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Modeindustrie entdeckt Secondhand
Aus Rendez-vous vom 28.07.2020.
abspielen. Laufzeit 04:59 Minuten.
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Neuer Geschäftszweig Fast Fashion mischt im Secondhand-Markt mit

Immer schneller, immer billiger, immer neu – das war lange Zeit das Motto in der Mode-Industrie. Doch dieses Fast-Fashion-Modell sei nicht nachhaltig, sagt Tobias Meier, Textilexperte beim Thinktank Ecos. Auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht: «Umwelt, Soziales und Wirtschaft leiden in diesem Modell gleichermassen.»

Nicht nur die Umwelt und die Fabrikarbeiterinnen leiden, sondern auch die Kassen von H&M und Co. Denn die Konsumenten wollten diese Billigmode immer weniger kaufen: «Da suchen die Fast-Fashion-Häuser natürlich auch nach Auswegen, wie man dieses Wirtschaftsmodell erweitern kann», so Meier weiter.

Sie erhoffen sich, Online-Know-how einzukaufen, um das Kerngeschäft steigern zu können.
Autor: Walter OberliE-Commerce-Experte

Einkauf von Know-how

Einer dieser Auswege ist der Handel mit Secondhand-Kleidern. H&M und Walmart haben sich bei entsprechenden Online-Plattformen eingekauft. Damit könnten die grossen Häuser zwei Fliegen auf einen Streich schlagen, sagt Walter Oberli vom E-Commerce-Beratungsunternehmen Carpathia: «So kann man zusätzliches Geld verdienen. Auf der anderen Seite erhoffen sie sich, Online-Know-how einzukaufen, um das Kerngeschäft steigern zu können.»

Den Trend hin zum Onlinehandel haben die grossen Modeketten bekanntlich lange Zeit verschlafen. Damit fehlt ihnen auch ein weiteres wichtiges Gut: Daten über das Kaufverhalten der Kundschaft. «Die Daten von der Secondhand-Plattform kann H&M unter Umständen wieder nutzen, um das Kerngeschäft zu optimieren», so Oberli. Auch da geht es also primär um den Einkauf von Know-how, das bisher gefehlt hat.

Das grosse Geld winkt nicht

Nicht zu unterschätzen ist auch die Imagepflege. Bei einer hippen jungen Secondhand-Plattform dabei zu sein, macht sich gut für die Fast-Fashion-Anbieter. Was die Glaubwürdigkeit betrifft, sei das eine Gratwanderung, gibt Detailhandelsexperte Marco Fuhrer zu bedenken: «Es ist ein Versuch in die richtige Richtung, in Richtung Ressourcen schonen. Aber es muss auch konsequent gelebt werden. Die grossen Volumen gehen immer noch über die andere Schiene.»

Auch scheint es wenig realistisch, dass die grossen Modeketten mit dem Wiederverkauf ihrer eigenen Fast-Fashion-Kollektionen das grosse Geld verdienen werden. Denn die grossen Umsätze im Secondhand-Markt würden vor allem mit teureren Markenkleidern, Couture-Mode und Handtaschen erzielt.

Wenn man Secondhand-Teile weiterverkaufen will, bin ich mir nicht sicher, ob der neue Käufer glücklich wird damit.
Autor: Marco FuhrerDetailhandelsexperte

«Es ist sicher da von Interesse, wo die Qualität auch einen Wiederverkauf zulässt. Gerade bei den Fast-Fashion-Anbietern ist die Qualität für eine Saison absolut okay. Aber wenn man die Teile weiterverkaufen will, bin ich mir nicht sicher, ob der neue Käufer glücklich wird damit», sagt Fuhrer.

Der Thredup Resale Report prognostiziert für den Secondhand-Markt zwischen 2019 und 2021 ein Wachstum von fast 70 Prozent – wenn auch ausgehend von einem tiefen Niveau. Dass sich die grossen Ketten von diesem Kuchen ein Stück abschneiden wollen ist klar.

Erfreulicher Trend

Und was immer auch ihre Motivation ist, in den Secondhand-Markt einzusteigen – aus Umweltsicht sei der Trend erfreulich, sagt Dario Grünenfelder, Textilexperte von WWF: «Im Grundsatz empfinden wir das als eine sehr positive Entwicklung, wenn der Kleidung wieder ein höherer Wert beigemessen wird und man versucht, sie länger zu tragen.»

Denn bei allen Bemühungen um Nachhaltigkeit und ein gutes Image: Der beste Weg Ressourcen zu schonen ist nach wie vor, den Kreislauf von Konsumgütern möglichst lange am Laufen zu halten. Das gilt ganz besonders für Modeartikel.

Rendez-vous vom 28.7.2020

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