, muss diese letzte Reserve angezapft werden.

Der Bund werde nächstens das Pflichtlager mit starken Schmerzmitteln, sogenannten Analgetika, und Opiaten freigeben, bestätigt Ueli Haudenschild vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung gegenüber Radio SRF. «Starke Analgetika werden im Zusammenhang mit den Corona-Behandlungen mehr benötigt. Dort wird das Pflichtlager gebraucht werden müssen, um die Versorgung sicherzustellen.»

Medikamente.
Legende: Starke Schmerzmittel könnten in der Schweiz Mangelware werden. (Symbolbild) Keystone

Die Pflichtlager sollten bei den meisten Medikamenten eigentlich für drei Monate reichen – nur befürchtet die oberste Spitalapothekerin: «Die Pflichtlager funktionieren zurzeit nur bedingt.»

Denn bei bestimmten Antibiotika wurden diese letzten Reserven bereits früher und konnten nicht wieder voll aufgefüllt werden. Im Fall der starken Schmerzmittel werde der Verbrauch so gross, dass das Pflichtlager wohl nicht für drei Monate reiche, sagt Strub.

Keine Produkte aus der Schweiz

Warum droht ein Engpass bei Medikamenten – noch bevor die Corona-Epidemie in der Schweiz ihren Höhepunkt erreicht hat – im Land mit einem der besten und teuersten Gesundheitssysteme der Welt? «Das Hauptproblem ist, dass wir in der Schweiz diese Produkte nicht herstellen», so Haudenschild.

Produziert werden viele Wirkstoffe im asiatischen Raum, vor allem in China, das ebenfalls stark betroffen von der Krise ist. Das Problem ist seit Längerem bekannt – auch den Schweizer Pharmafirmen und Importeuren, die im Auftrag des Bundes die Pflichtlager bewirtschaften. Diese Pflichtlagerhalter haben sich in der Genossenschaft Helvecura zusammengeschlossen.

Wir werden prüfen müssen, ob das Pflichtlagersystem überhaupt für Pandemie-Fälle geeignet ist.
Autor: Ueli HaudenschildBundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung

Ihr Geschäftsleiter Hans Peter Linder sagt, Helvecura habe sich schon vor Längerem mit einem Brief an den Bund gewandt: «Wir begrüssen es, dass der Schweizer Markt wieder vermehrt mit Produkten aus Wirtschaftsräumen mit stabileren Liefersicherheiten wie Europa versorgt wird.»

Die Corona-Pandemie zeigt, dass der Bund seine Medikamenten-Pflichtlager künftig für eine Pandemie wohl besser rüsten muss. Ueli Haudenschild sagt denn auch: «Wir werden prüfen müssen, ob das Pflichtlagersystem, überhaupt für Pandemie-Fälle geeignet ist.»

Info 3, 26.3.2020, 17:00 Uhr; Gaudenz Wacker

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

38 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Ärzte werden möglicherweise entscheiden müssen, wer überhaupt noch bestimmte Medikamente bekommt und wer nicht. Zweiklassengesellschaft! Engpässe bei Medikamenten verdanken wir der Auslagerung der Produktionen nach Indien und China und macht uns abhängig. Es braucht eine Umkehr - wieder vermehrt in der Schweiz produzieren auch wenn teurer. Der BR muss das überdenken, wenn er schon sagt: Die Gesundheit der Menschen haben Priorität. Alles andere sind Ausreden und unverständlich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Urs Lauper  (Urs Lauper)
    In bester Erinnerung: Am Anfang der Krise verkündete Bundesrat Alain Berset: "Die Schweiz ist sehr gut vorbereitet."
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marc Furrer  (mfurrer)
    «Wir begrüssen es, dass der Schweizer Markt wieder vermehrt mit Produkten aus Wirtschaftsräumen mit stabileren Liefersicherheiten wie Europa versorgt wird.»

    Die aktuelle Krise zeigt eigentlich gerade, dass selbst innerhalb Europas im Ernstfall keine Liefersicherheiten bestehen... Siehe von DE/FR blockiertes Schutzmaterial oder auch div. Beschlagnahmungen von medizinischen Gütern in div. anderen Ländern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen