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Milliardenverluste Hedgefonds stehen im Zentrum der Kritik

Verluste im Zusammenhang mit Gamestop haben eine neuerliche Diskussion über die umstrittenen Leerverkäufe entfacht.

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Hedgefonds verspekulieren sich mit Gamestop
Aus 10 vor 10 vom 29.01.2021.
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Andrew Left ist Investor und Gesicht des Hedgefonds Citron Research. Am 21. Januar publizierte er auf Youtube ein Video, in dem er Gründe aufzählte, weshalb der Aktienkurs des Videospielhändlers Gamestop von 40 auf 20 Dollar fallen würde. Er argumentierte, dass das Geschäftsmodell des Unternehmens keine Zukunft habe und es sich deshalb lohne auf einen sinkenden Kurs zu spekulieren. Rückblickend lässt sich sagen: Es lohnte sich nicht.

Was ist ein Hedgefonds?

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Ein Hedgefonds ist ein Investmentfonds mit dem Ziel, auch bei sinkenden Märkten positive Erträge zu erzielen. Sie sammeln Geld von Anlegern und investieren dieses. Meist sind diese Anleger nicht Privatpersonen, sondern institutionelle Kreise wie zum Beispiel Krankenkassen, Banken und Pensionkassen. Ursprünglich dienten Hedgefonds dem Ziel, um bestimmte Risiken von Investoren abzusichern. Da Hedgefonds oft eine riskante und spekulative Anlagestrategie verfolgen, haftet ihnen mittlerweile ein eher negatives Image an.

Denn in der vergangenen Woche erreichte der Gamestop-Aktienkurs zwischenzeitlich eine Höhe von über 400 Dollar. Die grossen Verlierer dieser enormen Kursgewinne: mehrere Hedgefonds. Sie mussten bei hohen Preisen Aktien kaufen, um die Verbindlichkeit aus den Leerverkäufen glattzustellen. Citron Research musste ebenso Verluste hinnehmen, wie auch der Hedgefonds mit dem Namen Melvin Capital.

«Short», «Leerverkauf», «Short Squeeze» – Was ist das?

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Bei einem «Short» erwarten Anleger, dass der Kurs einer Aktie in Zukunft fällt. Die Anleger leihen sich also eine Aktie und verkaufen diese. Das ist der Leerverkauf. Wenn der Kurs wie von ihnen erwartet fällt, kaufen sie die Aktie zurück und erhalten die Differenz als Gewinn. Wurden von einem Unternehmen viele Leerverkäufe getätigt, kann es zu einer Knappheit bei den Aktien kommen. Das passiert, wenn der Kurs plötzlich steigt und die Anleger die Aktie zurückkaufen müssen, um höhere Verluste zu verhindern. Das wird ein «Short Squeeze» genannt.

Ihnen gegenüber stellte sich eine Schar Kleinanlegende, die vereint den Kurs – und damit die Verluste der Hedgefonds – in die Höhe trieben. Citron Research konnte laut Left die Verluste in Grenzen halten. Schwerer traf es Melvin Capital. Sein investiertes Vermögen habe sich um 4.5 Milliarden reduziert. Melvin Capital musste mit einer Kapitalspritze von 2.75 Milliarden Dollar von seinen Partnern gerettet werden.

Hohes Risiko für hohe Gewinne

Leerverkäufe sind umstritten. Tesla-Chef Elon Musk enervierte sich in der vergangenen Woche auf Twitter darüber. Man könne kein Auto oder Haus verkaufen, das man nicht besitze – bei Aktien ginge das. Leerverkäufe seien Betrug, und die Gründe für deren Legalität rudimentär.

Leerverkäufe haben durchaus ihren Nutzen. Sie dienen zur Absicherung, indem zum Beispiel bei einem Terminkauf eines bestimmten Gutes, dasselbe Gut über einen Leerverkauf abgesichert wird. Problematisch ist die rein spekulative Nutzung des Instruments. So wurden während der Finanzkrise Leerverkäufe zwischenzeitlich in verschiedenen Ländern verboten.

Gamestop wie Tesla und Shopify?

Auch bei Autohersteller Tesla und E-Commerce-Softwareentwickler Shopify wetteten einige Hedgefonds zunächst auf sinkende Kurse. Bei beiden Unternehmen konnten in den vergangenen Monaten enorme Kursgewinne beobachtet werden.

Die Hobby-Trader scheinen zusätzlich zu Gamestop – dessen Kurs weiterhin hoch bleibt – ein neues Objekt der Begierde zu haben: Silber. Auch beim Edelmetall rechnen viele Anlegende mit einem Kursverfall. Auch in diesem Fall steigt nun der Kurs. Erstmals seit Anfang 2013 ist am Montag die Notierung für eine Feinunze über die Marke von 30 US-Dollar gestiegen. Die Spuren führen wieder zurück zur Online-Plattform Reddit.

Konsequenzen des Gamestop-Hypes

Citron Research und Melvin Capital haben sich in der vergangenen Woche die Finger verbrannt. Sie dürften ihre Lehren daraus gezogen haben. Andrew Left von Citron Research meinte auf Youtube, er werde in Zukunft keine Informationen zu seinen Short-Positionen mehr veröffentlichen.

Die Ereignisse werfen regulatorische Fragen auf. Mittlerweile haben sich die ersten Justizbehörden in die Auseinandersetzung eingeschaltet. Auch die US-Börsenaufsicht SEC bekräftigte, die Vorgänge rund um den Gamestop-Hype zu untersuchen. Insofern ist die Affäre rund um die Gamestop-Aktie noch nicht abgeschlossen.

10vor10, 29.01.21, 21:50 Uhr

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Pierre Schibich  (spectator)
    Wenn zwei dasselbe tun ... 2008 waren die Hedgefonds die Hauptverursacher der Finanzkrise und jetzt jammern sie. Die Börse hat seit den 90er-Jahren nichts mehr mit der realen Wirtschaft,also mit Produktion von Gütern oder Dienstleistungen, zu tun. Es geht um Riesenrenditen und Gewinnerwartungen, die dann Arbeitsplätze kosten. Dass mit virtuellem Geldherumschieben Milliarden gemacht werden können und diese Kapitalgewinne viel niedriger besteuert werden als Lohn aus Arbeitsleistung, ist ein Hohn.
  • Kommentar von Dietmar Logoz  (Universalamateur)
    Leerverkäufe mögen zur Absicherung von Geschäften und zur Kurskorrektur von überbewerteten Aktien sinnvoll sein, aber das mehrfache Ausleihen einer Aktie oder eines andern Handelsobjekts muss verboten werden.
  • Kommentar von Willi Fetzer  (wi)
    Schon interessant! Die Politik kümmert sich einen Dreck und tut jahrelang überhaupt nichts, jedoch wenn Einzelne Milliarden Verluste erleiden kommt Bewegung in die Sache und sie will handeln! Vorher gab es ja auch Milliarden Verluste Vieler, damit Einzelne Milliarden Gewinne realisieren konnten, da war es Politik vollkommen egal!