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Nach dritter Leitzins-Senkung US-Notenbank in der Kritik

  • Die US-Notenbank Fed senkt den Leitzins bereits zum dritten Mal in diesem Jahr.
  • Sie kappt ihn auch diesmal um einen Viertelpunkt – auf die neue Spanne von 1.5 bis 1.75 Prozent.
  • Zuletzt hatte sie im September und im Juli die Zinsen gesenkt, um die vom Zollkonflikt mit China ausgehenden Gefahren für die Wirtschaft abzumildern.
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Aus dem Archiv: Zweite Zinssenkung bereits Mitte September
Aus 10vor10 vom 18.09.2019.
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Mit der Zinssenkung reagiert die US-Notenbank Fed auf die Abschwächung des US-Wirtschaftswachstums. Die Zentralbank gehe zwar von anhaltendem Wirtschaftswachstum aus - es bestünden aber bei dieser Prognose Unsicherheiten beim Blick auf das global schwächere Wachstum, verlautete vom für die Zinspolitik zuständigen Ausschuss der Fed.

«War das wirklich notwendig?»

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  • Friedrich Heinemann, Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW):

«Die erneute Fed-Zinssenkung trotz einer immer noch hervorragenden Lage an den Arbeitsmärkten und einer soliden Wachstumsrate der Wirtschaft ist problematisch, weil die Fed ohne Not ihren Bewegungsspielraum für eine echte Krise einengt. Das Timing kurz nach Bekanntgabe eines Besorgnis erregenden Haushaltsdefizits der US-Regierung in Höhe von 4,6 Prozent der Wirtschaftsleistung ist noch dazu äusserst unglücklich. Die Fed erweckt zunehmend den Eindruck, als ob sie letztlich doch von der Trump-Administration gesteuert wird. Die Abkühlung der Industrie aufgrund des Handelskonflikts mit China und das Eine-Billionen-Staatsdefizit trotz Rekord-Beschäftigung sind beide von der US-Politik verursachte Probleme. Und die Fed muss nun gute Miene zum bösen Spiel machen und diese Fehler finanzieren. Eine echte Zentralbank-Unabhängigkeit sieht anders aus.»

  • Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank:

    «War das wirklich notwendig? Die Fed hat heute erwartungsgemäss noch einmal die Zinsen gesenkt. Und das obwohl sich bereits seit geraumer Zeit interner Widerstand gegen die geldpolitische Richtung regt. Möglicherweise haben Amerikas Währungshüter die bereits fest eingepreiste Zinssenkung aber auch nur 'durchgewunken', um unliebsame Marktreaktionen zu vermeiden. Doch viel wichtiger ist die Frage: Was kommt jetzt noch? Wird die amerikanische Notenbank im Dezember noch einmal die Zinsen senken – trotz der vielen fundamentalen Argumente, die gegen eine weitere Lockerung der Geldpolitik sprechen? Mag sein, dass all diese Argumente noch nicht solide genug sind, um für eine Kehrtwende in der Zinspolitik zu sprechen - zumindest aber sollte es kein 'Weiter so' geben. Geduldiges Abwarten lautet das Gebot der Stunde. Das hat auch den Vorteil, dass die Fed nicht wie ein Dackel dem US-Präsidenten hinterher hecheln muss.»

Die US-Wirtschaft befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs. Die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr, doch die Warnsignale einer bevorstehenden Abkühlung mehren sich. Der Zollstreit mit China lastet auf der US-Konjunktur, genauso wie dies geringere Investitionen der Privatwirtschaft und eine Flaute im verarbeitenden Gewerbe tun.

Kehrtwende seit Juli

Die Fed bemüht sich, das nunmehr seit einem Jahrzehnt anhaltende Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten. Die Notenbank hatte daher nach Jahren stagnierender oder steigender Zinsen im Juli die Kehrtwende eingeleitet. Die Zinssenkung war erwartet worden, die Reaktion der Märkte dürfte sich daher in Grenzen halten.

Der Leitzins, die sogenannte Federal Funds Rate, ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken über Nacht Geld leihen. Eine Senkung des Zinssatzes verbilligt Kredite, wodurch Unternehmen leichter investieren können und viele Bürger weniger Schuldzinsen bezahlen.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Die Westlichen Zentralbanken glauben immer noch sie könnten die Inflation steuern, dabei wird gar nicht erklärt wo die Inflation überall hinfliessen kann. Wenn Zentralbänker das Wetter machen müsste wäre das eine sehr fade Sache. Was ist mit Russland, China usw. Sowie es aussieht ist zur Zeit Putin der mit abstand beste Geschäftsmann und China die besten Vorgaukler, bald so gut wie Amerika. Es fehlt an guten Analysen.
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  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Tja, Hauptsache der Präsident kann dann das Strohfeuer als super Wirtschaftswachstum verkaufen. Schon fast wie Erdogan. Die Mehrheit der Amerikaner meint immer noch, Trump habe die Wirtschaft angekurbelt. Lächerlich, weil dies die mit Abstand grösste und schwierigste Leistung Obamas war. Das Wachstum begann Mitte seiner Amtszeit, und Trump profitiert jetzt von der Arbeit intelligenter Leute. Und Trump? Wieder deregulieren, Billionen Steuergeschenke für Superreiche u. null Arbeiternehmerschutz.
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  • Kommentar von S. Borel  (Vidocq)
    Das haben Sie ja grossartig hingekriegt, Mr President!
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