Zum Inhalt springen

Header

Audio
Das nicht immer grüne Mäntelchen von Coop
Aus Rendez-vous vom 26.02.2021.
abspielen. Laufzeit 07:29 Minuten.
Inhalt

Nachhaltigkeit im Detailhandel Wo der Öko-Riese Coop nicht ganz so grün erscheint

Coop gilt als fortschrittlich und nützt sein grünes Image geschickt aus. Doch es gibt durchaus widersprüchliche Aspekte.

Die Bio-Eier von freilaufenden Hühnern sind eines von über 4'000 Bio-Produkten, die Coop in seinen Läden verkauft. Auf dieses umfangreiche Sortiment ist Coop-Chef Joos Sutter stolz: «Coop hat die ökologische Entwicklung in der Schweiz sehr geprägt, insbesondere bei den Produkten.»

Dem pflichtet die Umweltschutzorganisation WWF bei. Damian Oettli, Leiter Konsum beim WWF: «Die Bilanz ist wirklich sehr grün. Coop gehört zu den Vorreitern in der Branche.»

Und Coop schlachtet dieses Image auch marketingmässig voll zu seinen Gunsten aus. Und zwar selbst dann, wenn es gesetzliche Auflagen sind, denen sich der Konzern beugen musste: Das zeigt das Beispiel der 5 Rappen-Gebühr für Plastiksäcke: «Unsere Kunden verbrauchen dank dem kleinen Betrag von 5 Rappen pro Säckli deutlich weniger Taschen», schreibt Coop in seinem Nachhaltigkeitsprogramm. Allerdings hat sich Coop vor der Einführung dieser Gebühr noch vehement gewehrt: Sie bringe keine ökologischen Vorteile und führe auch nicht zu weniger Abfall, so die damalige Argumentation.

Grün – mit verschiedenen Kehrseiten

Und auch in anderen Bereichen zeigt Coop noch ein zweites Gesicht. Zwiespältig ist das Bild etwa beim Klimaschutz: Coop investiert aktuell in neue Wasserstoff-Tankstellen und spricht sich für das neue CO2-Gesetz aus, das im Juni zur Abstimmung kommt. Andererseits wehrt sich die Mineralöl AG gegen das CO2-Gesetz. Die Firma betreibt Tankstellen und liefert Heizöl.

Brisant daran ist, dass die Mineralöl AG ein Tochterunternehmen von Coop ist. Konfrontiert mit diesen gegensätzlichen Positionen innerhalb des Konzerns, meint Coop-Chef Joos Sutter, es sei verständlich, dass die Tankstellenbetreiber, die für tausende Mitarbeiter verantwortlich seien, hier mit einer Stimme sprechen. Und: «Sie hinterfragen (in dieser Sache) nicht das Ziel, aber den Weg.»

Gleich ist die Situation übrigens auch bei der Konkurrenz: Die Migros ist für das CO2-Gesetz, die Tochterfirma Migrol gegen das neue CO2-Gesetz.

Zurück zum Kerngeschäft von Coop – auch da zeigt sich das andere Gesicht von Coop: Der Detailhändler deckt alle Kundensegmente ab und hat deshalb nebst teureren Bio-Produkten, auch günstigere Artikel der Prix-Garantie-Linie im Sortiment. Und diese Produkte seien ebenfalls gefragt, so Joos Sutter: «Wir haben ja Prix Garantie mit 420 Artikeln ausgebaut, jetzt haben wir total 1300 Produkte. Und die haben wirklich auch sehr gut funktioniert.»

Das Ei in der Prix Garantie-Linie stammt dann allerdings nicht vom Biohof, sondern mitunter von einem Eier-Produzenten aus dem Ausland.

WWF: «Es geht uns um das ganze Sortiment»

Gerade bei diesen günstigen Lebensmitteln setzt die Kritik der Umwelt- und Tierschutzorganisationen ein. Damian Oettli von WWF stellt fest: «Es geht darum, das gesamte Sortiment auf einen guten Standard anzuheben.» Konkret sieht der WWF etwa Handlungsbedarf im Bereich der Futtermittel, die hierzulande an Kühe oder Hühner verfüttert werden.

Allerdings ist sich auch der WWF bewusst, dass es im globalen Nahrungsmittelgeschäft keine leichte Aufgabe ist, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Und Coop wiederum betont, dass sie auch bei den günstigen Lebensmitteln bestrebt seien, den Konsum nachhaltiger zu machen.

Rendez-Vous, 26.02.2021, 12.30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Klimapolitik: Weniger ist weniger

    Plastiksackverbote und Kompensationszahlungen werden nicht reichen. Wenn wir den Klimawandel bremsen wollen, müssen wir unseren Konsum zurückfahren.
    1. Antwort von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Weitgereister)
      Wer ist wir? Wollen Sie mir sagen was ich zu tun and lassen habe?
    2. Antwort von Paul Wagner  (päule)
      @Schneider: 100% einverstanden. Die zwei Themen der Zukunft:
      - weniger brauchen, weniger Konsum
      - mehrfach nutzen, recyclen, upcyclen

      @Rechsteiner: Ja, notfalls. Aber zuerst hoffen wir, dass sie selbst erkennen, dass wir alle - nicht nur Sie - unser Leben etwas anpassen müssen. Sie sind ja ein Weitgereister, sollten also Weitblick haben.
  • Kommentar von Paul Wagner  (päule)
    Bei Coop gibt es mittlerweile so viele Öko-Bio-Grün-Label und -Produkte, die entsprechend teurer sind, dass es Menschen die mehr auf ihr Geld achten müssen bei gewissen Produkten schwer haben, was günstiges Vernünftiges zu finden.
    Coop fährt diese Öko-Schiene primär um die Produkte verteuern zu können und nur sekundär um etwas für die Umwelt zu tun.
    1. Antwort von Daniel Müller  (Filter11)
      Sie können jederzeit zu Aldi, Denner oder Lidl wechseln. Dort finden sie sicher günstige "Lebensmittel". Aber Obacht, auch diese bauen ihr Bio-Sortiment aus.
    2. Antwort von Paul Wagner  (päule)
      @Müller: Das war jetzt ziemlich abschätzig.
      Ich kaufe bei Coop, Migros, Denner und lokalen Geschäften ein. Ich kaufe gerne Bio und einheimisch. Aber ich und sehr viele andere Menschen müssen auf das Geld achten. Und genau deshalb kenne und vergleiche ich die Produkte auch über die Jahre hinweg.
      Mein Fazit: Weniger günstige Produkte und viel mehr teure Produkte (Fine Food, BettyBossi, Naturaline, Naturafarm, oecoplan, Primagusto, ProMontagna, Pro Spezi Rara, miini Region...)
  • Kommentar von Walter Strupler  (w.strupler)
    Wenn es COOP ernst wäre mit der Nachhaltigkeit und gesunde Lebensmittel würde er keine Lebensmittel als Kundenfänger zu billig verkaufen. Die Produzenten der Lebensmittel Erhalten kaum kostendeckende Preise, damit COOP Prix-Garantie Produkte Zu tiefst Preisen Verkaufen können.
    Solange Geiz ist geil bei der Mehrheit der Bevölkerung Trumpf ist wird es schwierig Bioprodukte in grossen Stil zu verkaufen