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Neue Spitze für Raiffeisen Viel Kredit für Guy Lachappelle

Die Wahl fürs Raiffeisen-Präsidium kommt überraschend, löst aber positives Echo aus. Analyse von Redaktor Klaus Ammann.

Legende: Audio Vorschusslorbeeren für den neuen Raiffeisenpräsidenten abspielen. Laufzeit 02:28 Minuten.
02:28 min, aus Echo der Zeit vom 14.09.2018.

Mit dem Chef der Basler Kantonalbank hatten wohl die wenigsten gerechnet. Guy Lachappelle, 57-jährig, war über die Region Basel hinaus bisher wenig bekannt. 2010 stiess er zur Basler Kantonalbank.

2013 hat er den Chefposten übernommen, als sein Vorgänger mehr oder weniger freiwillig die Staatsbank verliess. Diese hatte nicht nur unversteuerte Gelder von ehemaligen UBS-Kunden aus den USA übernommen, sondern war über eine Tochterfirma auch in einen Betrugsskandal verwickelt.

Vertrauen neu aufbauen

Guy Lachappelle räumte auf und richtete die Basler Kantonalbank neu, sprich steuerehrlich, aus. Eine Neuausrichtung wird von dem gross gewachsenen, freundlich auftretenden Mann auch bei der Raiffeisen-Gruppe erwartet.

Hier ist er zwar nicht mehr wie in Basel der operative Chef, sondern als Verwaltungsratspräsident vor allem für die Strategie zuständig. Dabei muss er in erster Linie Vertrauen neu aufbauen. Nicht so sehr das Vertrauen der Kunden in ihre lokale Raiffeisenbank. Diese sind Raiffeisen bisher treu geblieben.

Die Gruppe sehnt sich nach neuem Stil

Das Vertrauen der über 250 regionalen Raiffeisenbanken in der ganzen Schweiz zur Zentrale in St. Gallen hat in den letzten Monaten aber arg gelitten. Einerseits ermittelt die Strafuntersuchungsbehörden gegen Pierin Vincenz, den Mann, der die Raiffeisengruppe 17 Jahre lang geführt hat, wegen des Verdachts auf ungetreue Geschäftsführung.

Andererseits hat die eidgenössische Finanzmarktaufsicht dem bisherigen Verwaltungsrat grobe Versäumnisse vorgeworfen. Er habe die Aufsicht über Vincenz vernachlässigt, stellten die Bankenaufseher fest und verpflichteten die Bank dazu, den «ordnungsgemässen Zustand» wiederherzustellen.

Viel Lob im Voraus

Bankenexperten aber auch regionale Raiffeisen-Chefs trauen Guy Lachappelle diese Aufgabe zu, wie die Reaktionen heute zeigen. Seine Erfahrung mit Neuausrichtungen und seine grosse Glaubwürdigkeit werden allenthalben gelobt. Er kommuniziere offen und könne auch zuhören.

Ob die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt sind, wird Guy Lachappelle schon bald unter Beweis stellen können. Er und seine Kolleginnen und Kollegen im Verwaltungsrat werden als eine der ersten Aufgaben einen neuen Chef oder eine neue Chefin für die Raiffeisenbank wählen müssen.

Klaus Ammann

Klaus Ammann

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Willi Fetzer (wi)
    Bisher 2 Kommentare, beide vernichtend!Daher habe ich gegoogelt,INSIDE Paradeplatz.Da werden doch erhebliche Zweifel vorgebracht am neuen"starken"Mann der Raiffeisen.Ich erwarte jedoch von SRF, dass es nicht nur Werbeprospektmässig Publicity macht, sondern auch kritisch und neutral berichtet!
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  • Kommentar von Werner Blatter (blatti)
    Untragbar!
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  • Kommentar von Wolfgang Nivard Wolfsgruber (Nivi)
    Guy Lachappelle ist es gelungen, sich geschickt aus der Verantwortung beim ASE Betrugsfall zu halten. Der Betrug war nur möglich, da die BKB über viele Jahre die schwersten Compliance Regel Verstösse und internen Bankenaufsichtspflicht-Verletzungen begangen hat. Dass er dann in seiner Funktion alles getan um die geschädigten ASE Fonds Kunden leer ausgehen zu lassen, ist eine grosse Schande für ihn und für eine Kantonalbank. Die Raiffeisenkunden seien gewarnt, auf wen sie sich da einlassen!
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