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Neue Erhebung des BFS Rohstoffbranche fast so bedeutend wie der Tourismus

  • Erstmals liegen Daten des Bundes zur Bedeutung des Rohstoffsektors für die Schweizer Wirtschaft vor.
  • Rohstofffirmen generierten 2024 eine Wertschöpfung von 19.2 Milliarden Franken, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) schätzt.
  • Der Sektor ist damit wirtschaftlich fast so wichtig wie der Tourismus.

Der Anteil der im Rohstoffhandel tätigen Unternehmen am Bruttoinlandprodukt beträgt laut BFS 2.3 Prozent. Damit ist er nicht weit weg vom Tourismus, dessen Wertschöpfung kürzlich vom BFS auf 23.8 Milliarden geschätzt wurde.

An die ganz grossen Branchen kommt der Rohstoffhandel aber nicht heran. So bezifferte der Pharmaverband Interpharma die Wertschöpfung seiner Branche kürzlich auf knapp 75 Milliarden, was einem Anteil von knapp zehn Prozent entspreche.

Rund 400 Firmen im Rohstoffhandel

Die grossen Rohstoffhändler kennt man: Glencore, Trafigura, Mercuria oder Cargill heissen sie. Doch in Genf und Zug gibt es auch zahlreiche kleinere Händler. Zu denen wollte der Bundesrat mehr wissen, um damit «verlässliche Aussagen zur Bedeutung des Rohstoffhandels für die Schweiz» machen zu können.

Denn seit der russischen Militäraggression gegen die Ukraine habe die innen- und aussenpolitische Bedeutung des Sektors zugenommen.

Das BFS hat dazu die Einträge in den Handelsregistern untersucht: Es sind rund 400 Schweizer Rohstoffhändler, die mindestens drei Personen beschäftigen und zum Kern der Branche gehören. Das heisst, sie kaufen und verkaufen hauptsächlich Rohstoffe und Rohstoff-Finanzprodukte.

Nicht mitgezählt hat das BFS spezialisierte Anwältinnen und Banker, die das Geschäft der Rohstofffirmen überhaupt erst ermöglichen. Auch Logistik- und Transportunternehmen, wie zum Beispiel die weltweit grösste Container-Reederei MSC sowie Firmen, die hauptsächlich Rohstoffe raffinieren, sind in der Aufstellung nicht erfasst.

Vor allem Öl, Gas und Erze

Damit ist die Definition recht eng gefasst, was auch erklärt, warum die Rohstoffbranche «nur» 19.2 Milliarden Franken zum Bruttoinlandprodukt beiträgt. Frühere Schätzungen gingen von fast doppelt so viel aus.

Die 400 Rohstoffhändler erzielen 40 Prozent der Wertschöpfung mit Brennstoffen und Öl, 33 Prozent mit Erzen – also Gold, Kupfer und anderen Metallen. Viel weniger bedeutsam sind Agrarprodukte wie Futtermittel und Getreide, Kaffee und Kakao. Chemische Erzeugnisse machen nur rund fünf Prozent der Wertschöpfung aus.

Der grösste Teil der Unternehmen hat ihren Sitz in Genf, gefolgt von Zug. In Zug wird 27 Prozent der Wertschöpfung geschaffen, in Genf 60 Prozent.

Viel Gewinn – und viel Steuereinnahmen

Mit der Wertschöpfung werden die Löhne und das für den Handel notwendige Kapital bezahlt. Ein grosser Teil fällt aber auch als Gewinn an. Das wiederum generiert hohe Steuererträge: Die Genfer Finanzministerin sagte im Frühling gegenüber Radio SRF, dass rund die Hälfte der Unternehmenssteuern aus dem internationalen Handel stammten.

Auch für den Bund sind die Steuern aus Genf wichtig und offenbar immer wieder unerwartet hoch: Im Februar bedankte sich Bundesrätin Karin Keller-Sutter für den Geldsegen aus Genf. Und letzte Woche hat die Finanzkommission des Ständerats darüber beraten, wie die offenbar erneut unerwartet zusätzlichen 300 Millionen Franken aus Genf verwendet werden sollen.

Das Bundesamt für Statistik wird die Rohstoffbranche auch in den nächsten zwei Jahren genauer untersuchen, dann läuft das Mandat des Bundesrats aus.

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SRF 4 News, 18.11.2025, 11:00 Uhr ; 

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