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Pensionskassengeld nachhaltig anlegen – aber wie?
Aus Trend vom 08.05.2020.
abspielen. Laufzeit 26:11 Minuten.
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Nachhaltigkeits-Banker «Finanzwelt ist für Nachhaltigkeit ein riesiger Hebel»

«Welchen Footprint hat mein Geld?», steht es auf dem grossen Plakat neben der Eingangstür. Sofort ist klar, worum es Reto Ringger geht; noch bevor man die hellen, hohen Räume mit dem gediegenen Mobiliar der Globalance Bank in Zürich betritt: «Wir sind mehr als eine Bank. Wir möchten mehr als Geld bewegen», sagt der 58-jährige Ökonom und Banker. Die Nachhaltigkeit habe er in den Statuten seiner 2011 gegründeten Bank festgehalten. Das ganze Geschäft richte sich voll danach aus.

Die Kundschaft könne jederzeit online nachschauen, welchen Nutzen, aber auch welchen Schaden die eigenen Investments in Aktien, Anleihen und dergleichen in der Welt verursachen würden, erklärt er. Diese Transparenz über den ökologischen und sozialen Fussabdruck der Portefeuilles sei ihm wichtig. Und er arbeite mit externen Partnern dran, die Transparenz mit neuester digitaler Technologie weiter zu verbessern.

Die Globalance Bank

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Die Globalance Bank in Zürich ist auf nachhaltige Finanzanlagen für Privatkunden spezialisiert. Sie hat derzeit 28 Mitarbeitende. Mit etwas über einer Milliarde Franken verwaltete Vermögen ist die Privatbank im Branchenvergleich noch klein. Aber sie arbeitet bereits profitabel. Bankgründer Reto Ringger (58) und seine Partner reinvestieren die Erträge in Wachstumsprojekte, etwa in die Weiterentwicklung des Reportings, mit dem die Kundinnen und Kunden einen vertieften Einblick in die Nachhaltigkeit ihres Anlageportfolios gewinnen.

Frühe Leidenschaft für Nachhaltigkeit

Umwelt- und Klimaschutz, nachhaltige Entwicklung, aber auch neue Technologien wie beispielsweise Elektroautos: Das sind Themen, die Reto Ringger schon früh beschäftigten. Er las darüber Bücher – auch jenes des Schweizer Unternehmers Stephan Schmidheiny mit dem Titel «Kurswechsel» von 1992. Schmidheiny hatte den Rio-Gipfel der UNO für nachhaltige Entwicklung im gleichen Jahr mitorganisiert. Er habe ihn dazu inspiriert, 1995 die Firma Sustainable Asset Management (SAM) zu gründen, erinnert sich Ringger im Gespräch.

SAM spezialisierte sich auf nachhaltige Finanzanlagen für professionelle Grossanleger, zum Beispiel Pensionskassen. Mit SAM gelang Ringger 1997 auch ein erster, grosser Wurf: Die Firma lancierte einen Aktienindex für nachhaltige Anlagen, den Dow Jones Sustainability Index – damals ein Novum. Dieser Index ist heute eine wichtige Referenzgrösse für Investoren weltweit.

2008 musste Ringger die Firma SAM verkaufen. Er habe nicht genug Geld gehabt, um die Mehrheit zu halten, und habe sich mit externen Aktionären zerstritten. Aus diesem Rückschlag habe er gelernt: «Schaut ganz genau, wen Ihr als Aktionär zu Euch holt», sagt er seither angehenden Jungunternehmern.

Pionierarbeit bleibt nötig

Doch wie wurde der Sohn eines IBM-Managers, aufgewachsen in Oberrieden am Zürichsee, selbst Unternehmer und Nachhaltigkeits-Banker? Er habe nach dem Ökonomie-Studium als Assistent eines Börsenhändlers bei der UBS gearbeitet. Die hektische Finanzwelt habe ihn fasziniert. Da habe er sich gefragt: «Wie bringt man das langfristige Thema Nachhaltigkeit in eine so kurzfristige Welt rein?» Seine Vision war, hier eine Brücke zu bauen. Noch heute ist er überzeugt: «Wenn die Finanzwelt sich in diese Richtung bewegt, dann kann sich auch die ganze Welt in diese Richtung entwickeln. Das ist ein riesiger Hebel.» Der sonst kontrolliert wirkende Banker gerät in Fahrt.

Allerdings stünden die meisten Banken bei dieser Entwicklung immer noch am Anfang. «Der Finanzmarkt ist noch nicht so weit in der Thematik, wie er in den Broschüren schreibt». Die Branche brauche immer noch Pioniere auf diesem Feld; genauso wie die Automobilindustrie etwa den US-Elektroautobauer Tesla brauche. Hier blitzt die Faszination des Unternehmers – und Tesla-Fahrers – Reto Ringger für Lösungen auf, die zumindest das Potenzial haben, die Welt nachhaltiger zu machen.

Trend, 09.05.2020, 08:13 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Es wäre ein riesiger Hebel. Aber wenn dieser nicht betätigt wird, dann bewegt er auch nichts.
  • Kommentar von Roger Gasser  (allesrotscher)
    Nachhaltigkeit ist das eine, und das ganz andere ist die Investment-Strategie. Dazu kommen: Anlageart (Sparplan oder Einlage), Anlagehorizont(e), Risikoneigung, Risikofähigkeit, Verhältnismässigkeit zu Einkommen, Lebenshaltungskosten und Vermögen. Und das alles unter einen Hut gebracht, und richtig in einem konsequent durchgezogenen Finanzplan umgesetzt, ergibt wiederum Nachhaltigkeit, diesmal für den Investor selbst.
  • Kommentar von Hans-Peter Rüdisüli  (hampirü)
    Das ist Augenwischerei, der Artikel wie der DJ Sustainability Index. Pionierarbeit hin oder her,der Index hat sich nicht so nachhaltig entwickelt wie er könnte,bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit Der Anlagefonds der Alternativen Bank Schweiz könnte hingegen eher als gutes Beispiel dienen
    Im Allgemeinen stört mich, wie in diesem Artikel suggeriert wird, dass Leute, die von Tesla oder der Finanzwelt fasziniert sind, das Potenzial haben sollen genügend weit zu denken für eine nachhaltigere Welt.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Interessanterweise kritisieren Sie Globalance nicht. Offenbar haben Sie keinen Haken gefunden? Haben Sie gemerkt, dass der Interviewte beim Sustainability index nicht in der Verantwortung ist, sondern bei Globalance?