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Nestlé kürzt Werbebudget in Belarus
Aus Rendez-vous vom 07.07.2021.
abspielen. Laufzeit 03:54 Minuten.
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Nahrungsmulti im Dilemma Nestlé reduziert Werbebudget in Belarus

Werbung bei Diktator Lukaschenko schadet dem Ruf. Nestlé hat nach eigenen Angaben das Budget «deutlich reduziert».

Qualvolle 90 Minuten lang wurde der gekidnappte, verängstigte und höchstwahrscheinlich gefolterte Journalist Roman Protassewitsch Anfang Juni im belarussischen Staatssender von einem Moderator verhörartig befragt. Ein unwürdiges Schauspiel.

Auf demselben Sender läuft regelmässig fröhliche Werbung für Produkte wie Nesquik oder Nescafé. Ein Skandal, findet die belarussische Opposition. Nestlé finanziere mit der Werbung ein verbrecherisches Regime.

Nestlé reagiert

Die Opposition versucht seit Wochen, moralischen Druck auf Nestlé aufzubauen und den Konzern dazu zu bringen, seine Werbung in den staatlich kontrollierten belarussischen Sendern einzustellen.

Gemäss einer Auswertung der Opposition schaltet Nestlé deutlich mehr Werbespots in Lukaschenkos Propaganda-Fernsehen als alle ausländischen Unternehmen zusammen. Das spült riesige Summen ins Budget des Machthabers. Nun hat der Nahrungsmittelmulti sein Werbebudget für Belarus reduziert. Das bestätigte ein Nestlé-Sprecher auf Anfrage von Schweizer Radio SRF.

«Wir halten uns an alle Gesetze und Sanktionen»

«Wir verfolgen die Entwicklungen in Belarus sehr aufmerksam»», heisst es in der Stellungnahme. Und weiter: «Grundsätzlich positionieren wir uns in den Ländern, in denen wir tätig sind, nicht nach politischen Vorgaben und halten uns an alle geltenden Gesetze und Sanktionen. TV-Werbung ist ein wichtiger Weg, um unsere Verbraucher zu erreichen.» Aufgrund der regelmässigen Überprüfung der Werbeaktivitäten sei das Werbebudget für Belarus bereits deutlich reduziert worden, betont der Konzern.

Aufgrund der regelmässigen Überprüfungen haben wir unser Werbebudget für Belarus bereits deutlich reduziert.
Autor: Nestlé

Lukaschenko droht offen

Um wieviel das Budget zurückgefahren wurde, war bei Nestlé nicht zu erfahren. Und warum zieht man sich nicht ganz von den Staatssendern zurück?

Insider in Belarus meinen, Nestlé wolle es sich mit Lukaschenko nicht ganz verderben – man fürchte seinen Zorn. Denn als die Firmen Nivea und Skoda Anfang Jahr beschlossen, die ursprünglich in Minsk geplante Eishockey-WM zu boykottieren, wurden sie gleich ganz aus dem Land und seinem lukrativen Markt verbannt.

Lukaschenko sprach denn auch erst am Dienstag in einer Rede im Zusammenhang mit den Sanktionen der EU eine deutliche Drohung an alle Firmen aus: «Wir haben Erfahrung. Erinnert Ihr Euch an Skoda, Nivea und so weiter? Wir haben ihnen gesagt: Danke und auf Wiedersehen.»

Unternehmen in der Zwickmühle

Nestlé befindet sich in einer schwierigen Situation. Lukaschenko hat die unabhängigen Medien geschlossen – Werbung kann also nur noch auf staatlichen Kanälen stattfinden.

Und der Konzern befürchtet, Lukaschenko zu verärgern und ganz aus dem lukrativen Markt verbannt zu werden. Gleichzeitig droht dem Multi ein nachhaltiger Imageschaden, wenn er sich nicht deutlich von einem Regime distanziert, das sich mit jedem Tag ruchloser und brutaler verhält.

Rendez-vous, 07.07.2021, 12:30 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Es lässt sich recht einfach "googeln", wer alles zu Nestlé gehört. Ich vermute, die meisten Schweizer stehen aber voll und ganz hinter "ihrem" Konzern und benötigen zu jedem Grillabend ihre Thomy-Tube. Anschließend einen Nespresso, "what else"?
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  • Kommentar von Manu Meier  (Manuel Meier)
    Nestle verkauft seine Produkte den Menschen, der Bevölkerung. Ein Rückzug wäre eine Bestrafung der Menschen, nicht der Regierung (Entschuldigung, Regime, sonst hört es sich noch nett an). Somit ist es eigentlich unwichtig, was Nestle tut. Ein Boykott trifft immer nur die Armen, nicht die Reichen.
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    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Meier, Es geht um die Werbegelder fürs Staatsfernsehen und nicht um die Produkte. Es verlangt niemand, dass diese aus den Regalen genommen werden sollen. Ich verstehe nicht, warum und wie Sie zu Ihrer Erkenntnis kommen.
  • Kommentar von Sebastian Demlgruber  (SeDem)
    Inwiefern ist Belarus bitteschön ein „lukrativer“ Markt? Da wären in puncto journalistischer Qualität konkrete Zahlen deutlich besser als nur ein vages Adjektiv. Was ist der Jahresumsatz von Nestlé in Belarus? Davon abgesehen: Das BIP pro Kopf beträgt in Belarus laut Weltbank ca. 6660 US-Dollar, in der Schweiz 82500 USD. Sooo kriegsentscheidend kann dieser Markt für einen Weltkonzern wie Nestlé also gar nicht sein, dass die Firma gezwungen wäre, diese menschenverachtende Diktatur zu finanzieren.
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