«Die Vorfreude ist gross», sagt Patrik Müller, Chefredaktor von CH Media. Das Medienunternehmen baut sein digitales Angebot aus und lanciert mit «Schweiz heute» ein nationales Newsportal für die Deutschschweiz. Das Angebot soll nationale und internationale Themen bündeln und gleichzeitig wichtige regionale Geschichten sichtbar machen.
SRF-Medienredaktor Salvador Atasoy sieht durchaus Chancen für das neue Angebot: «Nutzerinnen und Nutzer wechseln heute häufiger das Medium, wenn die Inhalte überzeugen.»
Ein Markt unter Druck
Die Medienbranche steht seit Jahren unter Druck. Sinkende Werbeeinnahmen, die Konkurrenz durch kostenlose Inhalte im Internet und durch Technologien wie künstliche Intelligenz verändern das Mediengeschäft grundlegend. Gleichzeitig kämpfen die Medienhäuser um die Aufmerksamkeit eines Publikums, das Nachrichten auf immer mehr Kanälen konsumiert.
Auch CH Media blieb von Sparmassnahmen nicht verschont. 2024 stellte das Unternehmen seine regionalen «Today»-Newsportale per sofort ein. 34 Mitarbeitende verloren damals ihre Stelle.
Dieses Mal wolle man jedoch «keine Millionen aus der Kasse nehmen», sagt Patrik Müller. Zwar wurde die Redaktion punktuell verstärkt, den Grossteil der Inhalte liefern jedoch die rund 350 Journalistinnen und Journalisten, die bereits heute für die 18 Regionalzeitungen und die nationalen Inhalte von CH Media arbeiten.
Wer sich nicht bewegt, kann nur zuschauen, wie die Werbeeinnahmen weiter sinken und die Leserinnen und Leser abspringen.
Finanziert werden soll das neue Angebot vor allem über Abonnemente. Wer ein digitales Abo besitzt, erhält künftig Zugriff auf die Inhalte sämtlicher CH-Media-Tageszeitungen. «Wir verzeichnen in unseren Regionen eine steigende Zahl von Abonnentinnen und Abonnenten und wollen nach derselben Logik auch mit ‹Schweiz heute› erfolgreich sein», sagt Müller.
Strukturwandel im Medienmarkt
CH Media ist nicht das einzige Medienunternehmen, das derzeit auf neue digitale Strategien setzt. Nachdem die Interactive Media Group AG im letzten April 22 Regionalzeitungen aus Christoph Blochers Zeitungsunternehmen übernommen hatte, kündigte auch sie an, verschiedene Regionalzeitungen stärker zu digitalisieren und über neue Plattformen sowie Apps zugänglich zu machen.
Für Medienredaktor Atasoy sind solche Entwicklungen notwendig: «Wer sich nicht bewegt, kann nur zuschauen, wie die Werbeeinnahmen weiter sinken und die Leserinnen und Leser abspringen.»
Innovationen seien deshalb wichtig. Für die Branche selbst seien sie jedoch wenig hoffnungsvoll: Es entstünden durch die Änderungen weder neue Stellen noch neue Perspektiven für den Journalismus. Auch dürften die Herausforderungen für die Branche in Zukunft nicht kleiner werden, so Atasoy.